Der Weltbürgerkrieg und der Islam

Die schnell behauptete Trennung zwischen Islam und Islamismus funktioniert nicht, so unser Gastautor Tomas Spahn in einem Diskussionsbeitrag. Es geht nicht um persönliche Mitverantwortung - sehr wohl aber um das Benennen der ideologischen Wurzeln. Dieser Beitrag ist ein Einsteig in eine schmerzhafte Debatte, der sich gerade friedliebende und moderne Muslime ebenso stellen müssen, wie es Christen wenigstens streckenweise schon hinter sich brachten.

jorisvo / Shutterstock.com
jorisvo / Shutterstock.com

Im Jahr 2006, als in islamischen Staaten Strohpuppen und Staatsflaggen brannten, weil im kleinen Dänemark ein Zeichner von einem selbstverständlichen Recht Gebrauch gemacht und den islamischen Vordenker Muhamad als Terroristen karikiert hatte, schrieb ich in einem Essay unter Bezug auf Samuel Huntington den folgenden Satz:

„Tatsächlich befinden sich die Kulturen der Welt längst mittendrin in diesem Konflikt. Ein Konflikt, der sich als der erste wirkliche Weltkrieg erweisen könnte. Es ist nicht zwingend ein Krieg zwischen Christen und Moslems. Aber es ist ein Krieg zwischen Humanismus und Dogmatismus. Es kann ein Krieg sein, in dem aufgeklärte Atheisten und Anhänger der Weltreligionen von Christen, Juden und Buddhisten über Hindus bis Moslems gemeinsam stehen gegen religiöse Dogmatiker aller Konfessionen.“

Heute, zahlreiche islamisch motivierte Anschläge später und unter dem Eindruck des Terroranschlags in Frankreich, möchte ich einen Schritt weiter gehen: Ja, es ist ein Weltkrieg. Aber es ist kein Krieg der Nationen und auch kein Krieg der Zivilisationen. Und Ja, wir befinden uns mittendrin auch dann, wenn viele immer noch die Augen verschlossen halten möchten: Es ist ein Weltbürgerkrieg. Und er tobt quer durch die Staaten und Kontinente, quer durch soziale, ethnische und kulturelle Gruppen und Identitäten. “Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erreichte der islamische Terror neue gefährlichere Eskalationsstufen. Paris ist nicht die Endstation”, bilanziert die FAS. Selbstkritisch schreibt die Islamische Zeitung:

“Man wird auch schon bald zahlreiche Distanzierungen und Deassoziierungen der muslimischen Welt vernehmen – Beiträge von hunderten Gelehrten, die den Terrorismus klar ablehnen, zitieren können. Unsere Repräsentanten werden in den Medien immer wieder ihren Unmut formulieren. Und doch hat dieses Verbrechen – leider – mit uns Muslimen zu tun.  ”

 

„I am Muslim, not a terrorist!“

Angesichts des nun wieder erfolgten Massenmordes an lebenslustigen Menschen in einer der schönsten Städte der Welt breitete sich in den sozialen Netzwerken im Eiltempo eine Parole aus: „I am Muslim, not a terrorist!“. Absender waren weltweit vor allem jüngere Anhänger des Propheten, die nicht ohne Grund einmal mehr befürchteten, für die barbarischen Taten ihrer Glaubensbrüder in die kollektive Mithaftung genommen zu werden.

Um dieses gleich an dieser Stelle festzuhalten: Ja, ich glaube ihnen. Sie halten sich für Muslime – und sie sind keine Terroristen. Sie sind ebenso wenig Terroristen wie meine türkischen Nachbarn oder mein tunesischer Schüler. Sie sind, wie diese auch, Muslime, die fest davon überzeugt sind, im Islam eine Botschaft des Friedens zu finden. Und dennoch gibt es ein Problem. Ein im wahrsten Sinne des Wortes fundamentales Problem.

Mohammed und die erste Säule des Islam

Blicken wir auf die erste Säule des Islam, die Shahada. Es ist dieses das Glaubensbekenntnis der Muslime und es lautet: “Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und dass Mohammed der Gesandte Allahs ist.“

Auch wenn die Muslime sich als Monotheisten begreifen, die in der Übernahme eines frühsemitischen Gottesbegriffes wie die beiden anderen abrahamitischen Weltreligionen für ihren Gott nicht einmal einen Namen haben, bezeugen Sie nicht nur die wissenschaftlich nicht nachweisbare Existenz dieser Wesenheit, sondern erheben bereits hier jenen arabischen Kaufmann mit der arabischen Schriftzeichenfolge M-H-M-D unmittelbar als „Gesandten“ an die Seite und damit faktisch auf die Ebene des Göttlichen. Die Folge dieser Erhebung eines Menschen auf diese Ebene des Göttlichen ist, dass für Muslime nicht nur die im Koran niedergeschriebene, vorgeblich göttliche Botschaft handlungsbestimmend ist, sondern sämtliche Handlungen dieses transliterierten Mohammed göttlichen Weisungscharakter haben. Niedergeschrieben sind diese Handlungen nicht nur im Koran selbst, sondern auch in den Hadithe, jenen Überlieferungen aus dem Leben dieses islamischen Propheten. Und da nun wird diese Figur, die vermutlich eine historische ist, zum eigentlichen Problem der Muslime selbst.

Mohammed als Problem der Muslime

Mohammed, der erst durch die Heirat seiner Arbeitgeberin vom Nichts zum angesehenen Bürger aufstieg, ist im Verständnis der westeuropäischen Aufklärung erst einmal nichts anderes als ein Ideologe. Jenseits der verklärenden Vorstellung einer via Engel zugeflossenen göttlichen Inspiration schrieb er eine auf seine Person maßgeschneiderte Handlungsanweisung des Welteroberungskrieges. Der historische Mohammed selbst war – wenn man dem Koran und den Hadithe glaubt – genau das, was wir Europäer heute als Terrorist bezeichnen. Schon sein Massenmord an den jüdischen Quraiza betraf seinerzeit zwischen 0,0003 bis 0,0004 Prozent der damaligen Weltbevölkerung. Umgerechnet auf heutige Bevölkerungszahlen würde allein durch diese Tat das Blut von 21.000 Menschen an seinen Fingern kleben. Dieses Massaker wäre ungefähr so zu verstehen, als wenn mit einem Schlag alle Bewohner von Annaberg-Buchholz in Thüringen ermordet würden.

Mohammed war auch der Befehlshaber und Vordenker einer Gruppe, die ihre Weltanschauung mit terroristischen Methoden und jenseits jeglicher menschlichen Regungen im wahrsten Sinne des Wortes mit Feuer und Schwert verbreitete. Innerhalb von nur vierzig Jahren wurden die christlichen, jüdischen und zoroastrischen Gemeinden zwischen dem christlich-römischen Tripoli im heutigen Libyen, dem christlich-armenischen Artashat an der Südgrenze des heutigen Armeniens und dem zoroastrischen Mashhad nahe der Ostgrenze des heutigen Iran erobert und zwangskonvertiert. Nicht nur die anschließende Unterwerfung Indiens wird über hunderttausende von Zivilisten das Leben oder die Freiheit gekostet haben. Wenn die Christen, Hindus und jene wenigen Überlebenden zoroastrischer Glaubensgemeinschaften im mittelalterlichen Islam die größte Geißel Gottes gesehen haben, so ist dieses aus ihrer Sicht in jeder Hinsicht gerechtfertigt: Die Muslime der Spätantike waren bis in das Hochmittelalter hinein und darüber hinaus für die von ihrer Expansion Betroffenen eben immer auch das, was der „Islamische Staat“ heute ist: Eine aggressive Terrororganisation, die vor definitiv nichts zurückschreckte, um ihre Philosophie zur und den damit verbundenen Machtanspruch zum alleinig herrschenden zu machen.

Weil das so ist, ist es auch absurd, wenn bis heute Muslime und selbst muslimische Verbände in Deutschland von der christlich-abendländischen Welt, die sich zugegeben beispielsweise bei der Kolonialisierung Amerikas oder Nordasiens nicht immer deutlich menschlicher als islamische Eroberer verhalten hat, eine Entschuldigung für die Kreuzzüge nach Palästina einfordern. Gegen das, was die Muslime bei ihrer Expansion an Ermordeten und Versklavten bewirkten, waren die Opfer des christlichen Versuchs, ihre religiösen Heiligtümer zurück zu erobern, verschwindend gering.

Keine Aufrechnung – aber dennoch ein Problem

Diese Hinweise sollen jedoch weder relativieren noch aufrechnen. Sie sollen aber verdeutlichen, dass die propagierte Friedfertigkeit des Islam eben nicht für die Menschheit in Gänze gilt, sondern sich –wie es im Koran auch definiert ist – lediglich auf die Anhänger des Mohammed selbst beschränkt. So, wie sich beispielsweise auch das mosaische Gesetz des Tanach eben nicht als globales Menschenrecht versteht, sondern nur für die Gruppe jener gilt, die sich zu den Inhalten dieses Buches, das den Christen als Altes Testament bekannt ist, bekennen, sind die Islamischen Gebote kein universelles Menschen- sondern Anhängerrecht – wenn auch unter dem Anspruch, dass irgendwann alle Menschen der Gruppe der Anhängerschaft angehören werden, wodurch sich dieses Gruppen- automatisch zum allgemeinen Menschenrecht wandeln würde.

Damit aber sind wir nun bei dem eigentlichen Problem zwischen islamischer und nicht-islamischer Welt. Wer im Alten Testament blättert und die dortigen Texte analysiert, der kommt an der Feststellung nicht vorbei, dass dort – vergleichbar dem Koran – die Einführung eines jüdischen Gottesstaates eingefordert wird. Wer die Geschichte der christlichen Kirchen studiert, dem wird nicht verborgen bleiben, dass diese den Monotheismus ihres Gottes dazu missbrauchten, einen totalitären, vorgeblich christlich geprägten Gottesstaat anzustreben und umzusetzen.

Die jüdische Gottesstaatsidee hatte sich mit dem durch das europäische Rom veranlassten Ende des Hasmonäerstaates 63 vc und der Niederschlagung jüdischer Aufstände im ersten nachchristlichen Jahrhundert faktisch aus der jüdischen Glaubenswelt verabschiedet. Das heutige Israel ist ein auf den Ideen der maßgeblich auch von jüdischen Denkern vorangetriebenen, westeuropäischen Aufklärung basierender, demokratischer Staat.

Die Idee eines totalitär-christlichen Staates, die übrigens in eklatantem Widerspruch zum theologischen Anspruch Jesu steht, ging im Zuge der Aufklärung ebenfalls ihren Weg in die Geschichtsbücher. Zumindest die westeuropäischen Kirchen des Katholizismus und des Protestantismus haben sich von Ziel eines Glaubensstaats definitiv verabschiedet.

Das aber ist beim Islam anders. Nicht nur im sa‘udischen Wahabismus nebst seinen salafistischen Ablegern bis hin zum „Islamischen Staat“ spukt die Idee des supranationalen, weltumspannenden Kalifats der islamischen Umah (Gemeinschaft) nach wie vor in den Köpfen herum. Deswegen haben nicht nur sa‘udische Wahabiten den Sa’udi Osama bn Ladin und seine alQaida ebenso wie den sunnitischen IS unterstützt. Die Radikalität islamischer Fundamentalisten zeigt sich auch dann, wenn auf den Schiffen der illegalen Einwanderer auf dem Mittelmeer christliche Leidensgenossen über Bord geworfen oder in den Einwanderer-Notunterkünften Mitbewohner nicht-islamischer Glaubensrichtungen gezielt drangsaliert werden.

Der Terror hat sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun

All dieses ist auch für den ganz normalen Bürger deutlich erkennbar – und wenn dann die obersten Vertreter unserer Islamverbände, assistiert durch scheinbar wohlmeinende Politiker, beständig erklären, der Terror im Namen des Islam habe nichts mit dem Islam zu tun, dann manifestieren sie damit den Riss zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Menschen. Denn der Terror hat sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun. Er ist – daran führt angesichts der Geschichte Mohammeds und den entsprechenden Forderungen in den islamischen Basiswerken kein Weg vorbei – das zwangsläufige Resultat einer fundamentalistischen Übernahme und Umsetzung dessen, was Mohammed vor rund 1.400 Jahren niederschrieb und in die Tat umgesetzt sehen wollte.

Dennoch – und das ist an dieser Stelle bedeutsam – ist selbstverständlich nicht jeder Muslim ein Terrorist, und alles andere wäre absurd. Aber leider kann sich jeder muslimische Terrorist völlig zu Recht auf den Islam berufen. Und das muss, um das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen im Sinne eines erfolgreichen, gemeinsamen Kampfes gegen den Terror im Weltbürgerkrieg eindeutig zu klären, dann von den Muslimen endlich auch genau so eingestanden werden. Nur so kann dieses Fixierung zukünftig beendet werden.

Verleugnen ist keine Lösung

Was wohl würde geschehen, wenn die Christen sich hinstellten und den im Namen des Kreuzes geführten Vernichtungsfeldzug gegen die indigenen Völker Süd- und Mittelamerikas mit dem Hinweis abtäten, das alles hätte nichts mit dem Christentum zu tun gehabt? Ein Muslim aber kann dieses angesichts der überlieferten Lebensgeschichte und der entsprechenden Aufforderungen seines Heiligen Buches selbst dann nicht, wenn er sich aus tiefster Überzeugung vom Terror im Namen des Islam distanziert. Er muss sich dazu bekennen, dass dieser Terror ein unabweisbarer Teil seiner Geschichte und damit seiner kollektiven Identität ist – so wie ein Christ weder die Judenverfolgung noch die Vernichtung und Unterwerfung indigener Völker im Namen Jesu aus seiner Geschichte und seiner kollektiven Identität verbannen kann.

Wenn der Islam sich dazu bekennt, dass der weltliche Anspruch seiner Philosophie der einer Weltglaubensherrschaft ist und die führenden Vertreter der Muslime sich definitiv von diesem Anspruch distanzieren und ihn, wie Juden und Christen, als Irrweg auf dem Weg zur eigentlichen Religiosität des Glaubens begreifen, dann haben Gläubige wie Nicht-Gläubige aller Weltinterpretationen eine Chance, gemeinsam in diesem Weltbürgerkrieg zwischen sich religiös und anders begründenden Kollektivisten und den Vertretern einer auf dem Individualrecht des Einzelnen beruhenden Weltgemeinschaft zu obsiegen.

Wenn sich die Vertreter und Anhänger des Islam jedoch weiterhin aus ihrer Verantwortung damit herauszuwinden suchen, dass sie die unabweisbar in ihren religiösen Wurzeln verankerten Fundamente des weltweiten Terrors als „unislamisch“ charakterisieren, wird bei den Nicht-Muslimen immer das Gefühl vorhanden bleiben, dass diese Floskeln letztlich nur dem Ziel der Verschleierung wahrer Ziele dienen sollen. Will der Islam als Religion und nicht als Konzept eines – wie Hamed Abdel Samad es überspitzt und politikwissenschaftlich fragwürdig darstellt – faschistischen Eroberungskonzepts wahrgenommen werden, dann ist es an der Zeit, dass er wie Juden- und Christentum in der Gegenwart ankommt und nicht länger im Frühmittelalter verharrt. Verweigern sich die Muslime mehrheitlich diesem Schritt, dann werden sie sich auch künftig unabhängig von ihrer individuellen Gewaltbereitschaft vorwerfen lassen müssen, für Terroranschläge wie jene in New York, Madrid, London und nun wieder Paris ebenso Mitverantwortung zu tragen wie für jene, die unweigerlich noch und auch in deutschen Städten geschehen werden.

Als Deutscher trage ich auch heute eine Verantwortung dafür, dass sich der Holocaust niemals wiederholen kann – und ich kann mich nicht davon freisprechen, dass dieser Massenmord im Namen meines Volkes geschah. Als christlich geprägter Europäer bin ich dafür verantwortlich, die Massenunterdrückung anderer Kulturen und ihrer Menschen im Namen Jesu niemals wieder zuzulassen – und ich kann mich nicht damit davonstehlen, dass ich feststelle, die Schandtaten hätten mit des Intentionen des Jesus nichts zu tun.

Die Muslime müssen sich, soll ihre Distanzierung von den Terrortaten fundamental-islamischer Aktivisten im Nahen Osten wie anderswo auf der Welt redlich sein, dazu bekennen, dass diese Verbrechen im Namen ihres Glaubens geschehen. Das hat mit persönlicher Schuldanerkenntnis ebenso wenig zu tun wie mein Bekenntnis zum Verbrechen des Holocaust und der Untaten der Konquistadoren. Wer sich aber herauswindet, macht sich mitschuldig, und wer Verantwortung ableugnet, ist zur Überwindung eines Übels unfähig. Das gilt auch dann, wenn ich jedem einzelnen Muslim gern und aus Überzeugung glaube, diesen Terroranschlägen im Namen einer Religion mit ebensoviel Abscheu gegenüber zu stehen wie ich selbst.

Unterstützung
oder

Kommentare {82}

  1. Flüchtlingströme gesteuert oder nicht?

    http://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-2015/western-union-und-die-geplante-logistik-der-migrantenstroeme/

    Ein jeder mache sich seine eigene Gedanken darüber:

    Mfg Reinhard Peda

  2. Sehr geehrter Herr Spahn,
    ich habe Ihren Artikel mit Interesse gelesen. Sie scheinen sich auch etwas mit dem Islam auseinandergesetzt zu haben, das kann man jedenfalls an den Elementen ablesen, mit denen Sie Ihre grösstenteils abwertende Haltung gegenüber dem Islam begründen wollen. Kritik ist immer erlaubt, Sie lassen aber den Respekt vermissen, vor einer Religion und deren Anhängern und das ist im Sinne eines verständnisvollen Zusammenlebens im Jahr 2015 in Deutschland ein “NoGo”.
    Ich will auf einzelne Teile Ihrer Argumentation nicht weiter eingehen, jedoch kann man das was Sie hier schreiben grundsätzlich eher als Halbwissen beschreiben, mit dem Sie sicherlich den Durchschnittsleser, vielleicht sogar den einen oder anderen Moslem beeindrucken können.
    Leider ist Ihre Argumentation fachlich überhaupt nicht haltbar, weder den Fakten nach, noch in der Argumentationsweise.
    Kleiner Tipp von mir: Schreiben Sie “Kommentar” drüber und in diesem Text können Sie sich dann die Welt genauso machen, wie Sie Ihnen gefällt. Das ändert dann zwar nichts an den Fakten aber Sie und Ihre Mitstreiter können sich dann weiter hier die Bälle zuspielen.
    Wenn Ihnen wirklich was daran liegt, den Islam kennenzulernen, diskutieren Sie mal mit gebildeten Muslimen, die Ihre Religion kennen (so habe ich es gemacht und viel über diese Religion erfahren) und nicht mit dem Dönermann oder dem türkischen Gemüsehändler. Genau das gleiche hat mir übrigens mal ein Pegida Mann erzählt. Der wollte mir auch berichten, dass sein Dönermann voll hinter den Pegida-Demonstrationen steht.
    Wenn Sie danach immer noch in der Lage sind so einen Artikel zu schreiben ohne rot zu werden, dann sehe ich wahrhaft schwere Zeiten auf Deutschland zukommen.

    1. Na schön Herr Marco, Kritik OK aber gehts auch genauer?

      Was ist hiermit?

      http://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-2014/islam-nicht-enden-wollender-glaubenskrieg-nach-innen-und-nach-aussen/

      Und warum sollte ich mich irgendeinem Glauben unterordnen?

      Tatsächlich siehts für mich aus, das jeder Korangläubiger seinen Blockwart hat der natürlich auch ein Korangläubiger ist, und nur eben nicht Weiß, wer der Blockwart ist. Ihr Probem wenn Sie so Leben für gut halten, ich nicht!

      Und nun warte ich auf Ihre Argumente!

      Mit freundlichen Grüßen, Reinhard Peda

    2. @Marco – um etwas kennenzulernen, mag der Weg, mit Anängern desselben zu sprechen, der richtige sein. Um etwas sachlich zu analysieren, ist das mit Sicherheit der falsche Weg. Denn dann wird eine Analyse im Zweifel durch vorgeschobene Interpretation verunmöglicht.
      Ich unterhalte mich gern mit Muslimen – habe aber leider feststellen müssen, dass sie ihr Heiliges Buch entweder nicht kennen oder nicht verstehen, was dort steht. Denn nichts von dem, was ich in meinen Texten zum Islam schreibe, ist etwas, das NICHT in den benannten Büchern und Quellen so zu finden ist, wie ich es beschreibe. Ich habe keinerei Interesse daran, Philosophien Dinge zuzuschreiben, die ihnen nicht zuzuschreiben sind.
      Die historische Wurzel des Islam ist aggressiv. Die historische Wirklichkeit des Islam ist die einer aggressiv verbreiteten Ideologie der politischen Dominanz – die Sie, wenn Sie mögen, gern Religion nennen können, was gleichwohl nichts daran ändert, dass wir es mit einer menschengemachten Philosophie zu tun haben, die recht konkrete Ziele verfolgte und – zumindest im wahabitischen Fundamentalismus – nach wie vor verfolgt.
      Wenn mein muslimisches Gegenüber diese unabweisbaren Fakten akzeptiert, dann bin ich gern bereit, mit ihm darüber zu sprechen, dass auch der Islam nach rund 1400 Jahren eine Entwicklung genommen haben kann, die sowohl einen Wandel von der Ideologie zur metaphysischen Weltbetrachtung vollzogen als auch sich von ihrem bereits im Koran festgeschriebenen Weltherrschaftsanspruch verabschiedet hat. Solange mir aber ein Muslim erzählt, all diese Fakten stünden nicht im Koran und den Hadithe oder es käme auf “die Interpretation” an und jede außer der von ihm vorgetragenen Interpretation sei unislamisch – solange besteht für mich nicht die Situation um in eine sachliche und auf gegenseitigem Respekt beruhende, sachliche Diskussion einzutreten.
      Apropos Respekt, den Sie einfordern – ich respektiere Menschen, wenn sie sich Respekt verdienen. Ideologien und Philosophien gegenüber muss ich keinen Respekt haben – dafür gibt es keinerlei Veranlassung. Und insofern werde ich weiterhin nicht nur Artikel schreiben, sondern auch weitere Bücher verfassen, die sich mit Religionen beschäftigen. Dass die Ideen des Mohamed dabei ebenfalls stattfinden werden, liegt in der Natur der Sache.

  3. Dank meiner Erkältung konnte ich die Gedanken von Herrn Spahn und die vielen nachdenklichen Kommentare in Ruhe lesen. Bei meinen Gesprächen mit einfachen Muslimen fällt mir immer auf, dass sie ihren Glauben keinen Millimeter mit dem Terror in Verbindung bringen. Ebenso aussichtslos ist es, dass sie irgend eine Art von Korrelation zwischen der oft desolaten Lage in den islamischen Kernländern und dem islamischen Glauben herstellen. Es ist wie ein blinder Fleck. Alle anderen sind schuld: die USA, die Russen, die Waffenhändler, das Schlechte in der Welt insgesamt, aber NIE der Glauben an Allah und seinen Propheten. Gesprächspartner, die vorher lustig und selbstironisch über dies und das plaudern konnten, werden fast zu einer anderen Person, wenn es um den Islam geht.
    Meinem Oliven- und Schafskäsehändler wollte ich heute beibringen, dass es jetzt nicht mehr genügt zu sagen, dass alles schlimm sei, und dass das alles überhaupt nichts mit dem Islam zu tun hätte, sondern wir “Ungläubigen” erwarten jetzt Symbole, etwa, dass an einem Tag im Jahr die Anhängerinnen des Propheten ohne Kopftuch auf die Straße gehen, oder dass alle Muslime an einem Tag im Jahr sich gemeinsam mit Christen in der Kirche zu Gebet treffen, oder dass man die Hadsch für drei Jahre aussetzt, weil Saudi Arabien…
    Der Blick des wirklich netten Händlers hat mich dann verstummen lassen.

  4. Toller Artikel, ich stimme in weiten Teilen zu. Hinsichtlich der Erforderlichkeit „kollektiver Bekenntnisse“ einerseits und deren Nutzen andereseits würde ich jedoch widersprechen. Zudem glaube ich, dass mit dem Dogmatismus eben doch zwingend der Islam als Gegner ausgemacht werden muss.

    Die Tatsache, dass die mit dem Christentum in Verbindung gebrachten Schandtaten (Kreuzzüge, Kolonialisierung, Judenverfolgung, totalitäre Tendenzen) der Botschaft Jesu – und damit dem Christentum selbst – diametral widersprechen und somit Missbrauch darstellen, wird kurz und treffend herausgearbeitet. Die entsprechende Feststellung hat jedoch nichts mit “davonstehlen” zu tun – sie ist schlicht zutreffend, und ermöglicht daher individuell wie auch kollektiv eine von den Schandtaten unabhängige Identität zu entwickeln, die auch ein “kollektives Bekenntnis” zu diesen überflüssig macht.

    Beim Islam verhält es sich – ebenfalls vorbildlich zusammengefasst – anders: Die Primärquellen sind gleichzeitig Problemquellen. Auch ein “kollektives Bekenntnis” zu Gewaltgeneigtheit und menschenverachtender, nichtmissbräuchlicher, weil theologisch korrekter Religionsausübung durch Dritte kann nur der erste Schritt sein. Denn möchte ein solches Bekenntnis mehr als nur Lippenbekenntnis sein, müssten Muslime eine Praxis entwickeln, die von der vom Religionsstifter intendierten derart wesensverschieden wäre, dass Religion und Anhänger die Namen “Islam” und “Muslim” kaum noch verdienten.

    Eine friedliche Welt kann es mithin nur ohne den Islam, wie er ursprünglich gedacht und wie er heute überwältigend mehrheitlich gelebt wird, geben. Damit geht es für DEN Islam um die Existenz – und solange es ihn gibt, geht es wiederum für freiheitliche Ordnungen um Existenz und Vernichtung. Hier wird deutlich, dass die Front des Weltbürgerkrieges letztlich doch an der Grenze des Islams verläuft und nicht an der zwischen Humanismus und Dogmatismus im Allgemeinen. Schließlich ist auch Dogmatismus nur so gefährlich wie die zu Grunde liegenden Dogmen. Und die in Qualität und Quantität gefährlichsten Dogmen stellt heute der Islam bereit.

    Fazit: Macht man den Dogmatismus als Gegner aus, muss man auch feststellen, dass der Islam faktisch annähernd alleiniger Anteilseigner des Dogmatismus ist. Die Konsequenz, langfristig auf die Abschaffung DES Islam hinzuarbeiten mag angesichts Milliarden von Muslimen radikal und utopisch klingen – eine ergebnisoffene Auseinandersetzung mit dem Islam offenbart dem freiheitlich-demokratisch Denkenden jedoch die Alternativlosigkeit dieser Folgerung.

  5. Sehr geehrter Herr Spahn,

    ich weiß nicht an welcher Stelle ich beginnen sollte auf Ihren Artikel apologetisch zu antworten. Eine kleine Gegendarstellung zu Beginn schon mal unter diesem Link:

    http://www.katholisches.info/2009/09/25/mit-kuhlem-kopf-an-heise-eisen-kreuzzuge-schwertmission-und-hexenverbrennung/

    Geben sie auf dieser Seite doch auch mal spaßeshalber den Suchbegriff Islam ein, Sie werden staunen, wie dezidiert dort differenziert wird.

    Nun folgendes:

    1. Ich stimme Ihnen insofern zu, als dass ich überzeugt bin, dass die islamische Religion in sich einen gewalttätigen, mindestens jedoch einen gewaltaffinen Kern trägt und in sich – unabhängig von einem religiösen Wahrheitsanspruch welcher Art auch immer – ein Konzept zur Unterwerfung und Beherrschung derjenigen darstellt, die sich ihm nicht freiwillig unterordnen wollen. Ob und wann diese Eroberung – die Ruhephasen waren Sie ja bereits so weitsichtig anzusprechen – vollzieht ist dabei nebensächlich.

    2. Nun zum Wahrheitsanspruch: Als Katholik bin ich entgegen einigen exponierten Vertretern unserer Konfession nicht der Ansicht wir beteten den gleichen Gott an wie die Mohammedaner. Da der Islam in seinem Offenbarungskern einen Wahrheitsanspruch formuliert, den ich für völlig unvereinbar mit dem Christentum halte – nämlich das eben jener Christus nicht der Sohn Gottes sei – ist so etwas für Katholiken undenkbar. Ich halte den Islam für eine falsche Religion, die – halten Sie Ihre aufgeklärten Ohren fest – vom Widersacher Gottes auf geniale Art und Weise geschaffen ist, um dem Christentum entgegenzuwirken. Anreize zur Nachfolge schafft er sich für Diejenigen die nicht schon aufgrund von Geburt und Inkulturation nichts Anderes kennen, durch die Möglichkeit sich auf Kosten von nicht-Muslimen zu bereichern, bzw. dass Versprechen diese Kulturen mit Gewalt beherrschen zu können. Auf andere theologische Differenzen lohnt es sich hiernach garnichtmehr einzugehen, weil der Offenbarungskern einer Religion zum unaufgebbaren Glaubensgut gehört; was uns zu Punkt drei führt:

    3. Der Offenbarungskern einer Religion ist die Quelle aus der sie schöpft. Ob dieser sich nun vor der Vernunft zu verantworten weiß, wie es der christliche ohne Zweifel, und – ja, auch nach der Aufklärung und Säkularisierung – unverändert vermag, ist erst einmal nebensächlich für die Kohärenz der Argumentation. Eine solche Offenbarung, die von den Gläubigen einer Religion als authentisch und wahr angenommen und anerkannt wird, ist somit ihr heiliges Inneres. Dieses kann nicht verändert werden, ohne die Religion selbst zu zerstören oder unwiederbringlich zu entstellen. Im Islam stellen dieses Innere der Koran und die Hadithe dar, wie Sie bereits richtig vermerkten. Distanziert man sich jedoch – wie heute kleingeistig vorgeschlagen oder gar verlangt wird, von einem Aspekt, wird das divine Gedankengebäude angreifbar und bald hinfällig. Wenn etwas wahr ist, hat man kein Recht sich davon zu distanzieren, auch wenn es jemand anders will. Ich in der Position eines gläubigen Muslims würde die Aufforderung Teile meines Glaubensgutes als falsch oder unmodern aufzugeben als eine der übergroßen Hybris entsprungene Verfehlung meines Diskussionspartners wahrnehmen und hätte damit wohl in den meisten Fällen nicht Unrecht.

    Die gleiche Hybris zeigt sich nämlich auch oft gegenüber dem Glauben der Katholiken. Da ist es schon ehrlicher zu sagen, was man denkt, und diese Religion im Ganzen abzulehnen, anstatt sie einzuhegen zu versuchen. Dadurch nämlich entehrt man den Gläubigen, der sich – sofern er ist – ganz in die Wahrheit seines Glaubens hineingibt. Ein Beispiel: Ein solcher Kritiker sieht sich selbst in der Position eines Elternteils, der seinem Kind, das gern mit einer Schere bastelt, diese entwindet, aus Angst er könnte sich oder andere Verletzen; diese stumpf macht und ihm zurückgibt. In dem Versuch den Glaubenden so zu bevormunden, kommt eine Arroganz zum Tragen, die sich nicht ziemt für eine Diskussion auf Augenhöhe. Außerdem sind danach sowohl Glauben als auch Schere stumpf und unbrauchbar. Man könnte auch sagen: zweckentfremdet.

    4. Der Staat, oder auch die Gesellschaft die ihn trägt haben nicht das Recht über die Wahrheit oder Unwahrheit einer Religion zu befinden; geschweige denn Gläubigen irgendwelche Vorschriften zu machen woran sie zu glauben haben, nur um sich selbst besser oder sicherer zu fühlen. Wenn eine Religion in sich einen barbarischen Aspekt trägt und dessen Quellen nicht redigierbar sind, ohne den Kern des Glaubens anzutasten, muss eine Gesellschaft diese Religion als Ganzes ablehnen. So würden wir doch z.B. auch Anhängern eines Mayakultes keine Wertschätzung für ihre Kultur oder Religion entgegenbringen, die auf dem periodisch wiederholten Opfer von Menschen an ihre Götzen beruht. Wir würde diese ablehnen und falls ihre Anhänger diese Praxis nicht aufgeben, mit dem Gesetz verfolgen, bis sie sich aus unserer Gesellschaft zurückziehen. Wie der Islam in unserer Gesellschaft sich entwickeln wird, und welche Position demgegenüber der Staat einnehmen sollte vermag ich nicht zu sagen, da es sich um einen ungleich komplexeren Fall handelt.

    5. Nun zur Apologie: Den Artikel von oben empfehle ich zur aufmerksamen Lektüre, da er die meisten Fragen beantwortet, die an dieser Stelle aufgrund des bereits überlangen Beitrages keinen Platz finden können. Nur so viel: den Grundgedanken der Kreuzzüge (nicht seine Entartungen wie z.B. die Plünderung Konstantinopels) muss man sich in etwa als das vorstellen, was man heute eine NATO-Mission nennen würde. Wenn jemand das Haus ihrer Eltern okkupiert, mit dem Hinweis diese hätten sich doch jetzt bitte seinem Willen zu unterwerfen und Miete zu zahlen, würden Sie doch wohl auch nicht die Hände in den Schoß legen. Wenn wir annehmen, dass die islamische Expansion auch zu diesen Zeiten noch das war, was sie unter Mohammed war, nämlich Unterwerfung und Eroberung einer terroristischen Macht, waren die Kreuzzüge eine legitime Rettungsmission. Dazu empfehle ich auch Thomas von Aquins Abhandlungen über den gerechten Krieg. Auch wenn der Vergleich ein wenig platt ist, wird man doch zugeben müssen, dass er einleuchtet.

    Was die Bekehrung der indigenen Bevölkerung Amerikas angeht empfehle ich die oben genannte Lektüre. Auch die ach so aufgeklärten Annahmen über diesen Prozess sind oft schlicht grundfalsch.

    6. Abschließend: Im Gegensatz zum Islam kann sich das Christentum – speziell der Katholizismus – rühmen, nie unter Berufung auf seine Offenbarung und die christliche Lehre dazu aufgerufen zu haben seine Feinde zu ermorden (die Lehre vom gerechten Krieg werden hier nur absolute Pazifisten erwidern können, die sich hier wohl nicht zuhauf tummeln dürften). Die Fehlentscheidungen und Einschätzungen kirchlicher Führer über die Jahrtausende (sofern sie denn wahr sind), sind somit sicher nicht der Offenbarung gleichzusetzen und dem was sich mit ihr rechtfertigen lässt. Um an dieser Stelle Michael Klonovsky zu zitieren: „Es ist lächerlich, einer Institution, die seit 2000 Jahren die Erbsünde predigt, Vorwürfe zu machen, wenn einer ihrer Repräsentanten gesündigt hat.“ Außerdem: Wir müssen Sünden bereuen und uns bekehren, wenn wir eine Chance auf Erlösung haben wollen.

    1. @Bartolomé de la Casas – schade eigentlich, dass Sie sich hinter dem Pseudonym dieses bedeutenden Katholiken verstecken, der in seiner humanen Herangehensweise an die indigenen Amerikaner sich so positiv von jenen Conquistadores unterschied, die die Zwangschristianisierung bestenfalls als Unterdrückungsinstrument betrachteten. Denn Ihre Anmerkungen sind ja durchaus beachtenswert und der Diskussion wert. Um dennoch nicht die Möglichkeiten zu überschreiten, werde ich den Versuch unternehmen, zu Ihren Punkten einige kurze Positionierungen vorzunehmen (auf Ihre Verlinkung werde ich dabei verzichten).
      1. Der gewalttätige Kern des Islam – er lässt durchaus den Eindruck aufkommen, dass dieses Werk eben nicht aus religiösen Motiven verfasst wurde, sondern diese lediglich vorgibt, um unanfechtbar zu werden – ist unbestreitbar. Dennoch gibt es islamische Strömungen (und gab es auch früher schon), die in der Lage sind, diesen Gewaltanspruch historisch einzuordnen und aus dem Islam jenes zu extrahieren, was durchaus als Religionsbasis dienen kann. Gerade heute hatte ich einen muslimischen und gläubigen Schüler (9) tunesischer Herkunft, der einen Text schrieb, in dem er sich explizit vom saudisch-wahabitischen Islam distanzierte und feststellte, ihm sei es egal, wer welchen Glauben habe und er fände es „total blöd“, jemanden wegen des Glaubens zu töten. Auch der Khorchide-Ansatz geht in diese Richtung – und da ich akzeptiere, dass das Aufgeben einer seit frühester Kindheit eingeimpften Religionsauffassung noch schwerer ist, als daraus eine friedliche, tolerante Version zu entwickeln, sehe ich hier einen Weg, den der Islam gehen kann – wenn er ihn aus eigenem Willen und freien Stücken geht. Im übrigen war auch die Islamauffassung des letzten Sherif von Mekka vor der gewaltsamen Übernahme durch die Saudi deutlich liberaler – und sein Urenkel lebt dieses auch heute. Die Alternative zu dieser Auffassung ist übrigens der prognostizierte Untergang des Islam – dann auch aus sich selbst heraus. Möglicherweise aber ist auch beides identisch, wenn man damit den Urislam meint..
      2. Die Frage, wie ein Christ den Islam zu betrachten hat, wird in den Johannes-Briefen beantwortet. 2. Joh Kap 1: „Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesum Christum im Fleische kommend bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist. Sehet auf euch selbst, auf daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen. 9 Jeder, der weitergeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. 10 Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht. 11 Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.“
      Für einen fundamentalistischen Christen ist insofern der Islam ein Werk des Satans – da muss ich mich nicht „festhalten“.
      Das ist ähnlich kategorisch wie das Verbot des Koran, Nicht-Muslime zu Freunden zu nehmen. Nun wissen wir allerdings beide, dass auch dieses in den historischen Kontext einzuordnen ist. Umgekehrt stellt der Koran übrigens vergleichbares zu den Anhängern der Trinität fest, die – anders als die Ostchristen – nicht als dhimi unter islamischer Herrschaft leben dürfen. In beiden Fällen steht im historischen Hintergrund der Konflikt zwischen byzantinischer Amtskirche und christlichen Ostkirchen um die Gottessohnfunktion Jesu und es kennzeichnet im Koran den Versuch, die Ostchristen einzuvernehmen und die knallharte Feindposition zu Byzanz zu definieren.
      Die Behauptung Juden, Christen und Muslime verehrten denselben Gott wird im Koran aufgestellt und ist m. E. ein weiterer Beleg für die politische Dimension des Islam: Sie soll die anderen abrahamitischen Religionsanhänger quasi einvernehmen – und wer als Jude oder Christ diese Position übernimmt, ist aus Mohameds Sicht bereits zum Islam konvertiert (auch wenn er das selbst noch gar nicht weiß).
      Übrigens: Den Wahrheitsanspruch erheben alle Religionen – „die Wahrheit“ verkündet keine. Ich habe das in meinem Buch zu dieser Frage (Wahrheit – Religion – Wirklichkeit) wie folgt formuliert: „Religionen beruhen niemals auf „der Wahrheit“, sind jedoch immer prägend für das, was wir als Wirklichkeit zu konstatieren haben.“
      3. Sie reduzieren Religion auf Offenbarungsreligion. Diesen Weg gehe ich nicht mit. Die Alcheringa beispielsweise ist keine Offenbarungsreligion – aber ohne jeden Zweifel eine Religion. „Vernunft“ ist etwas, das sich aus einem Kollektivkonsens heraus definiert (auch dazu im o. g. Buch) – der christliche Konsens findet sich auch in der Aufklärung und damit in der säkularen, westeuropäischen Gesellschaft. Ohne diesen christlichen Konsens – auch wenn er mehrheitlich verleugnet werden mag – ist Europa nicht vorstellbar. Weshalb übrigens der Islam kulturgeschichtlich tatsächlich nicht zu Europa gehört.
      Ob Offenbarungskerne verändert werden können, ist eine spannende Frage. Ich behaupte: Ja. Selbst die Kirche Jesu hat das getan. Die Vorstellung der göttlichen Hypostase ist nicht umsonst das wesentliche innerchristliche Diskussionsfeld der frühen Christen. Die dogmatische Entscheidung eines Teils der Christen, der Hypostasethese zu folgen, ist ein fundamentaler Wandel des Offenbarungskerns, der eben von den Ostchristen nicht vollzogen wurde. Das nun allerdings auszudiskutieren, würde hier den Rahmen der Möglichkeiten sprengen.
      Zum Thema Religion und Wahrheit habe ich bereits etwas gesagt: Sie haben miteinander nichts zu tun – und es hat für die Gläubigkeit keinerlei Relevanz, ob der Glaube auf Wahrheit beruht. Ganz im Gegenteil: Wäre der Kern des Glaubens als Annahme einer göttlichen Existenz beweisbar, wäre es mit dem Glauben vorbei. Gott darf nicht sein, um sein zu können. Tillich umgeht dieses Problem, indem er Glauben als jenes definiert, „was uns unmittelbar angeht“. Das ist nicht meine Definition – aber als theologische ist sie zumindest spannend und sie unterstreicht meine Auffassung insofern, als eben dieses, was uns unmittelbar angeht, nichts mit Wahrheit zu tun haben muss.
      4. Richtig: Es ist nicht Aufgabe des Staates oder einer Gesellschaft, den Glaubenskern des Religiösen als wahr oder unwahr zu definieren (was übrigens – siehe oben – ohnehin nicht möglich ist und wahrlich eine Anmaßung wäre). Der staatliche Wahrheitsanspruch hinsichtlich einer Religion ist weltliche Diktatur auf Basis scheinreligiöser Philosophie – und definiert damit sowohl Iran als auch Saudi-Arabien (und das frühislamische Reich ohnehin) entsprechend.
      Ihre Überlegungen hinsichtlich Maya-Kult (stellvertretend) sehe ich allerdings erst einmal anders. Aus meinem Verständnis heraus kann ich selbstverständlich ein Menschenopfer nicht akzeptieren – aber das bedeutet nicht zwingend, dass andere Kulturen das anders sehen und dafür eine fundierte kulturelle Entwicklung hinter sich haben. Eine apriori-Verurteilung schließt sich damit aus. Den Begriff „Götzen“ lehne ich grundsätzlich ab. Er definiert die Arroganz und den Alleingottanspruch des ihn Benutzenden – für den „Götzenanbeter“ aber kann dieser „Götze“ in jeder Hinsicht die absolute Gott-Funktion erfüllen. Damit sind auch die Vor-solotheistischen Götter eben solche – und keine Götzen. Götzen wurden (und werden) sie erst, wenn eine andere Glaubensauffassung diese Götter als Konkurrenz diffamieren muss(te).
      5. Zu Kreuzzügen und Islamisierung habe ich das aus meiner Sicht zu Sagende gesagt.
      6. Nicht unter Berufung auf die Lehre Jesu – richtig. Das wäre dann auch tatsächlich mehr als Götteslästerung gewesen. Gleichwohl aber unter Berufung auf einen aus dem monotheistischen Alleinanspruch abgeleiteten Monopolanspruch. Das klagt nicht Jesus an – aber jene, die seine Lehre fehlinterpretierten oder gar missbrauchten.

  6. Guter Artikel, ich stimme allem zu. Aber im Grunde ist das Problem noch tiefgreifender. Ein gläubiger Muslim, der wirklich friedlich ist, muss zu viele Regeln beachten, die ein Leben in einer nicht-islamischen Welt ihn an den Rand der Ungläubigkeit bringt. Es fängt an mit dem fünfmaligen Beten am Tag, zu festen Zeiten(!), dazu muss er seine Arbeit unterbrechen, er darf kein Alkohol trinken, kein Schweinefleisch essen. Wenn er eine Frau anfasst, muss er sich wieder vor dem Gebet waschen usw. usw. Das Kernproblem in der Theologie des Islams ist, dass man als Gläubiger zu sehr das diesseitige Leben als Vorbereitung für das jenseitige Leben ansieht – also das Leben auf Erden dafür dient, Punkte zu sammeln für das ewige Leben. Und der Fatalismus, dass alles an Allah ist, also die Selbstverantwortung des Menschen zu gering geachtet wird. In dem Poesiealbum meiner Mutter, der Spruch wurde ca. 1940 hineingeschrieben, stand: “Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott”. Das ist der springende Punkt: Die Muslime müssen viel mehr bei sich suchen und sich selbst für ihr Leben in Verantwortung nehmen, als “Inschallah” – die Verantwortung zu sehr bei Allah zu suchen. Dieses Kernproblem sorgt für fast alle Probleme in der Muslimischen Welt, auch die wirtschaftlich-kulturelle Rückständigkeit.
    Ich habe da keine Hoffnung – der Islam müsste derart fundamental in seinen Grundfesten reformiert werden, dass eigentlich nicht mehr viel vom Islam übrig bliebe. Auch die Hadsch ist eine Ent-Individualisierung des Menschen, vergleichbar mit den Massenaufmärschen in totalitären Regimen wie Nord-Korea oder China oder auch wie bei den Nürnberger Parteitagen der Nazis. Ein Allah, der die Kreatur Mensch wie einen Sklaven sieht, und Islam heißt Unterwerfung und das monotone, gleichgeschaltete Beten und das In-den-Staub-Werfen mit der Stirn auf den Boden sind selbstbewussten, stolzen Individuen nicht würdig. Die Theologie dieser Religion ist nicht kompatibel mit den Idealen der Westens, im Grunde nicht mit den Idealen der Menschheit – das ist das Kernproblem. Zum Verständnis: Ich spreche hier nicht von den jeweiligen Mönchen, Priestern Nonnen etc. einer Religion, sondern von den normalen Gläubigen, die ihr Leben in einem Alltag meistern müssen: Broterwerb, Familie etc.

  7. Hr. Spahn,

    das Christentum bittet im Vaterunser um einen Gottesstaat.
    das Christentum kennt auch den “Heiligen Krieg”. (vgl. Offenbarungen von Johannes, wo Gott gegen die Erdverderber Krieg führt)

    Der Mensch ist spirituell. Der Begriff “Gott” wurde häufig auf unverständliche Naturkräfte angewandt. Der Westen glaubt heute eher an die “unischtbare Hand vom Markt”; im Grunde nur eine abgewandelte Form früherer Religiösität.
    Wenn allerdings eine “unsichtbare Hand” innerhalb der biologischen Evolution wirkt, dann sollte hier AUFKLÄRUNG erfolgen. Das würde ich auch unter “Heiligen Krieg” verstehen.

    1. Hr. Losert – “Dein Reich komme / Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden”. Darauf beziehen Sie sich vermutlich.
      Nun – Jesus stellt klar: Gottes Reich ist nicht ein irdisches. Dass überzeugte Christen Gottes Willen dennoch auch auf Erden erfüllt sehen wollen – wo ist das Problem? Damit sagen sie nur, dass sie im Sinne Jesu ausdrücklich keinen irdischen Gottesstaat wollen. Denn – s. o. – das widerspräche dem durch Jesus formulieren Willen Gottes.
      Die Johannes-Offenbarungen sind – wie Sie wissen sollten – Texte, die mit den Lehren Jesu nichts zu tun haben. Sie können gern den Versuch unternehmen bei den Herren, die dieses Buch dereinst in den Bibelkanon aufgenommen haben, zu klären, warum sie es getan haben. Vermutlich, weil sie es einfach nett fanden, ihren Schäflein etwas Angst einzujagen. Im Übrigen ist die Apokalyse eine Endzeitvision, in der es nicht um ein irdisches Gottesreich geht, sondern um die Metamorphose der Existenz in ein himmlische Gottesreich, entstanden aus einem Kampf des Guten und des Bösen. Also liegen Sie auch hier daneben.

      Ist der Mensch spirituell? Vielleicht. Zumindest entwickelt er die Neigung, sich unerklärliches mit Unerklärlichem zu erklären. Wenn Sie das Thema interessiert: Hier meine Leseempfehlung …

      https://tomasspahn.wordpress.com/2015/10/05/wahrheit-religion-wirklich-neuerscheinung/

Kommentare sind geschlossen.