EZB: Man hat schon die Pferde vor der Apotheke kotzen sehen

Vielleicht horten die Banken das billige Geld, weil die Hinterlegung bei der EZB zu teuer wird. Schon jetzt prüfen einige Sparkassen diesen Weg, weil es günstiger ist, das überschüssige Geld in den Tresor zu legen, anstatt es bei der EZB teuer zu parken.

SchaefflersFreisinn

Immer dann, wenn Mario Draghi mit seinen Mannen im Zentralbankrat zusammentritt, erinnert nicht nur der Name des Gremiums an das Zentralkomitee in der Kommandowirtschaft. Auch das Handeln der EZB und ihrer Stakeholder vor dieser Sitzung erinnert an die öffentliche Erwartungshaltung im Vorfeld des aktuell tagenden Nationalen Volkskongresses der Kommunistischen Partei Chinas. Wie im Zentralbankrat wird auch bei der Kommunistischen Partei Chinas das Wachstumsziel verkündet. Bei der EZB sollen es 2 Prozent Inflation sein, bei der Kommunistischen Partei Chinas 6,5 Prozent Wirtschaftswachstum. Die Eurozone ist inzwischen mit fast 100 Prozent verschuldet, China wird in wenigen Jahren mit über 280 Prozent zur Wirtschaftsleistung verschuldet sein.

Die Pferde saufen nicht

Am kommenden Donnerstag treffen sich die Zentralbanker zur aktuellen Planbesprechung. Ihr Plan ging bislang nicht auf. Die offizielle Inflationsrate lag im Februar bei –0,2 Prozent, weit weg vom ursprünglichen 5-Jahres-Plan. Jetzt muss nachgebessert und korrigiert werden. Draghis Hauptproblem: Die Pferde saufen nicht. Die Kreditvergabe stagniert. Die Konjunktur im Euroraum springt deshalb nicht an. Dabei spielt Draghi derzeit schon auf der kompletten geldpolitischen Klaviatur: Der Notenbankzins ist bei faktisch Null, der Einlagenzins der Banken bei der EZB bei -0,3 Prozent, die Mindestreserve liegt bei 1 Prozent, Banken können sich unbeschränkt bei der EZB refinanzieren und die EZB kauft monatlich für 60 Milliarden Euro Schulden auf.

Draghi pumpt ständig neu gedrucktes Geld ins Wirtschaftssystem, doch es hat nicht die gewünschte Wirkung. Was ist daher zu erwarten? Eine radikale Kurskorrektur? Der Rücktritt Mario Draghis wegen seiner schlechten Performance? Wohl kaum. Vielmehr wird das Gegenteil eintreten. Mario Draghi legt noch eine Schippe drauf. Er wird nicht nur 60 Milliarden Euro monatlich an Schulden von Staaten und Banken aufkaufen, sondern mehr, viel mehr.

In seiner planwirtschaftlichen Logik ergibt das auch Sinn. Denn das Hauptproblem der derzeitigen Konjunkturschwäche im Euro-Club sind die Banken. Sie haben den jahrelangen Scheinboom in den Krisenstaaten mit Hilfe der billigen Zinsen der EZB finanziert. Dies hat Überkapazitäten aufgebaut, die sich seit 2007 korrigieren wollen. Diese Bereinigung wollten weder die Regierungen noch die EZB in ausreichendem Maße zulassen und haben darum die Banken mit ihren faulen Kreditportfolien geschont. Teilweise wurden die faulen Kredite, wie aktuell in Italien, aber zuvor auch in Spanien, Portugal und Irland, in staatlich garantierte Bad Banks ausgelagert. Doch selbst dies war nicht ausreichend.

Der neue 5-Jahres-Plan

Hier wird der neue 5-Jahres-Plan des Zentralbankrates wohl ansetzen. Die EZB wird sich mit ihrem Ankaufprogramm künftig stärker auf den Bankensektor konzentrieren, aber gleichzeitig die Finanzierungsfähigkeit der überschuldeten Staaten durch den Ankauf von Staatsanleihen sicherstellen. Draghi wird die Bilanzen der Banken entlasten und bereinigen. Dies wird perverse Anreize setzen. Es ist zu befürchten, dass die EZB bald sogar alte Fahrräder kauft, um dafür frisches Geld an die Banken auszureichen. Ob die Pferde dann saufen? Vielleicht tritt auch ein ganz anderer Effekt ein. Vielleicht horten die Banken das billige Geld, weil die Hinterlegung bei der EZB zu teuer wird. Schon jetzt prüfen einige Sparkassen diesen Weg, weil es günstiger ist, das überschüssige Geld in den Tresor zu legen, anstatt es bei der EZB teuer zu parken. Und sollten die Zentralbanker auf die Idee kommen, die Banken noch stärker zum Saufen zu nötigen, dann kann es passieren, dass diese ihre erhöhten Aufwendungen einfach an ihre Kunden weitergeben. Viele verspüren dies heute schon durch höhere Gebühren, vielleicht bald auch bei den Zinsen. Das ist die Tragik der Planwirtschaft: man sieht meist zu spät, welche Pläne falsch sind. Die Lehre daraus? Nicht jede vermeintliche Medizin hilft. Man hat auch schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen.

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Kommentare {7}

  1. … Banken und Sparkassen prüfen, ob es nicht billiger ist, das Geld in Tresore zu packen und meine Oma füllt mit ihrem Ersparten wieder ihr Kopfkissen weil sie keine Negativzinsen zahlen möchte.

  2. Ein Satz reicht: Inflation ist wenn jemand seine Preise erhöht ohne dabei die Nachfrage abzuzuwürgen!

    Ansonsten gilt immer noch:

    Keine Ware – kein Tausch – kein Handel! Und Geld ist eine Ware aus dem Nichts erschaffen.

    R.Peda

  3. Die spannende Frage ist doch: Wie wird man die EZB samt des Ex-Goldman Draghi los? Wie beendet man den Geld-Sozialismus? Wie pervers ist es, eine 2%-Geldentwertung pro Jahr als erstrebenswertes Ziel zu setzen? Und trotz derartiger, die Kaufkraft bewusst schädigender Ziele auf einen Wirtschaftsaufschwung zu hoffen!?? Und gleichzeitig durch die Null- und Negativzinsen alle diejenigen zu bestrafen, die sich richtig verhalten und für das Alter Vorsorge getroffen haben? Man kann getrost darauf setzen: Solange es die EZB und den EURO gibt, wird es keinen Wirtschaftsaufschwung geben sondern nur künstliche Boom- und Bust-Phasen, wobei die Letzteren ausgeprägter sein werden.

  4. Empfehlung zum Thema: Daniel Stelter: Eiszeit in der Weltwirtschaft. Stelter erklärt anschaulich die Ursachen und die möglichen Folgen der Schuldenkrise.

    1. Herr Seelig, über den Link zu Daniel Stelter bin ich auf das eben erschienene Buch (3. März 2016) „The End of Alchimy: Money, Banking and the Future of Global Economy“ des ehemaligen Bank of England Gouverneurs (2003-13) Mervyn King gestoßen. Es dürfte Sie wohl interessieren, ebenso wie Herrn Bürger, der den nächsten Kommentar geliefert hat. Empfehle dazu die Besprechung von Liam Halligan im Telegraph.

    2. Als ich gestern um 12:35 meinen Kommentar abgeschickt hatte, war ich, ohne erst den Artikel von Daniel Stelter zu lesen, gleich dem Link zum Buch von Mervyn King gefolgt. Daher war auch meine an Sie gerichtete Mitteilung, Herr Seelig, eigentlich überflüssig, da der von Ihnen genannte Artikel sich ja genau mit diesem Buch befasste. Somit möchte ich Ihnen jetzt noch einfach für Ihren fruchtbaren Hinweis danken. Eine ähnlich lautende Korrektur hatte ich schon gestern Abend abgeschickt, die aber leider (bis jetzt noch) nicht erschienen ist.

  5. Glaubt jemand dies würde unsere Regierung interessieren? Merkel hält in allen Themen die Schleusen offen! Das Bargeld wird auch in Kürze weggeschleust werden…

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