Draghis Verzweiflungstat und ihre Folgen

Das Spiel der Zentralbanken mit viel Geld wird über kurz oder lang zum Endspiel mit Schulden. Das ist die logische Konsequenz aus den EZB-Beschlüssen vom Donnerstag.

miqu77 / Shutterstock.com
miqu77 / Shutterstock.com

Der Donnerstag hatte es in sich, an EZB-Entscheidungen, aber mehr noch an Fragezeichen dazu: Leitzins marginal von 0,05 auf 0,00 Prozent gesenkt – was ist daran noch Zins? Strafzins für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB von minus 0,3 auf minus 0,4 Prozent eine weitere Stufe in den Keller geschickt – sollen Deutsche Bank, Commerzbank & Co. jetzt etwa mehr Kredite an Unternehmen vergeben, die sie in Anbetracht der schlaffen Konjunktur gar nicht brauchen? Anleihen-Kaufprogramm von monatlich 60 auf 80 Milliarden Euro erhöht – warum so etwas, gibt es denn überhaupt genug Anleihen von akzeptabler Qualität? Den Euro mit diesen Maßnahmen abwärts geschickt – provoziert die EZB dadurch nicht den nächsten Abwertungswettlauf der Währungen oder sogar einen Währungskrieg?

Zweifellos hat der Donnerstag viel Stoff zum Nachdenken mit sich gebracht. Die erste Reaktion der Banker und Börsianer war: Überraschung. Schnell schalteten sie: Minus- und Strafzinsen einschließlich 80 statt 60 Milliarden Euro Spielgeld pro Monat, das muss doch genug Stimulanz für die Aktienkurse sein. Prompt stiegen die dann auch, jedenfalls kurzfristig. Spielgeld verführt zu hemmungsloser Spekulation und damit zu starken Kursschwankungen. Macht das breiten Anlegerschichten mehr Appetit auf Aktien zur Daueranlage und speziell zur Altersvorsorge? Wohl eher nicht. Alles in allem: EZB-Präsident Mario Draghi hat zusammen mit den ihm ergebenen Mitgliedern im EZB-Rat eine Verzweiflungstat begangen, die geradezu nach Alternativen schreit.

Draghi bleibt stur

Die Wortschöpfungen der Zentralbanker sind Legion. Immer geht es um sehr viel Geld, verpackt in Begriffe, die Professionalität und Vertrauen ausstrahlen sollen. Wie zum Beispiel QE, Quantitative Easing, also quantitative Lockerung. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Aufblähung der Bilanzen von Zentralbanken (siehe Grafiken zur globalen QE-Geldpolitik). Die Schweizerische Nationalbank hat es diesbezüglich zur Meisterschaft gebracht. Die amerikanische Fed ist zwischenzeitlich aus dem Aufbläh-Wettbewerb ausgestiegen, spätere Fortsetzung möglich, und obendrein hat sie sich in letzter Zeit total verzettelt. Japans BoJ hat spät, aber heftig aufgeholt. Dagegen ist die EZB im Vergleich zu den anderen Zentralbanken geradezu bescheiden geblieben – allerdings mit Aufholpotenzial, und das hat Draghi am Donnerstag zu nutzen versprochen.

Dabei kann er sich auf den EZB-Rat verlassen, dessen Mitglieder überwiegend aus schwachen Euroländern stammen und alles gut finden, was ihnen nützt, wie etwa viel frisches Geld aus dem Nichts und negative Zinsen. Dagegen mag Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, im EZB-Rat vorübergehend nicht stimmberechtigt, noch so oft seine warnende Stimme erheben und Bankier Friedrich von Metzler in Anbetracht der EZB-Geldpolitik nur mit dem Kopf schütteln, Draghi hält trotzdem stur an seiner QE-Ausrichtung fest.

Auf dem Weg zum Endspiel

„Damit beschädigt er das Bankensystem“, warnt Heinz-Werner Rapp, Anlagestratege der Feri-Vermögensverwaltung – und sieht ein internationales Endspiel kommen, das als Alternative zum Zahlen- und Prozentezauber der Marke Draghi etwa so ablaufen könnte: Die Zentralbanken übernehmen kurzerhand einen Großteil der Staatsschulden, die dann – mit der Möglichkeit der jederzeitigen Verlängerung – für einen Tag x in 50 oder 100 Jahren fällig gestellt werden. Aus Sicht der Schuldenstaaten hat ein solches Vorgehen den großen Vorteil, dass sie ihre Schulden später, wenn überhaupt, mit entwertetem Geld zurückzahlen können (sieh Grafik zum monetären Endgame). So etwas nennt man finanzielle Repression.

Und wie ist die Sicht der Anleger? Feri ist insgesamt nicht besonders optimistisch, sofern es um Aktien, Rohstoffe und Währungen geht (siehe Grafik zur aktuellen Einschätzung). Lediglich Gold erhält im Ampelsystem der Vermögensverwaltung ein leichtes Hellgrün zugewiesen, was so viel bedeuten soll wie: im laufenden Jahr durch niedrige bis negative Zinsen begünstigt. Warten wir also ab, wann es zum erwähnten Endspiel kommt. Dass es kommen wird, ist unausweichlich. Dann wird die erste Reaktion der Banker und Börsianer wieder sein: Überraschung.

Quelle: FERI

Quelle: FERI

Quelle: FERI

Quelle: FERI

Quelle: FERI

Quelle: FERI

Unterstützung
oder

Kommentare {24}

  1. Und wenn ich mich hundertmal wiederholen muss, es gibt keine Schulden!

    Mein Kommentar, vom 2. März 2016 um 15:27 von Reinhard Peda:

    http://www.rolandtichy.de/kolumnen/mueller-vogg-gegen-den-strom/mit-der-armutsquote-soll-deutschland-zum-armenhaus-gemacht-werden/

    Der Herr Draghi kann alle Schulden im EURO-Land, von Staaten, Bundesländern, Gemeinden usw…, aufkaufen, die damit erstmalig komplett Entschuldet sind. In den EZB-Büchern tauchen als Schulden die für den Aufkauf notwendigen Geldmittel auf, und als Guthaben die ehemaligen Schulden der Staaten usw..,., welche problemlos gegeneinander aufgerechnet werden können. Schulden bei der EZB weg, samt Schulden der Staaten! Theoretisch könnten sich die öffentlichen Hände wieder neu verschulden welches ich nicht als Nachhaltig erachte. Das Warum, finden Sie im obigen Link samt weitern Verweisen.

    Das Geld, welches die Banken für diese Schulden zurück bekommen haben, verschwindet wieder im Nichts, aus dem Es kam. Private Anleger (Lebensversicherungen usw…) bekommen auch ihr Geld wieder zurück, dieses Geld existiert im Geldkreislauf als Vollgeld ohne Rückzahlungsverpflichtung, und kann daher einem weiteren Verwendungszweck zugeführt werden.

    Die beschriebene Entschuldung kann nur bei Schulden in eigener Währung durchgeführt werden, bei Fremdwährung gehts so nicht, aber anders. Erklär ich vielleicht mal, wenns Sinn macht.

    Mfg Reinhard Peda

  2. Derzeit werdren vom politisch-medialen Kartell zwei Hasen gejagt. Der kleinere nennt sich Pegida und hat Angst wegen der Islamisierung Deutschlands. Die hedonistisch-atheistischen Verfolger blenden diese Gefahr aus, weil die dann geltende Scharia noch nicht umgebogen werden konnte. Die Islamisierung läuft aber bereits “Schritt für schritt”. Draghi’s Abschaffung des Zinses ist ein wichtiger Abschnitt für ein islamisches Europa. Ja, selbst in Deutschland gibt der höchste Repräsentant bereits die Richtung vor. Die Erst-Frau wurde bereits entsorgt, die Zweit-Frau, sagt man, beschäftigt er in seinen Büros und die Dritt-Frau steht stets ungeniert an vorderster Stelle bei allen nationalen und internationalen “events”. Mohammet hat meines Wissens als Viert-Frau eine Minderjährige geheiratet. Da steht ja unserem Vordenker noch etwas bevor. Der Rest ist Schweigen.

  3. Wieso wird hier und auch anderswo von “Verzweiflungstat” gesprochen?
    Draghi scheint mir gar nicht verzweifelt sondern arbeitet mit solchen Maßnahmen kaltblütig auf das Ende des Bargelds hin.
    Was mir auffällt: Merkel und Schäuble schweigen nachhaltig ( hier macht das Wort mal ureigenen Sinn) dazu.
    Deutschland hat Schaden davon? Macht nichts!

  4. Mit Draghi wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Und wer bezahlts…? Ganz sicher nicht der Bock.

  5. In diesem Europa funktioniert nichts mehr.
    Euro, Grenzsicherung, Außenpolitik alles ein Desaster!

    Außer die Gehälter und Pensionen unserer Beamten. Die sind gesichert. Der Kleinsparer und Rentner sind die Dummen.

    Und der “Hosenanzug” immer voll mit dabei.

  6. Tja, die Schweizer SNB wird hier endlich auch mal “gewürdigt”.

    Das der korrupte Hildebrandt weg musste war ja sehr gut, aber Jordan ist genauso ein Apparatschick, wie der es war. Der führt den selben Kurs weiter…….bis in den Untergang. Aber das ist ja ganz im Sinne unserer 5 Defätisten im Bundesrat. Lieber gemeinsam in den Untergang wie alleine oben weg.

    Ich habe damals der “Goldinitiative” zugestimmt, denn die hätte eine Umkehr erzwungen. Es gab in der Geschichte noch nie ein Land welches wegen einer starken Währung unterging, mit einer schwachen aber Dutzende.
    Die Vollgeldinitiative kommt bald vors Volk, aber unsere Bürger-Schafe werden auch dieses mal nicht dem Mut haben die SNB zu seriösem Geschäftsgebaren zu zwingen. “Vollgeld”, natürlich auch das ein Risiko, aber man sollte es versuchen.

    Wen ein Land wie die Schweiz mit 8 Millionen Einwohnern eine Nationalbank mit 560 Milliarden Devisenreserven hat, im Umkehrschluss also um die 500 Milliarden Franken ausgab um die zu kaufen, somit also stark verschuldet ist…………boah…………. was wird sein wenn der Euro kollabiert und dann mit Verzögerung auch der Dollar, also mit einem Schlag vielleicht 400 Milliarden weg sind…. aber immer noch 500 Milliarden Franken in den Nationalbanken Europas herumgeistern ?

    Die Schweiz wird mit Untergehen, das ist die Realität der Jordanschen / Schweizerischen Geldpolitik.

    Aber die Schweizer begreifen das nicht, sie sehen nur das wir 560 Milliarden im Keller haben und glauben dass das Geld zum ausgeben sei. Sie erahnen nicht das dafür starke Franken hergegeben wurden für die wir im Euro-Krisenfall geradestehen müssen.

    Es ist ein Problem wenn der Franken aufwertet, das ist so, aber wenn man sich für den ungehinderten Export an eine Untergangswährung bindet, ist das Problem immer noch da, nur einfach so lange verzögert bis die anderen Crashen.

    Es wird nicht darüber nachgedacht wie man einen starken Franken handhaben könnte, dass ist der ganz grosse Mangel unserer SNB und unserer Gesellschaft.

    Ich persönlich lebe übrigens sehr gut mit dem starken Franken.

    Es gibt ja auch einen sehr grossen Teil der Schweize samt ihrer Industrie die damit sehr gut leben können. Man sollte sich vergegenwärtigen, das es eben nicht nur den wahren Exportweltmeister Schweiz gibt, sondern auch…….

  7. Folgen ?
    Die Firmen, die Menschen werden Kredite ohne Ende aufnehmen. Und investieren , egal ob gut oder schlecht .Und konsumieren. Die letzten Skeptiker werden Aktien kaufen, weil d. Sparbuch sich nicht mehr rentiert. Es bringt auch nichts das Geld unter der Matratze zu bewahren. Es wird gestohlen oder Bargeld verboten werden. :-))Danach kommt die Wirtschafts und Finanzkrise. Auch ohne Zinsen müssen die Kredite zurückbezahlt werden. Und jetzt raten Sie wie das funktionieren wird ? Ihr Vermögen wird dranhalten müssen. Das was ihren Vorfahren so aufgebaut haben: Häuschen, Firmen, Schmuck, Kunst u.s.w. Es ist eine geniale Idee für Enteignung. Glauben Sie nicht ? GENAU das ist in d. Südost Europa passiert. Dort hat d. Ausweis für einen Kredit gereicht. Die böse Überraschung kam danach. Jetzt sind die ALLE hier z. malochen und ihre Schulden zu bezahlen. Bei uns ist die Wirtschaft in Ordnung , meinen Sie ? Dann warten Sie bis VW und die Deutsche Bank pleite gehen……Die Geschichte wiederholt sich. IMMER. Und wir lernen NICHTS DAZU.

  8. “Generation Schulden”

    Ludwig Erhardt 1962:
    “Noch ist es Zeit, aber es ist auch höchste Zeit, Besinnung zu üben und dem Irrwahn zu entfliehen, als ob es einem Volke möglich sein könnte, für alle öffentlichen und privaten Zwecke … mehr verbrauchen zu wollen, als das gleiche Volk an realen Werten erzeugen kann.”

    Es gibt für mich in diesem Zusammenhang nur zwei “Wunder”:
    1. Dass der Irrsinn der Staatsverschuldungen erst jetzt zur Katastrophe führt
    2. Dass es den Staaten tatsächlich gelungen ist, einfache volkswirtschaftliche Zusammenhänge so zu verschleiern, dass ein Teil der Bürger immer noch der Meinung ist, die exzessive Verschuldung sei sogar positiv.

    Mich würde in diesem Zusammenhang der IQ von Menschen interessieren, die wie Frau Kipping weiterhin Parolen wie “Ende des Kaputt Sparens” verbreiten.

    Noch ein Tipp:
    Der Staat hasst Nichts so sehr wie Bürger die klüger sind als er.
    Also vergesst Anlagen wie Gold, Silber oder Betongold etc.. Der Staat wird Gold, Silber etc. verbieten oder zumindest extrem hoch besteuern. Das Gleiche gilt für Immobilien. Falls es nicht zur direkten Enteignung kommt, so wird die Vermögenssteuer etc. entsprechend hochgeschraubt !!!

  9. Guthaben Zinsen sind der Ausdruck einer gesunden Geldpolitik. Null Zinsen bzw. Negativ Zinsen sind der Ausdruck einer kranken Geldpolitik. Das ist erst einmal FAKT!
    Eine Gesunde Geldpolitik basiert immer auf einer gesunden Markt-Wirtschaft-Politik. Diese gesunde marktwirtschaftliche Politik haben wir seit dem Ausruf der “Grünen Industrie – Ökowelt” immer weniger. Mit dem Kampf gegen das CO2, mit dem Angstmärchen der Politik über den menschlichen Klimaschaden und den Verboten und Verordnung zum Energieverbrauch hat nicht mehr der Markt und der Bürger das Sagen über seine Selbständigkeit und Wohlstand sondern haben Finanz- und Politiklobby die Kontrolle über die freie Marktwirtschaft in Form von Subventionen (EEG, ESM usw.) nach dem Vorbild der Landwirtschaft übernommen. Auch Zwangsabgaben sind nichts anderes als Subventionen. Das sind alles Instrumente um den gesunden und freien Markt-Wirtschaft-Gesellschaft zu beeinflussen und dies immer auf Kosten der Allgemeinheit…des Wohlstand der Bürger. Grüne Finanz Lobbygruppen und NGOs bemächtigen sich über die Politik immer mehr diesen marktfeindlichen Subventionen und Zwangsabgaben über Gesetzeserlasse die ihren Lobby und NGOs dienen und die freie Bürgerschaft unterdrücken und versklaven.

  10. Es gibt 2 Moeglichkeiten für die deutschen, Variante 1 : Ausstieg aus dem Eurosystem und Rueckkehr zu einer eigenen Zentralbank. Rueckkehr zur Eigenverantwortung.

    Oder Variante 2 : der Buerger lernt mit Inflation und Deflation umzugehen und die Chancen, die sich daraus ergeben zu nutzen. Damit dürfte die Masse überfordert sein. Für junge Leute, die noch Zeit haben, Erfahrungen zu sammeln, ein Muss.

    1. Mal im Ernst: wie gelingt es denn, mit “Deflation umzugehen und die Chancen, die sich daraus ergeben zu nutzen”?

      1. Zum Beispiel bei Rohstoffen, wie Gold oder Öl. Wer vor ein paar Monaten in Gold oder besser Goldminen investierte, profitierte von der Erholung. Bei Ölaktien, vor allem russischen, wo der durch den Ölpreisverfall eingebrochene Rubel noch dazukam, war dies eine gute Eintiegschance.
        Steigen die Kurse wieder, kann man einen Trailing-Stop setzen, der die Gewinne absichert.

        Bitte sehen Sie dies aber nicht als Handlungsempfehlung.

        Es braucht viel Zeit und Erfahrung, um mit Märkten umgehen zu können. Vor allem mit den heute extrem manipulierten Märkten. Niemand kann voraussagen, wie sich eine Anlageklasse entwickelt.
        Letztendlich muss man für sich Regeln aufstellen und eine Strategie finden, die nicht darauf setzt, wie sich eine Anlageklasse entwickelt, sondern die darauf setzt, immer eine Handlungsoption zu haben, wenn das Gegenteil von dem Eintritt, was man erwartet hat.
        Trainieren kann man das mit einem Musterdepot, also ohne Geld.

        Die aktuelle Politik bewirkt leider genau das Gegenteil, von dem, was sie bewirken sollte. Es ist eine riesige, nie da gewesene, Umverteilung. Und bei der gibt es viele Verlierer und einige wenige Gewinner.
        Letztendlich ist es die Politik, die die Regeln macht und dafür sorgt, dass die Vermögensschere immer weiter auseinander geht.

Kommentare sind geschlossen.