Freiheit statt Gleichheit! Auch für die Geschlechter.

Kristina Schröder plädiert für einen frauenpolitischen Ansatz, der nicht Gleichstellung, sondern Gleichberechtigung im Blick hat.

Schild 60 - Knnen

„Wenn man einen Ostdeutschen frage: ‚Wollt Ihr, dass alle Menschen nur trockenes Brot bekommen, oder wollt Ihr, dass alle Brot mit Margarine bekommen und einige sich zusätzlich Kaviar draufschmieren können?, sei die Antwort klar: Die Ostdeutschen seien dann für Trockenbrot für alle.“

So soll der ehemalige Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns, Harald Ringsdorff, laut SPIEGEL im Sommer 2004 die Seelenlage der Ostdeutschen beschrieben haben. Ich glaube, dass Ringsdorffs Analyse nicht nur für den Osten, sondern für ganz Deutschland weitgehend zutrifft. Und ich bin der festen Überzeugung, dass genau diese Haltung Deutschland ausbremst.

Es gibt in unserem Land eine tiefe Sehnsucht nach Gleichheit. Und zwar nicht nur nach Chancengleichheit, sondern auch nach Ergebnisgleichheit. Und wenn es nicht klappt, die Schwächeren auf das Niveau der Stärkeren zu heben, dann wird um der Gleichheit willen eben auch mal eine Nivellierung nach unten, also Trockenbrot für alle, in Kauf genommen.

Deutscher Gleichheitsdrang

Wir beobachten dieses Streben nach Gleichheit – im Politiker-Sprech: „soziale Gerechtigkeit“ – etwa in der Debatte um Vermögens- und Erbschaftssteuer. Oder in der regelmäßig stattfindenden Armutsdebatte, in der auch Vertreter meiner Partei kritiklos einen Armutsbegriff benutzen, der Armut als weniger als 60% des Durchschnittseinkommens definiert und damit nicht Armut, sondern Ungleichheit misst. Da sicherlich jeder unterschreiben würde, dass eine Gesellschaft ohne Armut einer Gesellschaft mit Armut vorzuziehen wäre, ist das implizite sozioökonomische Ziel dieses Armutsbegriffs klar: Eine Gesellschaft, in der die Einkommen so gleich verteilt sind, dass auch der am schlechtesten Gestellte mindestens 60% des Durchschnittseinkommens verdient. Eine derart egalitäre Gesellschaft wäre mit einer sozialen Marktwirtschaft kaum vereinbar.

Das Streben nach Gleichheit greift interessanterweise auch in gesellschaftspolitischen Fragen immer mehr um sich. Der gleichzeitige Ausbau von Betreuungsplätzen für Ein- und Zweijährige und die Einführung eines Betreuungsgeldes für Eltern, die die Betreuung anders organisieren wollen? „Widersprüchlich“, war da das einhellige Urteil der Medien und der Parteien links der Mitte, so als solle der Staat ein bestimmtes, alle seligmachendes Leitbild vorgeben, wie Familien ihr Leben zu organisieren haben. Und auch die anlässlich des morgigen “Equal Pay Day” wieder allseits artikulierte Betroffenheit darüber, dass sich das Berufswahlverhalten von Frauen und Männern beharrlich stark unterscheidet und dass Frauen seltener als Männer bereit sind, die Familie der Karriere unterzuordnen, offenbart, wie stark die Sehnsucht nach Gleichheit auch in Hinblick auf die Geschlechter ist. Als Frauenministerin habe ich übrigens eine besonders eifrige Vertreterin der Behauptung, Frauen verdienten für GLEICHE Arbeit 21% weniger als Männer, mal gefragt, warum dann nicht mehr Unternehmen auf die Idee kämen, nur Frauen einzustellen und damit 21% ihrer Lohnkosten zu sparen. „Da sehen Sie mal, wie stark die Vorurteile gegenüber Frauen sind, dass die Unternehmen sich das entgehen lassen!“ wurde mir nach einer kurzen Schrecksekunde entgegengehalten und die so immunisierte Theorie stand wieder bombenfest.

Der theoretische Bezugspunkt hierfür ist meist die sogenannte Gendertheorie. Viele ihrer Anhänger halten Geschlecht für ein soziales Konstrukt, das mit der Biologie des Menschen nichts oder nicht viel zu tun hat. Wenn das so wäre, also alle Charaktereigenschaften, Vorlieben, Talente usw. tatsächlich biologisch vollkommen gleich unter Männer und Frauen verteilt wären, wäre tatsächlich jede Abweichung von einer 50:50-Verteilung zwischen Frauen und Männern ein Anhaltspunkt für Diskriminierung. Ein Geschlecht dominiert beim Führungspersonal unserer DAX-Unternehmen, den Teilzeitarbeitenden, den Studenten des Maschinenbaus, den Elterngeldbeziehern – wären Männer und Frauen bei Geburt gleich, läge in der Tat der Schluß nahe, dass hier Diskriminierungen vorliegen, die politisch bekämpft werden sollten.

Aber vielleicht stimmt dieses Axiom ja gar nicht. Vielleicht sind die Ungleichverteilungen zwischen den Geschlechtern, die wir in sehr vielen Lebensbereichen feststellen können und die sich hartnäckig halten, ja auch auf unterschiedliche geschlechtsspezifische Präferenzen zurückzuführen. Das heiß natürlich nicht, daß alle Männer Maschinenbau studieren und alle Frauen mit Kindern Teilzeit arbeiten wollen. Aber das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit bei einem zufällig ausgewählten Mann der Neigung zum Maschinenbau höher ist als bei einer zufällig ausgewählten Frau. Und dass diese Präferenz nicht nur auf die in diesem Zusammenhang immer gern genommenen „veralteten Rollenbilder“, „strukturellen Barrieren“ und „gläsernen Decken“ zurückzuführen sind, sondern tatsächlich die Natur doch eine kleine Rolle spielt.

Unterschiede trotz Theorie

Ich bin selbst Soziologin und ich zweifle an der für den Feminismus grundlegenden Position Simone de Beauvoirs, die da lautet: “Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.” Ich glaube, dass die Einflüsse von Natur und Kultur 50:50 sind, vielleicht auch 60:40 oder 40:60. Dass es auf jeden Fall eine Rolle spielt, ob ein Mensch biologisch ein Mann oder eine Frau ist.

In den Ostblockstaaten war die Berufswahl von Frauen und Männern ähnlicher als im Westen. Später, unter den Bedingungen eines freien Landes, begann das Berufswahlverhalten von Frauen und Männern stärker auseinanderzudriften. Ist es also vielleicht doch gerade die Freiheit, die ungleiches Verhalten von Männern und Frauen hervorbringt?

Wenn die Gendertheorie sich auch offen für solche Zusammenhänge zeigte, könnte man sie ernster nehmen. Viele ihrer Vertreter beteuern, die Biologie nicht auszublenden. Kein ernstzunehmender Wissenschaftler der Gendertheorie behaupte, dass die Biologie keinerlei Einfluss habe, heißt es gerade in letzter Zeit. Das freut mich. Was ich lese und beobachte, ist allerdings eine nicht enden wollende Abwehrschlacht: Es ist immer die böse Gesellschaft, es sind immer strukturelle Diskriminierungen, es sind immer veraltete Rollenbilder, mit denen Ungleichheiten erklärt werden. Dass auch der freie Wille von Frauen und Männern mal wirklich entscheidend sein könnte, das finde ich in Texten der Gendertheorie fast nie. Geschweige denn den ernsthaften Versuch, die eigenen Grundannahmen zu falsifizieren. Vielleicht lese ich zu selektiv – ich freue mich über entsprechende Gegenbeispiele!

Kurzum: Ich bin für einen Staat, ich bin für einen frauenpolitischen Ansatz, der nicht Gleichstellung, sondern Gleichberechtigung im Blick hat. Meinem Staatsverständnis und meinem Menschenbild entspricht es nicht, wenn der Staat versucht, möglichst Gleichverteilung im Ziel zu erreichen (Auch wenn dieses Verständnis von Frauenpolitik den unabweisbaren Vorteil hat, diese Gleichverteilung nie zu erreichen, erst recht nie dauerhaft, und damit niemals überflüssig zu werden). Ich möchte, dass der Staat versucht, möglichst große Freiheit auf dem Weg zu erreichen. Welche Verteilung zwischen den Geschlechtern dann am Ende dabei raus kommt, das geht den Staat dann nichts mehr an.

Dieser Namensartikel erschien erstmals am 2. November 2015 in leicht veränderter Form auf der Internetseite des Deutschen Arbeitgeber Verbands e.V.

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Kommentare {53}

  1. „Politiker-Sprech: „soziale Gerechtigkeit““. Richtig! Bei genauerer Betrachtung nicht viel mehr als billige Propaganda, um mit einem in der moralischen Sphäre angesiedelten Schlaglicht quasi als Dauerbrenner ansonsten recht dürftige politische Programme aufzupäppeln. „Wir besetzten das Thema „soziale Gerechtigkeit“ für uns“, heißt es bei einer bestimmten Partei, die immer wieder krampfhaft versucht mit dem „S“ in ihrem Namen zu Punkten, wenn ihr sonst nichts Besseres einfällt. Auch weil die geistige Beschränktheit und ideologische Verblendung ihrer Protagonisten sie zu sachlich fundierteren und gehaltvolleren Programmen nicht befähigt. Statt dessen werden dann weiterhin Maßnahmen befürwortet, durch die die ohnehin unverhältnismäßig hohen Belastungen künftiger Generationen sich weiter erhöhen werden. Wenn man aber auch auf diesem Niveau bei zahlreichen Menschen Anklang findet, kann man sich doch nur in der Richtigkeit seiner Mission bestärkt fühlen und sich weiterhin verbissen und selbstgerecht einer „so erfüllenden Aufgabe“ widmen. Und andere versuchen es ihr gleichzutun oder zumindest Lippenbekenntnisse dafür abzugeben. Keiner getraut sich gegen diesen sentimental aufgeladenen Mumpitz argumentativ vorzugehen, ohne allerdings dabei das Prinzip der Gerechtigkeit an sich in Frage zu stellen. Nüchterne, sachlich geführte, tiefergreifendere Diskussionen über „soziale Gerechtigkeit“ würden sich lohnen, um diesen schwammigen Begriff mit konkreten Inhalten zu füllen und auszuloten, was realistisch wäre, ökonomisch sinnvoll, tragbar und auch für die überwiegende Mehrheit akzeptabel. Vor allem zu berücksichtigen, das die Größe des zu verteilenden Kuchens mit verschärfter Umverteilung unweigerlich abnimmt. Natürlich würde man keine Übereinstimmung erreichen können. Die Ergebnisse Hans-Werner Sinns würden von denen Marcel Fratzschers ebenso abweichen wie die Vorstellungen Markus Söders von denen Sigmar Gabriels. Es könnte aber zur Versachlichung der Debatte sowie zur besseren Orientierung des interessierten Wählers beitragen. Ist das aber erwünscht? Warum sollte man auch den Joker entzaubern, mit dem sich so gut die gröbsten Lücken inhaltsarmer Programme füllen lassen? Es ist natürlich viel leichter und kommt der Denkfaulheit und Anpassungswilligkeit an einen vermeintlichen Zeitgeist mehr entgegen, statt sich einem Gegenwind auszusetzen, lieber zu versuchen, sich selber auch eine Scheibe von dieser Mogelpackung abzuschneiden.

    Mehr noch als „eine tiefe Sehnsucht nach Gleichheit“ sehe ich eine weit verbreitete Empfänglichkeit für die Suggestion, dass durch Gleichheit eine gerechtere und bessere Welt geschaffen werden kann und dass damit auch auf einfache Weise das Gros der gesellschaftlichen Probleme gelöst werden könnte. Nach vulgärmarxistischer Vorstellung mussten nur alle „Ausbeuter“ liquidiert werden um den Weg zum Paradies gleicher und glücklicher Menschen zu ebnen. Die Russische Revolution hat das versucht. Die Ergebnisse kennen wir. Ebenso die der Französischen, die mit jakobinischem Terror nach ihren Vorstellungen Freiheit und Gleichheit zugleich zu erreichen versuchte.
    Und mit dem Streben nach Gleichheit wären wir wieder bei der „sozialen Gerechtigkeit“ und einer vielleicht „gewaltlosen“? Umverteilung.

    Vor ein paar Jahren hat Gerd Habermann das klassische Werk Bertrand de Jouvenels von 1951, „Ethik der Umverteilung“ in deutscher Übersetzung neu aufgelegt. Die Schlüsse, die sich daraus ziehen lassen, entsprechen nun ganz und gar nicht dem, was sich naive Umverteiler so blauäugig erhoffen. Für halbgebildete Alleswisser ist natürlich jede ernsthafte und anspruchsvolle Lektüre überflüssig. Damit kommen aber auch ihre Umverteilungsargumente ihrem Gehalt nach über billigen Populismus nicht hinaus.
    Während man der populären Chimäre der Gleichheit auf Kosten der Freiheit nachjagt treten die mit der Freiheit vollkommen kompatiblen Ziele der Gleichberechtigung und der Chancengleichheit in Hintergrund- auch weil sie in den Augen der radikalen Gleichmacher nicht die gewünschten Ergebnisse zeitigen können.

  2. Weitgehend kluge Beobachtung, Frau Schröder, aber das Problem ist möglicherweise keine spezifisch deutsche, sondern eine zutiefst menschliche Erscheinung, die sich durch alle Kulturen zieht: Zu diesem Schluss kommt jedenfalls Igor R. Schafarewitsch – Der Todestrieb in der Geschichte – Erscheinungsformen des Sozialismus (leider ist das Buch nur noch schwer zu bekommen). Die momentan weltweit wohl mächtigste Bewegung, der politische Islam, ist mMn z.B. ebenfalls von einer gleichmacherischen Grundidee durchdrungen – verbunden mit dem Versprechen eines besseren Lebens – und darum gerade für viele Menschen, die sich für unterpriviligiert halten, so attraktiv. Vielleicht bringen deshalb auch eher westliche “links” Tickende dem Islam (insgeheim) so viel Verständnis entgegen, da sie Muslime als Brüder und Schwestern im Geiste erkennen.

  3. Für eine Soziologin erschreckend uninformiert über den Stand der soziologischen Forschung in Sachen gender pay gap, gewürzt mit Vorurteilen über “den Osten”.

    In der DDR gab es nämlich sehr wohl eine Gender-Segregation des Arbeitsmarkts, sprich typische Frauen- und typische Männerberufe. Trotzdem verdienten Frauen im Schnitt dasselbe wie Männer.

    Aber ich bin mir sicher, mit der Freiheit des Westens manifestiert sich einfach die genetische Veranlagung von Frauen, weniger zu verdienen!!

    1. Wenn der Preis – das Gehalt – zentral geplant wird, welchen Wert messen sie der Information “gleiches Gehalt in der DDR” bei?

  4. Den Staat geht vieles nicht an, in das er sich einmischt.
    Man muss sich überhaupt klarmachen, dass sich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit nebneinander gegenseitig aufheben. Sie haben ihre Geltung je nur in einem besonderen Lebensbereich. Grundsätzliche Überlegungen dazu:
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/08/11/wo-sind-freiheit-gleichheit-bruederlichkeit/

  5. Liebe Frau Schröder, danke. -Aber: Der wesentliche Teil des Biologischen ist die Tatsache, daß die Frauen die Kinder austragen, gebären und (wie eigentlich von der Natur vorgesehen, siehe die biologische Ausstattung der Frauen) die Kinder stillen. Im idealen Fall kann also die Mutter- nicht der Vater- dss Kind die ersten ein/zwei Jahre eng bei sich haben. Vater und Mutter haben in dieser Zeit verschiedene Aufgaben. Für das Baby ist das auch – wie Studien zeigen -das Gedeihlichste.
    Eine gewisse UnGLEICHHEIT liegt also in der Biologie des Menschen.
    Die Frage, wie GleichBERECHTIGUNG möglich ist: DARUM geht es.
    Sicher nicht durch GleichMACHEREI. Gar noch in der -aktuell so modernen -Art, daß man die Kinder möglichst bald der Mutter entreißt, rein in die Krippe. “Wozu gibt es schließlich Nuckelflaschen!”
    Die sehr zu schätzende Frau Schröder hat ihr Ministeramt aufgegeben, als sie ihr Baby gebar. (Ob auch geschasst, vermag ich nicht zu beurteilen. )
    Frau Nahles schafft es anders: sie gibt ihr Baby -möglichst oft-ab.
    DA liegt eine spannende Frage: eine stillende Ministerin, eine stillende Chefin, eine stillende Angestellte.
    Bitte nachdenken! Wie? Gewöhnen wir uns doch an Stillende. Warum nicht gar im Bundestag! Durch Krippen und Gleichmacherei ist das Thema zum Unglück der Kinder “erledigt”.
    Durch Gleichmacherei und Krippen ist

  6. Ein biowissenschaftlich fundierte, kritische und systemische Widerlegung der Gender-Ideologie liegt jetzt vor:
    Ulrich Kutschera
    Das Gender-Paradoxon
    Man und Frau als evolvierte Menschrntypen
    Berlin 2016, Lit-Verlag, ISBN 978-3-643-13297-0
    Sehr empfehlenswert!

  7. Also: die blauen Einwegrasierer für Männer kosten deutlich weniger, als die rosafarbenen für Frauen. Gleichberechtigung bedeutet dann wohl, Männer, als auch Frauen dürfen generell Einwegrasierer kaufen, aber zu unterschiedlichen Preisen. Gleichstellung hieße eher, Männer und Frauen zahlen den gleichen Preis dafür – und diesen Preis regelt dann letztlich der Wettbewerb. Nun ist aber Frau Schröder lieber für Gleichberechtigung und zahlt daher lieber gerne mehr. Solange Frauen so denken, zweifle ich an, ob sie tatsächlich überhaupt denken! Und wer das mit den unterschiedlichen Preisen für Einwegrasierer nicht glaubt kann sich in der nächsten Drogerie gerne selbst davon überzeugen.

    1. Herr Lahmann,
      wenn es wirklich so wäre, warum kaufen Frauen denn die pinken Teile?
      Niemand zwingt Frauen dazu die pinken Rasierer zu kaufen.

    2. Wer geht zu Zeiten des Internet noch für eine Recherche in die Drogerie. Im Internet bei DM: Balea Men 3-Klingen Einwegrasierer, 8 St 1,95€. 3-Klingen Einwegrasierer, 8 St. blau-rosa verpackt 1,95€.

    3. Nein. Gleichberechtigung bedeutet, daß Frauen, wenn sie wollen, auch die blauen Einwegrasierer, ja sogar Mehrwegrasierer oder Rasiermesser kaufen dürfen. Die Entscheidung für das teurere “Frauen-“Produkt liegt allein bei der Frau. (übrigens dürfen auch Männer solche Produkte kaufen.) Wenn eine Frau bereit ist, für einen pinken Akkuschrauber 100€ mehr zu bezahlen, dann ist das ihr verdammtes Recht, jedoch zwingt sie keiner dazu. Es besteht offenbar eine entsprechende Nachfrage nach derartigen Produkten und ein Unternehmer wäre dumm, bzw. geradezu fahrlässig in seiner Verantwortung gegenüber Aktionären und Angestellten, wenn er diese Nachfrage nicht bedienen würde.

    4. Der Markt regelt gerade den Preis, deshalb ist er auch unterschiedlich, und nicht gleich. Schönheit hat für Frauen einen höheren (Markt)Wert, entsprechend sind Schönheitsprodukte für sie teurer. Schönheit führt dazu, dass Frauen als reiner, moralischer, angenehmer, und weniger bedrohlich wahrgenommen werden. Männliche Härte und Rauheit hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Frauen kümmern sich indem und während sie sich um ihre Schönheit kümmern besser um ihre Gesundheit. Sie haben eine andere Körperwahrnehmung, sind empfindsamer und empfindlicher. Empfindsamkeit ist eine Fähigkeit, Empfindlichkeit ihr untrennbarer (nachteiliger) Aspekt. Das gerade Männer im Privatleben Güter “gegen weibliche Schönheit” tauschen sollte offensichtlich sein.

      Da Männer Schönheit und “Wellness” weniger nachfragen, sind die Preise für die entsprechenden Produkte anders. Wer sich jetzt auch noch darüber beschwert, dass die betroffenen Unternehmen ihr Angebot auf Frauen ausrichten, und diesen eine größere und feinere Auswahl bei überlegener Verfügbarkeit bieten (betrachten sie Kleidung, Beauty, und Wellness — Shopping), während Männer benachteiligt werden, kann sich zum einen nicht auf Marktversagen berufen, und zum anderen nicht auf Freiheit. Unterschiedliche Präferenzen führen zu unterschiedlichem Angebot und zu unterschiedlichen Preisen. Es herrscht Interdependenz; ein Element zu isolieren ist lächerlich. Die kategorialen Fehler hat auch die Zentralverwaltungswirtschaft gemacht.

  8. In gender-egalitären Ländern wählen Frauen weibliche Berufe. In sozialistischen Ländern “wählen” Frauen männliche Berufe. Überlegen Sie (insbesondere Susi) was das bedeutet. http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0029265 – Auch ist es nicht so, dass Männlichkeit Berufe in irgendeiner zauberhaften Form aufwerten. Müll- und Tierkadaverbeseitigung, Lastwagenfahrer, Schlachter, Soldaten, Kohlebergbauer, Fischer, und Landwirte bestechen nicht gerade durch Ansehen (allerdings durch Unfallzahlen). Demgegenüber entspricht das Verständnis von Frauen als feinen, schönen, moralisch makellosen, und empfindsamen Wesen weiblichen Berufen. Ich formuliere hier keine Beschwerde. Eine – vorrübergehend – kalte, analytische Betrachtung sollte offenbaren, dass es sich um Abtäusche (trade-offs) handelt, was bedeutet, dass Frauen und Männer jeweils spezifische korrespondierende Vorteile und Nachteile haben. Diese sind in ihrem Wesen begründet. Ohne den Raum zu nutzen um das im Detail darzustellen: aufgeklärter Sexismus ist ratsam: utilitaristisch, freiheitlich, attraktiv. Frauen gefällt es Frauen zu sein*, und Männern gefallen (feminine) Frauen. (*Weiblichkeit – Schönheit inbegriffen – schließt Intelligenz und Macht nicht notwendig aus. Oft im Gegenteil. Ihre Diskreditierung ist eher Strategie von Feministinnen.) (Offensichtlich gefallen kaum jemandem Nachteile, und so ergeben sich Widersprüchlichkeiten. Das lässt sich in der Handhabung von “benevolent” und “malevolent sexism” zeichnen.)

    Der Link führt auch zu geschlechtspezifischen Persönlichkeitsmerkmalen aus. Wer Selektion (Evolution) bejaht, muss grundsätzlich auch sexuelle Selektion (Evolution; dimorph) bejahen. Wer körperliche Evolution bejaht, muss grundsätzlich auch “psychologische” (vermeide den Dualismus) bejahen. Intelligenz ist stark erblich bedingt, ebenso Persönlichkeitsmerkmale. Angesichts des umgemein beständigen, und starken (abweichenden) Selektionsdrucks muss man annehmen, dass die geschlechtsspezifischen Persönlichkeitsunterschiede signifikant erblich bedingt sind. Sehen Sie sich Urzeit und Geschichte an, einschließlich die Gegenwart der Welt; die beständigen “Rollen” sind prädestiniert für genetische Anpassung, Adaption. Gewaltsamer Konflikt (auch in Gruppen/Militär), körperlicher Wettbewerb, Risikoneigung, Dominanz, und Statushierarchien waren/sind für Männer sinnvoll. Für Frauen waren/sind sie es nicht. Entsprechend haben Frauen einen größeren Menschenbezug (people-orientation) – eine weibliche Form der Sorge für andere – Männer einen größeren Sach-/Dingbezug (thing-orientation). Siehe Berufswahl und Beziehungsstil. Beachten Sie auch die beständige romantische und sexuelle Neigung von Frauen. (Versuchen Sie als Fallstudie Twilight>fan-fiction>Shades of Grey (romance novels/erotica). Partnerbörsen; Initiative beim Flirten, et cetera.) Sehen Sie sich an wie Frauen sprechen.
    Frauen sind egalitärer, Männer meritokratischer. Was neben, unter anderem, der Inkompatibilität von Kurz- (“bad boy”) und Langzeitpartnerwahl (“nice guy”), weibliche Ambiguität und politische sowie persönlichen Konflikt erklärt.

    Joyce Benenson, Warriors and Worriers, The Survival of the Sexes, OUP; – Anne Campbell, A Mind of Her Own, OUP; Bobbi Low, Why Sex Matters, Princeton UP.

  9. Die Aussage des Artikels lässt sich auch gut auf das uns alle z.Z. bedrückende “Migrationsproblem” anwenden. Denn auch hier gilt die Gleichmacherei. Jeder Migrant der es dann mal geschafft hat, hat Anrecht auf die gleichen sozialen Errungenschaften der Deutschen Gesellschaft. Hier muss auch Deutschland erkennen das das nicht durchzuhalten ist. Das hat nichts mit Gerechtigkeit sondern mit Egoismus und wenn uns eins die Evolution lehrt, dann das nur Egoismus das Überleben sichert. Schon daran wird die Gleichmacherei scheitern. Leider wird bis zum Scheitern sehr viel Energie verloren gehen, wenn nicht gar unsere Gesellschaft.

  10. … einen Armutsbegriff benutzen, der Armut als weniger als 60% des Durchschnittseinkommens definiert und damit nicht Armut, sondern Ungleichheit misst.

    Und das ist das traurige daran, dass gerade diese Erkenntnis belegt, wie ungleich der Verstand in diesem Land verteilt ist; denn Sie sind mit dieser Betrachtung zumindest eine Minderheit in der veröffentlichten Meinung. Gleiches gilt für den Gender Paygap, der, obwohl seit mehr als einem Jahrzehnt als statistischer Unsinn widerlegt, auch in diesem Jahr wieder behauptet wird.

    Wie fühlt es sich denn an, als Politiker beständig gegen den dummen Wind zu reden?

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