Papagei: Sprachen lernen mit Angry Birds, CNN und ZDF

Eine neue Technologie macht das Smartphone zum Sprachlabor und benutzt dabei aktuelle Nachrichtensendungen, Spielfilme und Zeichentrickserien wie Angry Birds als Übungsmaterial. Gerade für Flüchtlinge könnte das der Grundbaustein für eine schnelle und günstige Sprach- und Kulturintegration sein.

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Endlich einfach Fremdsprachen lernen? Könnte sein, dass dieser Traum Wirklichkeit wird. Ein neuer Anbieter macht es möglich mit aktuellen News-Videos auf dem Smartphone oder PC. Dabei geht es nicht nur um Sprache – es geht um Verständnis von Kultur und Gesellschaft.

Keine Integration ohne Sprache

Deutsch lernen – das ist unbestritten der erste wichtigste Schritt zur Integration von Flüchtlingen. Doch viele Sprachkurse sind ausgebucht, das Angebot ist teuer, gute Lehrer rar und die Klassenzimmer nicht immer da, wo Flüchtlinge sind. Jetzt gibt es eine verblüffende Lösung:

Deutschkurse per Smartphone. Denn längst ist klar: Das Smartphone ist für Flüchtlinge der wichtigste Gegenstand – damit erst haben sie die Fluchtroute gefunden, damit halten sie die Verbindung untereinander und zu den Familien aufrecht.

Warum also nicht Sprachkurse per Smartphone?

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Die Lösung ist verblüffend einfach. Längst ist das Smartphone ja nicht nur Fluchthelfer, sondern persönlicher Lebensbegleiter und Assistent. Es ist immer dabei – auch in den Leerzeiten, die sich wunderbar dafür eignen, schnell ein paar Vokabeln oder Redewendungen zu trainieren.

Das niedersächsische Unternehmen Papagei bringt jetzt Sprachkurse auf das Smartphone oder den PC und das mit einer raffinierten Kombination: Nicht überholte Texte aus dem vergangenen Jahrzehnt und holprige Lehrer mit fragwürdiger Aussprache präsentieren Texte, Vokabeln und Grammatik – sondern die Nachrichten von CNN oder auch die Trickfilme von „Angry Birds“, dem Vogel-Killer-Spiel, das auf fast jedem Bildschirm sein fröhliches Unwesen treibt. Das Smartphone wird zum mobilen Sprachlabor mit aktuellem Inhalt.

Eine neue Lern-Technologie

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Michaela Meier

Dahinter steckt eine raffinierte, international ausgezeichnete Technologie, die das Papagei-Team in Hannover um die Neurobiologin und Papagei-Chefin Michaela Meier entwickelt hat: Die interaktiven Lerninhalte werden im Papagei-Videoplayer in bestehende Filme in Muttersprache eingebettet und benutzen den Inhalt. Die Videos werden in zwei Sprachen untertitelt, für jeden Lernenden in seiner Muttersprache. Vokabeln aus dem gesprochenen Text werden erklärt und mit Spielen trainiert, Grammatik gedrillt, die Aussprache kann geübt werden, Sinnzusammenhänge werden abgefragt. Eine aktuelle Sendung von CNN beispielsweise wird damit zum Sprachtrainer. Die Kluft zwischen der akademischen Sprache von Universitäten und der aktuellen Sprachwelt wird damit geschlossen – wer kennt das nicht, dass man trotz bester Sprachnoten im wirklichen Leben kein Wort versteht und keinerlei Gespräch oder Diskussion folgen kann? Und die jeweilige Lektion ist nicht an einen Ort oder an die Zeit gebunden. Pauken kann man auch zwischendurch in Zeit-Lücken.

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Der Papagei fliegt heimlich mit

Papagei fliegt also gewissermaßen versteckt in TV-Sendungen mit: Wer zukünftig mit CNN Englisch lernt, lernt es mit Papagei. Die Sprachlernprogramme, die CNN weltweit anbietet, beinhalten die Technik und Kompetenz von Papagei. Demnächst kann man aber auch mit Angry Birds deutsch lernen oder mit Käpt ´n Blaubär. Oder mit den Zeichentrickfilmen von Angry Birds: Deutsche können damit englisch und Flüchtlingskinder mit arabischem Hintergrund deutsch lernen, und das spielerisch. Zwar gibt es längst Sprachlabore und Lern-Videos. Aber ihre Produktion ist langwierig und aufwendig; und es bleibt der Geruch des bemüht Pädagogischen und Gekünstelten haften. Schnell wirken die Inhalte veraltet und überholt.

Bei Papagei dauert es nur wenige Wochen, um eine aktuelle TV-Sendung oder einen Film zum Lernprogramm aufzubohren. „Der Spaß beim Zuschauen hilft beim Lernen“, beobachtet Michaela Meier.

Seit drei Jahren bietet papagei.com unterschiedliche Schwierigkeitsstufen (von A1 – C2), für über 20 Sprachkombinationen mit über 10.000 interaktiven Videos und über 500.000 Online Lernobjekten an.

Dadurch, dass aktuelle Fernsehsendungen und Filme als Plattform für den Lernstoff benutzt werden, wird aber nicht nur die Sprache gelernt: Filme vermitteln den jeweiligen Blick auf das Land von innen. Sie zeigen Kultur und Lebensweise, erklären indirekt, worüber man lacht oder weint, wie Menschen miteinander umgehen, kurz: die vielen Facetten der jeweiligen Kultur und Gesellschaft. Die unsichtbare Wand, die bislang die akademisch geprägte Welt der Sprachschulen und der dynamischen Sprachwelt des Alltags und der Wirtschaft trennte, wird so eingerissen. Lernen wird zum Alltag und verknüpft sich mit Aktualität, Kultur und Wirtschaft.

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Integration per Smartphone

Kein Wunder, dass die aktuelle Flüchtlingsproblematik auch Papagei erfasst. Sprache ist Zugang zur Kultur; aber Vokabeln allein erklären die Welt noch nicht. Michaela Meier formuliert ihre Vision: „Wenn schon alle Flüchtlinge ein Smartphone besitzen – warum lernen sie dann nicht damit und mit aktuellen Videos aus Deutschland die Sprache und unternehmen die ersten Schritte in Richtung kulturelle Integration? Und zwar in jeder Turnhalle, in jedem Aufenthaltsraum, vielleicht sogar schon für Angehörige, die nachreisen wollen?

Daher bietet Papagei „Sprachlernpatenschaften“ an – vom einfachsten Niveau (100 wichtige Sätze, 500 Vokabeln) bis hin zu „Deutsch für den Beruf“. Für jeden verkauften Kurs stellt Papagei einen weiteren kostenlos zur Verfügung. ChemieNord hat bereits 250.000 € für Papagei-Sprachkurse für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, um die Integration zu erleichtern; Sozialverbände in Berlin ebenfalls.

Damit wird Käpt´n Blaubär zum Integrationslotsen, und syrische Kinder verstehen nicht nur, sondern wissen auch, worüber die deutschen Nachbarskinder lachen. Und lachen mit.

„Dann haben wir es geschafft“, sagt Michaela Meier.

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Kommentare {4}

  1. Himmel Hilf!
    Die Smartphones sollen uns jetzt auch noch die Benutzung des eigenen Gehirns abgewöhnen!

  2. Sprachen lernen ist und bleibt mühselig; es führt kein Weg daran vorbei, sich anzustrengen. Man kann es geringfügig hübscher und bunter machen, aber es bleibt das Grundproblem, daß man sich mit der Sprache befassen muß, daß man lernen muß, daß man üben muß. Es gibt Werkzeuge – gerade auf dem Handy, die das etwas erleichtern, aber letztenendes ist es egal, ob man Vokabeln mit dem altmodischen Karteikasten oder mit einem teueren Handy lernt – man muß es eben tun, das ist das Entscheidende. Und dazu muß man vor allem erst einmal die nötige Motivation haben; wenn die fehlt, nützt alles andere gar nichts. Und das ist die alles entscheidende Frage: Ist die Motivation vorhanden?

  3. Also den Schenkelklopfer von wegen papagei und gut nachgeplappert spar ich mir (nicht), aber das Sympathischste an dieser Firma ist für mich noch ihr Standort. Ansonsten möge sich doch bitte jeder seine Meinung bilden, die Webseite ist ja üppig verlinkt, viermal an der Zahl, da wird sich Herr Maschmeyer aber freuen. An der Form sollte man allerdings noch basteln, mir jedenfalls bleibt ein Rätsel, weshalb jemand einen Anbieter für Englischkurse bezahlen sollte, der sich in dieser Sprache auf seiner Webpräsenz selbst einen abbricht, dass es beinahe weh tut. Na immerhin ist es nicht “googlated”, schlimmer geht natürlich immer. Auch aber wurde ich innerhalb meiner ~3 Min Erkundungstour jetzt mehrere Male ins virtuelle Nirvana geleitet – einige Seiten wiederum ohne Inhalt – die Plattform steht also auch noch nicht auf festen Beinen. Eigentlich bisschen früh um die Revolution auszurufen, andererseits regnete es schon allerlei Auszeichnungen.. ja, ist alles bekannt.

    Ich will’s nicht komplett verreißen, es liest sich ja auch ganz nett und es gibt sicher schlechtere Unternehmungen, nur: Man könnte bald meinen hier lockt ein wahrer Wohltäter mit einer wahrhaft genialen Idee, dem ist nicht so. Die Methodik an sich ist von zweifelhafter Novität und didaktisch, charmant formuliert, fragwürdig; die engen Grenzen, die Sprachlernkonzepten dieser Art gesetzt sind, hingegen hinlänglich bekannt. Eines sollte bitte deutlich(er) klargestellt werden dürfen: ein digitaler “Pronunciation Coach” löst unsere Sprachprobleme nicht, noch weniger die der Migranten, noch weniger unseren Mangel an Deutschunterricht und solchen, die ihn geben können. Selbstverständlich wird es auch niemandem schaden. Im besten Falle kann es eine kleine, ggf. unterhaltsamere Ergänzung zum eigentlichen Unterricht sein, mehr aber auch nicht. Für’n Appel und’n Ei ist das okay. Kostenlos, respektive gesponsert erst recht. Aber als kommerzielles Produkt, tut mir leid, ein übler Scherz (leider unter vielen). Jeder, der da glauben will, auf/mit seinem Smartphone (allein?) Sprachen lernen zu können, also zumindest schon mal minimal tech-savvy ist, weiß, dass es zig kostenfreie Alternativen gibt. Und auch Duolingo mittlerweile in der App-Variante.

  4. Gestern in einem spanischen Restaurant, die Kellnerin sagt in ihr Handy: “clabaza en Aleman” und das Handy spuckt Kürbis aus. Ich war einfach nur noch verblüfft was so alles geht…

    Um so mehr versteht man deutsche Verwaltungen nicht, die werden ja augenscheinlich durch moderne Technik eher geblockt als gestützt.

Kommentare sind geschlossen.