Muslime: Gesine Schwans wirrer Judenvergleich

Sind Muslime die neuen Juden, wie Fast-Bundespräsidentin Gesine Schwan von der SPD ständig wiederholt? Dieser Vergleich ist so dumm wie gefährlich.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich – so lautet eine Spruchweisheit, die verdeutlichen soll, dass die meisten Vergleiche wenig Sinn machen. Wäre es nur das, dann könnte man ja damit leben. Manche Vergleiche allerdings hinken nicht nur – sie offenbaren auch ein völlig Missverständnis von unserer Welt und unserer Geschichte. Und das macht sie gefährlich – nicht nur für den Vergleichenden selbst, sondern vor allem für jenes, was mit dem Vergleich verglichen wird.

Ein Musterbeispiel eines solchen gefährlichen Vergleiches liefert dieser Tage eine Frau, die fast unsere Bundespräsidentin geworden wäre, und die sich seit ihrem entsprechenden Scheitern an ihrer Universität in Frankfurt/Oder aufhält und gelegentlich mit flotten Sprüchen versucht, noch einen Hauch von Öffentlichkeit einzufangen. Sie, diese Sozialdemokratin Gesine Schwan, scheint auf ihren Vergleich besonders stolz zu sein. Denn statt ihn einmal im Eifer des Gefechts unbedacht ausgesprochen zu haben, gefällt sie sich darin, ihn ständig und bei jeder scheinbar passenden und doch so unpassenden Gelegenheit zu wiederholen.

Achja – wie lautete noch gleich dieser Vergleich? Ganz einfach:
Das was früher die Juden waren, sind heute die Muslime.

Geschichtsvergessenheit pur

Mit diesem Vergleich, der nicht nur hinkt, sondern in seiner Implikation katastrophal ist, offenbart Frau Professorin nicht nur eine eklatante Unkenntnis sowohl der muslimischen wie der jüdischen, aber auch der deutschen Geschichte – sie relativiert auch auf unfassbare Art und Weise jene Verbrechen, die nicht nur in deutschem Namen an den Juden begangen wurden. Was wiederum die Frage gestattet, ob diesem Schwanschen Vergleich mehr als nur Dummheit zu Grunde liegt.

Blicken wir darauf, weshalb dieser Vergleich so unsäglich ist. Und konzentrieren wir uns auf drei Aspekte.

Kaum eine Religionsgemeinschaft ist in ihrer Vergangenheit so oft und so massiv bedrängt worden wie die Juden. Trotz der europäischen Verfolgung, die seit dem Mittelalter vorgeblich als Strafe für den (tatsächlich nicht) von Juden gekreuzigten Jesus erfolgte und in den Jahren des aufgeklärteren Europas nicht minder unsinnig mit rassischer Unzuverlässigkeit (wie in Frankreich) oder gar – wie unter den Nationalsozialisten – mit rassischer Minderwertigkeit begründet wurde, ist jene Gruppe Menschen, die Juden seit der Spätantike am heftigsten bedrängen und heute mehr denn je die Vernichtung von Juden einfordern, gerade jene Anhängerschaft des arabischen Ideologen Mohamed. Sie, die Muslime, die Frau Schwan so katastrophal in einen vergleichenden Bezug zu den Juden stellt, sind nicht nur in islamischen Ländern, sondern auch auf deutschen Straßen jene, die laut und ungestraft fordern dürfen, Juden „in das Gas“ zu schicken.

Der Koran – das hätte Frau Professorin erkennen können, wenn sie vor ihrem Unsinnsvergleich ein wenig in diesem Schriftwerk geblättert hätte – ergeht sich verseweise in Anschuldigen gegen die „Israeliten“ – welche eben jene Juden sind. Auch wird uns überliefert, dass der erste dokumentierte Massenmord im Namen Allahs derjenige an einem sich zum Judentum bekennenden Araberstamm war. Weil diese Quraiza ihm nicht folgen wollten, ließ der vorgebliche Verkünder einer Religion des Friedens islamischen Quellen zufolge 600 bis 900 Männer des Stammes ihre Gräber ausheben und anschließend enthaupten. Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei verkauft. Muss noch erwähnt werden, dass die Islamfundamentalisten des Islamischen Staats sich an dieser Tat orientieren?

Opfer werden mit Tätern vertauscht

Wer wie Sie, werte Frau Schwan, die Muslime von heute mit den Juden von gestern gleich setzt, der verwechselt Opfer und Täter. Mehr noch – er macht Täter zu Opfern. Wer Täter zu Opfern macht, der verwehrt den Opfern den Anspruch auf ihr Leid. Und relativiert damit das unermessliche Unrecht, das den Opfern angetan wurde.

Der von Deutschland ausgehende Massenmord an den Juden im zwanzigsten Jahrhundert zielte ganz bewusst auf eine Bevölkerungsgruppe, die optimal integriert war und durch ihre Bildungsqualifikation das Großbürgertum wie kaum eine andere Gruppe repräsentierte. Der Massenmord an den deutschen und europäischen Juden war in erster Linie ein Vernichtungsfeldzug gegen eine großbürgerlich-liberale Elite und ein Weg, sich deren Eigentum widerrechtlich aneignen zu können. Wer durch jene bis in die dreissiger Jahre von Juden besiedelten Stadtteile der deutschen Metropolen geht und die großzügig angelegten Wohnungen mit eigenem Dienstbotenzugang bewundert, der kommt nicht umhin, in dem antisemitischen, nationalsozialistischen Vernichtungsfeldzug die Rache des kleinbürgerlichen Proletariats an einer ihnen überlegenen, deutschen Elite zu erkennen.

Von Elite noch weit entfernt

Ohne den in Deutschland lebenden oder den derzeit in Massen nach Deutschland strömenden Muslimen zu nahe treten zu wollen – aber von der großbürgerlichen Position der jüdischdeutschen Elite des Kaiserreichs und der frühen Weimarer Republik, die sich auch dadurch auszeichnete, in ihrer Staatloyalität fast noch deutscher als die Deutschen zu sein, sind die Muslime meilenweit entfernt.

Wer wie Sie, werte Frau Schwan, die Muslime von heute mit den Juden von gestern gleich setzt, der nimmt damit – ob bewusst oder unbewusst – den deutschen Juden ihre historische Rolle und den zu einem aufgeklärten, toleranten Deutschland stehenden Bürgern diesen so bedeutsamen Teil ihrer gemeinsamen Geschichte. Und er vernichtet damit die den Juden und Nicht-Juden gemeinsame deutsche Identität.

Die europäischen Juden gerade in den Großstädten identifizierten sich mit ihren Ländern. Sie waren Deutsche, Österreicher, Ungarn. Sie erwarteten keine Sonderbehandlung und sie forderten schon gar nicht, dass die Mehrheitsgesellschaft sich ihren Traditionen anzuschließen oder gar zu unterwerfen hätte. Sie erwarteten auf Grund der Introvertiertheit ihres Glaubenskonzepts auch nicht, dass irgend jemand von Außen sich ihrem Glauben anschließen müsse und ihren Gott nach ihren Riten verehren solle.

Die europäischen Juden waren Laizisten, die nicht mehr wollten, als ihren eigenen Glauben ungestört leben zu können. Auch das unterscheidet sie fundamental von jenen Muslimen, die mit dem Anspruch der Dawa versuchen, ihren kulturfremden Lebensstil und ihren gegen die christlich-abendländische Tradition gerichteten Glauben zu unserem zu machen. Vor allem aber hatten sich die Juden –anders als die Muslime – nach ihren in der Antike gescheiterten Gottesstaatsversuchen vollständig von der gegen die Aufklärung und jegliche westlichen Werte von Freiheit und Gleichheit gerichtete Vorstellungen der Glaubensdiktatur abgekehrt – bis heute, denn auch Israel ist immer noch das einzige, wirklich demokratisch verfasste Land im Nahen Osten – und kein Gottesstaat.

Einer Wissenschaftlerin unwürdig

Wer wie Sie, werte Frau Schwan, die Muslime von heute mit den Juden von gestern gleich setzt, der setzt damit etwas auf eine gleiche Ebene, was auf einer gleichen Ebene nicht das geringste zu suchen hat. Und er erklärt damit gleichzeitig – ob bewusst oder unbewusst – das für irrelevant, was christliche und jüdische Gelehrte und Bürger in Jahrhunderten unter vielen Opfern an bürgerlich-freiheitlicher Kultur erdacht und erkämpft hatten.

Deshalb, werte Frau Schwan, hinkt ihre Vergleich nicht nur – er ist unerträglich und eines deutschen Professoren unwürdig. Sie sollten sich dafür entschuldigen – nicht nur bei den Juden, sondern auch bei jenen Deutschen, denen die in den vergangenen vierhundert Jahren unter großen Opfern geschaffenen, europäischen Errungenschaften einer offenen und meinungsfreien Gesellschaft noch etwas wert sind. Vor allem aber sollten Sie aufhören, diesen unsäglichen Vergleich gebetsmühlenartig bei jeder scheinbar passenden, doch vielmehr unpassenden Gelegenheit pseudointellektuell zu zelebrieren.

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Kommentare {79}

  1. An dem Artikel stört mich nur eines: die Formulierung, der Vergleich sei “einer Wissenschaftlerin unwürdig”. Diese Frau ist zwar bedauerlicherweise Professorin, aber wie viele andere ihrer Art – gleich welchen Geschlechts – hat sie mit Wissenschaft rein gar nichts zu tun, sondern nur mit Geschwätz.

  2. Die Absurdität des Schwanschen Vergleichs bringt Herr Spahn sehr gut auf den Punkt. Gesine Schwan geht es mit dieser immer wieder gehörten Behauptung jedoch um etwas ganz anderes, nämlich um die Diskreditierung der Islamkritik. Wenn die Muslime die Juden von heute sind, dann sind die Islamkritiker das, was gestern die Nazis waren. Kennzeichen jeder seriösen Islamkritik von Hamed Abdel-Samad bis Thilo Sarrazin ist jedoch, dass sie sich darüber Gedanken macht, welche Hindernisse im Islam angelegt sind, die einer muslimischen Integration in Deutschland im Wege stehen. Den Islamkritikern geht es um Integration, den Nationalsozialisten ging es um Segregation. Das sind zwar exakte Gegensätze, dennoch erkennt Gesine Schwan den Unterschied nicht.

    1. @Martin Schott – Sie haben natürlich völlig recht: Madame möchte mit ihrem idiotischen Vergleich jedwede Islamkritik diskreditieren. Aber muss ich mich deshalb auf dieses dümmlich-platte Niveau begeben – oder macht es nicht mehr Sinn, diesem Unsinnsvergleich inhaltlich zu begegnen? Ich bevorzuge für eine seriöse Debatte letzteres – auch wenn dieses den dialektischen Vorgaben linker Agitation nicht entspricht.

  3. “Der Massenmord an den deutschen und europäischen Juden war in erster Linie ein Vernichtungsfeldzug gegen eine großbürgerlich-liberale Elite und ein Weg, sich deren Eigentum widerrechtlich aneignen zu können.”

    Ein wahrer und wichtiger Satz – ich will ihn um einen Aspekt verstärken: “Der Massenmord an den deutschen und europäischen Juden war in erster Linie” ein Angriff auf die jüdische Kultur. Der einzelne Mensch war nicht primäres Ziel der Nationalsozialisten. Es ging ihnen um die nachhaltige Vernichtung der jüdischen Kultur und wenn wir ehrlich sind ist es ihnen annähernd gelungen – die jüdische Kultur ist in Europa nicht mehr so stark, wie vor 1933. Jüdische Kultur ist nur möglich unter permanentem Polizeischutz, gerade wegen des offen geäußerten Hasses seitens der Muslime. Nicht Deutsche Hooligans bedrohen die jüdische Kultur, sondern die Kämpfer der Hamas und der PLO, mit vielfältiger Rückendeckung der gesamten arabischen Welt.

    Gesine Schwans Vergleich hinkt mächtig.

  4. Hallo Alle

    Bitte das Video ankucken, es dauert 25 min. aber es erzählt was Islam hier in Europa vor hat.
    Wenn Sie einverstanden sind, bitte an allen Bekannten und Freunden weiterleiten

    https://www.youtube.com/watch?v=b8BI1XoVrqQ

    Gruß.

  5. Sehr geehrter Herr Spahn,

    hatte zuletzt einen Kommentar von Frau Knobloch gelesen (habe leider keine Quellenangabe ), in dem sie die Flüchtlingspolitik v. Fr. Dr. Merkel begrüßt. Sie mag dies in Hinsicht der deutschen Vergangenheit gemeint haben, denke ich mir?
    Aber, mir stellt sich trotzdem die Frage, wie sehen denn die Juden in Deutschland diesen Flüchtlingsansturm?
    Bestehen hier denn aktuell keine Bedenken bezüglich der Unterschiede im Bereich der Religion/Tradition/Werte?

    1. @CC – Ihre Frage kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Ich bin christlich erzogener Agnostiker ohne jüdischen Glaubenshintergrund und “Biodeutscher” (um an dieser Stelle einmal diesen verqueren Begriff zu benutzen).

  6. Sehr geehrter Herr Spahn, ja da legt eine deutsche Universitäts-Professorin ein totales Bekenntnis ihrer Unwissenheit in Religions- und Sozialwissenschaften ab. Eher sonderbar! Man sollte erwägen ihr die Lehrbefähigung zu entziehen….
    Mit freundlichem Gruß
    Paul Jürgen Sparwasser

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