Die neuen Ketzer, Islam und Kritik

Barbara Köster schrieb diesen Beitrag eine Woche vor dem Brüsseler Terror: Wer den Islam kritisiert, gilt vielen Zeitgenossen als rassistisch. Das ist so, als wären Frauen, die das Patriarchat kritisieren, sexistisch. Sexistisch ist aber das kritisierte System.

Orlok / Shutterstock.com
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Muslimische Extremisten haben dem Islam nun soviel Schaden zugefügt, wie kein Islamkritiker es je vermocht hätte. Gotteskrieger haben die im Koran und der Tradition angelegte Rechtfertigung von Gewalt endgültig aufgedeckt. Diese grundlegenden Schriften sind die wichtigsten Ressourcen im gegenwärtigen Prozess der Destabilisierung von Staaten.

Der Islam ist die Ideologie der Stunde, die überall Menschen anzieht, die sich danach sehnen, Gewalt auszuüben. Er kanalisiert, bündelt und verwirklicht Todes- und Tötungsphantasien. Für alle, die den Krieg vermissen und sadistische Freude an Terrorakten haben, ist der Islam zur Zeit die erste Wahl. Er bietet die Möglichkeit, niedere Instinkte zu Tugenden umzudeuten. Morden, stehlen, betrügen, vergewaltigen, lügen für Allah und in seinem Namen. Der Islam bietet die autoritative Lehre, auf die sich der Gewalttäter stützen und damit vor sich selbst verbergen kann, dass er aus Lust und eigenem Antrieb handelt. Ein unwiderstehliches Angebot.

Der Koran als Terroristen-Lizenz zum Töten

Die Terroristen sind davon überzeugt, dass der Koran ihre Lizenz zum Töten ist. Sie fühlen keine Schuld. Appelle an ihr Gewissen und Bitten um Gnade sind nutzlos und stacheln sie nur noch mehr auf. Nicht sie töten, sondern Allah. Sie sind nur Werkzeuge unter Berufung auf Koran 8:17: „Nicht ihr habt sie getötet, sondern Gott.“ Islam ist ein willkommenes Vehikel für ihre Gewaltbereitschaft. Islam sagt ihnen: Du darfst. Du darfst Frauen versklaven und vergewaltigen und Andersgläubige schlagen, demütigen und sogar töten. Der Islam entlastet sie von der Verantwortung und schenkt ihnen eine rauschhafte Entfesselung und Befreiung vom Ich. Das Es darf sich Bahn brechen, geschützt vom großen Über-Ich Gott. Die enthemmte Religion lässt es zu, sich des Gewissens zu entledigen, die Vernunft aufzugeben und die Bestie freizulassen.

Die Fahne der Dschihadisten ist schwarz, die Farbe des Todes und des Nichts, des Nihilismus. Ihre Doktrin ist die Nekrophilie, ein Angebot von Tod, Zerstörung und Selbstzerstörung, das für viele Menschen verlockend ist. Die Überwindung der Welt bringt das Heil. Die Todesverachtung verstärkt die Kampfkraft. Der Islam wird zur mörderischen Fantasie von einer religiösen Weltordnung, imperialer Übermacht, moralischer Überlegenheit und kultureller Allwissenheit. Dieser imperiale Islam ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Was des Einen Entgrenzung ist, ist des Anderen Vernichtung.

Antrieb ist die Gier nach Beute. Die Gier wird verschleiert durch die angebliche göttliche Erlaubnis, dass die Muslime ein Vorrecht auf sämtliche Güter der Welt hätten. Die Höherwertigkeit ihrer Religion ermächtige sie, Andersgläubigen deren Habe wegzunehmen. Bereits die Geschichte vom Propheten Mohammed ist eine Aneinanderreihung von Beutezügen. Diese Geschichte ist die Vorlage.

Man hat wieder das Unübliche mit dem Unmöglichen verwechselt. Wenn man das Unübliche für unmöglich hält, ist man unvorbereitet und überrascht. Völkermord ist unüblich, aber möglich. Trotzdem haben die meisten westlichen Bürger Zustände, wie sie jetzt in den Bloodlands des Islams herrschen, für unmöglich gehalten. Das Potential dafür war aber schon lange da. Die Apokalypse wurde angesagt. Der politische Islam hatte sich ausdrücklich zum Massenmord bekannt, bevor er zur Tat schritt. Der Westen übte sich in Verleugnung. („Das können sie doch nicht wirklich meinen!“) Die Hamas-Verfassung und die Agenda Al-Qaidas wurden nicht zur Kenntnis genommen.

Westler suchen immer ökonomische Gründe

Ebenso weigern sich viele westliche Intellektuelle, den Dschihadismus als vornehmlich religiöses Phänomen zu akzeptieren. Sie suchen nach den ökonomischen Ursachen, die es ihrer Meinung nach geben muss. Darin geschult, oder sollte man sagen: konditioniert, sozio-ökonomische Ursachen für gesellschaftliche Entwicklungen zu finden, ist es nicht einfach, diesen Pfad zu verlassen und den Primat der Ökonomie an der Gesellschaftsdynamik in Frage zu stellen. Gerade soziologische und ökonomische Instrumentarien sollen den wirklichen Grund der Dinge eruieren, also die tektonische Schicht erreichen, wo die Bewegungen erzeugt werden, deren Auswirkungen an der Oberfläche als sogenannte Überbauphänomene spürbar sind. Was aber, wenn das vermeintliche Überbauphänomen der Kern der Sache ist? Wenn es um eine Geisteshaltung geht, einen unbedingten Willen?

Auch der Marxismus befand, die Ursache der geschichtlichen Entwicklung sei ökonomisch: Erst komme das Fressen, dann die Moral. Die Länder, die den Marxismus adoptierten, allen voran die Sowjetunion, gründeten jedoch gar kein materialistisches, sondern ein ideelles System. Fortan galt der Grundsatz: Nur wer die Moral hat, bekommt zu fressen.

Das Schlüsselwort apokalyptischer Bewegungen ist Vernichtung. Erlösung gibt es nur durch Vernichtung des Bösen, und das bedeutet, durch die Vernichtung der Träger des Bösen, der Andersgläubigen. Apokalypse ist die Heraufbeschwörung eines massiven Racheaktes Gottes gegen den mächtigen irdischen Widersacher. Krieg ist im Islam ein Mittel der Erlösung. In der Entscheidungsschlacht, die laut islamischer Eschatologie in dem Ort Dâbiq bei Aleppo stattfinden soll, würde der Feind vernichtet.

Der apokalyptische Islamismus verfügt über eine formulierte ideologische Grundlage, stetig sprudelnde Geldquellen, und er agiert weltweit. Er ist schon lange ein globales Sicherheitsrisiko. Seine Unterschätzung ist als politisches und moralisches Versagen des Westens zu bewerten. Der Islamismus ist ein re-primitivierendes Konzept. Die Re-Primitivisten sind auch in Europa und Deutschland unterwegs. Mit ihnen gibt es keine win-win-Situation. Wenn sie siegen, verlieren alle anderen. Wenn der Islamismus in Europa siegt, verliert Europa alles: Seine kulturelle Erinnerung, die dann verschüttet oder islamgerecht uminterpretiert würde, seine Gegenwartskultur, die als „vergiftet“ gebrandmarkt würde, und seine Zukunft als Garant gleicher Rechte für alle.

Wenn von „dem Islam“ die Rede ist, so schallt es oft zurück, „den Islam“ gebe es nicht. Diese Beanstandung wäre aber an die Verfechter des „wahren Islams“ zu richten und nicht an diejenigen, die sich gegen diese Idee eines einzigen, allumfassenden Glaubens für die ganze Welt wenden. Gerade die Vertreter des „wahren Islams“ lehnen alle Traditionen ab, besonders die historisch gewachsenen regionalen Besonderheiten. Sie sprechen nur von „Islam“ ganz im Allgemeinen und differenzieren nie. Dieser Islam garantiert keine Kultur der Vielfalt, sondern der Einfalt. Der „wahre Islam“ ist ein totalitäres System. Er will die Gleichschaltung aller Länder, die Vereinheitlichung der Welt.

Gemeinsame Nenner des „wahren Islams“

Der gemeinsame Nenner des „wahren Islams“ ist, dass er Frauen verschleiern will. Bei aller Differenz, die z.B. zwischen quietistischen Salafisten und Kalifatskriegern bei der Gewaltaffinität besteht, bei jedem möglichen Ausmaß der Beachtung „religiöser Regeln“, ob es sich um die Akzeptanz von Polygamie und Kinderehe handelt, ob man trotz Verbots Alkohol trinkt und Drogen nimmt, die Basis des „wahren Islams“ ist die Geschlechtertrennung und die Einschränkung der Räume für Frauen.

Um diesen Islam geht es. Auf ihn muss sich das Interesse Europas richten, denn dieser Islam ist an Europa interessiert. Es ist ein globalisierter Islam, per Satellitenfernsehen und Internet in alle Welt gehend. Der Einspruch, dass er in den verschiedenen muslimischen Ländern so nicht vorkommt, ist müßig und führt an der Sache vorbei. Das Ziel besteht ja darin, ihn auch dort zu etablieren, und dies wäre nicht notwendig, gäbe es ihn schon. Der „wahre Islam“ wurde von seinen Verfechtern zu einem stehenden Begriff gemacht und nicht von seinen Gegnern.

In Deutschland sieht man es gern anders. Die Islamkritiker sind die neuen Ketzer. Wer den Islam kritisiert, gilt vielen Zeitgenossen als rassistisch. Das ist so, als wären Frauen, die das Patriarchat kritisieren, sexistisch. Sexistisch ist aber das kritisierte System. Alle Menschen sind frei und gleich geboren. Eine Kultur, die eine Abstufung der Menschen nach Wertigkeit ihres Glaubens vornimmt, ich nenne dies Credismus, fordert Kritik heraus. Credismus muss wie Rassismus behandelt werden. Der Islam ist der Prototyp einer credistischen Lehre. Er ist außerdem sexistisch und somit in doppeltem Sinne diskriminierend.

Der Islam leugnet die Würde aller Menschen, die sich allein aus ihrem Menschsein ergibt. Er verlangt besondere Ehrerbietung für Muslime von den Nichtmuslimen, was durch die Scharia legalisiert ist. Dies ist unannehmbar. Wer die Hybris des Islams benennt, verfügt über ein intaktes Urteilsvermögen. Hier Kritik nicht zuzulassen, ist der erste Schritt zur Abschaffung der Meinungsfreiheit, und dies ist ein wichtiger Punkt auf der islamischen Agenda für Europa.

Statt ihrer Wächterfunktion für den Erhalt der freien Gesellschaft nachzukommen, warnen die europäischen Eliten in Politik und Medien vor „Islamophobie“. Sie greifen damit leichtfertig eine Wortschöpfung auf, die aus interessierten Kreisen stammt. In diesen Kreisen gelten westliche Werte als Angriffe auf den Islam, die zu „Widerstand“ berechtigen. Die westliche Verteidigung seiner Werte ist hingegen Islamophobie. Der Begriff ist Teil der Strategie, Muslime als Opfer darzustellen und den Westen als Aggressor.

Islamophobie ist die modernisierte Entsprechung von kufr = Unglaube, Blasphemie. Die Westler haben inzwischen gelernt, das Wort auf sich selbst anzuwenden und spüren die darin enthaltene Verachtung nicht. Hier haben islamische Interessenverbände einen grandiosen propagandistischen Sieg errungen. Der Begriff suggeriert krankhaftes Verhalten. Eine Phobie ist ein psychiatrischer Befund. Es handelt sich um eine schwer beherrschbare Angststörung, die professionelle Hilfe erfordert. Ein Islamkritiker gehörte demnach in eine psychiatrische Klinik. Die Brandmarkung durch Sprache ist eine gute Voraussetzung für weitergehende Maßnahmen.

“Islamophobie” – ein Propagandasieg der Islam-Verbände

Es gibt Gründe, den Islam zu fürchten, und nicht nur die Angehörigen der journalistischen Zunft wissen dies genau. Indem sie diese vernünftige und begründete Furcht verleugnen, belügen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Öffentlichkeit. Sie verteilen verbale Schlafmittel, wo Wachheit erforderlich wäre, verbreiten falsche Sicherheit und vernebeln die Diskussionskultur. Islamkritiker sind keine Phobiker, die für rationale Überlegungen nicht erreichbar sind. Sie haben im Gegenteil vernünftige Gründe für ihre Haltung. Die Drohung „Tod den Ungläubigen“ ist keine theoretische, wie nun wohl jeder sehen kann. Sie ist nicht symbolisch, nicht metaphorisch und nicht allegorisch, sondern real.

Die Scharia ist ein real bestehendes Rechtssystem in islamischen Staaten. Wer nicht unter der Herrschaft dieses Systems leben möchte, verteidigt Vernunft und Ethik. Die Steinigung von Ehebrecherinnen – leider keine Wahnvorstellung, sondern reale Praxis – ist genauso wie andere Körperstrafen abzulehnen. Sich im Westen gegen die Todesstrafe auszusprechen, gilt als ehrenwert, aber sich gegen die Scharia zu wenden, soll verrückt sein?

Das Wort Islamophobie ist auch erfunden worden, um Kritik an der Freiheitsfeindlichkeit des Islams zuvorzukommen. Die freiheitsbedrohende Seite des Islams bedeutet: Keine Religionsfreiheit, keine Meinungsfreiheit, keine Wissenschafts- und Kunstfreiheit, eingeschränkte Rechte oder Tod für Andersgläubige und eingeschränkte Rechte für Frauen. Wer diese Freiheitsbedrohungen thematisiert, den Islam also kritisiert, verteidigt die Grundrechte. Die Islamapologeten nennen dagegen eine reaktionäre Religion progressiv, halten den Widerstand dieser Religion gegen die Emanzipation für noch emanzipatorischer und behaupten letztlich, dass Gegenaufklärung aufklärerischer ist als die Aufklärung. Sie erweisen der Zensur Respekt und finden nichts dabei, im Namen des Islams kritischen Geistern den Mund zu verbieten und dabei auch muslimischen Dissidenten in den Rücken zu fallen. Anscheinend wissen sie nicht, was sie tun: Sie verraten Demokratie und Menschenrechte. Sie hätscheln eine Ideologie der Apartheid. Sie suspendieren Selbstbestimmung und Mündigkeit zugunsten eines Prinzips der Unterwerfung.

Worauf man sich im Westen beim Phänomen Islamismus bisher immer verständigen konnte, auch wenn man es nicht verstand, ist, dass er nach Macht strebt. Diese Erkenntnis löste mitunter einen Aha-Effekt aus, man meinte ein „Heureka“ zu hören. Mit Macht ist man vertraut, das Terrain ist wieder sicher. Islamisten streben also nach Macht wie jede westliche politische Fraktion. Hier besteht eine Gemeinsamkeit, die gefunden zu haben, Zufriedenheit bewirkt. Wenn sie sich nun noch an die Spielregeln halten, und die Macht qua Wahlen erringen, ist alles Rechtens und nicht zu beanstanden.

Die große Illusion des Westens besteht darin, dass Politik immer ein Wechselspiel von Demokraten verschiedener Schattierung bleiben wird. Rechts, Mitte, links, alle sind demokratischen Regeln verpflichtet. Aber: Was tun Islamisten mit der Macht? Hat das politische Gebilde, dessen Errichtung sie verfolgen, irgendetwas mit Demokratie zu tun? Selbstverständlich nicht. Koran und Sunna kennen keine freien Bürger. Auch dem einzigen Nutznießer des Systems, dem männlichen Muslim, wird keine Selbstbestimmung zugebilligt. Er ist nicht autonom, sondern theonom.

Wer zu sehr an die menschliche Vernunft glaubt, ist gegenüber den radikal entschlossenen Islamisten im Nachteil. Ein politreligiöses System bringt sich unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit in Stellung gegen eine religiösen Auseinandersetzungen entwöhnten, deshalb irritierten und seltsam hilflosen Gesellschaft. Es ist doch nur Religion, nicht wahr? Das kann doch nicht wirklich gefährlich sein? Jeder nach seiner Fasson… Islamisten wissen, was sie wollen. Die Säkularisten und die religiös Toleranten wissen es nicht mehr so recht und haben das Problem immer noch nicht fokussiert. Ein grundlegender Fehler war, dass im Westen der Islamismus als legitimer Ausdruck des Volkswillens betrachtet und er so aufgewertet und respektiert wurde. Militante Islamisten bekamen in Europa und in Deutschland Asyl, ein Akt der falsch verstandenen Toleranz. Extremisten können sich noch auf „Religion“ berufen, wenn sie schon längst zum Kampf gegen den Westen entschlossen sind. Islamisten kennen kein Fair Play.

Mit Vernunft ist gegen Islamisten nichts auszurichten

Der Islam benötigt keine Mehrheit, um zu herrschen. Er achtet das Gesetz der Mehrheit nicht. Es genügt, wenn die Mehrheit wegsieht und sich duckt. In den meisten Epochen der Geschichte hat es Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit gegeben. Herrschaftsmittel war die unmittelbare, rohe Gewalt, das Recht des Stärkeren.

Entscheidend für den Fortgang der Geschichte ist die Haltung, die dazu eingenommen wird. Die Stärke des imperialen Islams hängt von der Stärke seiner Gegner ab. Bei zunehmender Schwäche der westlichen Welt wird es zu einer zunehmenden Radikalisierung der Muslime kommen. Fanatische Verfechter einer Ideologie hassen Schwäche und fühlen sich berufen, sie auszumerzen.

Islamisten behaupten, mit ihrem einfachen Verstand Gott und seinen Willen erkennen zu können. Dabei haben sie nichts außer der Scharia, verbunden mit Hochmut, Brutalität und Freude am Töten und an der Unterjochung. Damit putschen sie sich zur Selbstermächtigung im Namen Allahs. Hier geht es nicht um ein besseres Leben, um Glück oder Schaffensfreude. Islamisten machen keine Politik für Menschen, sondern für Allah. Ihrer endgültigen triumphalen Zukunft geht der Tod voraus. Die Islamisten lieben ihn.

Am Ende bleibt der expansive Islam sieglos

Der expansive Islam wird seine Versprechen nicht einlösen können. Er ist eine Illusion. Er wird am Hass zugrunde gehen und sogar seine eigenen Leute verheeren. Aber auch, wenn er am Ende sieglos bleibt, ist er gefährlich. Apokalypse bezieht auch den eigenen Untergang mit ein. Etliche Länder sind bereits verwüstet. Im apokalyptischen Islam sind Terror gegen den Feind und grausame Bestrafungen wie Kreuzigung und Enthauptung Pflicht, weil sie den Gang der Entwicklung zur Endzeit beschleunigen.

Wie ein gewalttätiger Ehemann zieht der aggressive Islam seine psychische Bedeutung daraus, dass Staaten und Gesellschaften vor ihm zittern wie eine tyrannisierte Frau. Dschihadismus spielt vor Publikum. Ohne Publikum wäre er nichts. Der Islam hat durch Zerstörung mehr Aufmerksamkeit bekommen als in den Jahrhunderten der friedlichen Unauffälligkeit. Vielleicht ist es deshalb so schwierig für Muslime, diese Zerstörungskraft zu verurteilen. Danach käme wieder die Bedeutungslosigkeit. Muslime können aber gefragt werden, ob sie weiterhin ihren Glauben in der Rolle des Steigbügelhalters einer Gewaltherrschaft belassen wollen.

Der Umstand, dass Menschen im Namen des Islams ihre ureigenen Gewaltphantasien ausleben, bedeutet nicht, dass der Islam damit nichts zu tun hätte. Ihr Handeln entstellt den Islam eher bis zur Kenntlichkeit. Auch der Mohammed der Tradition gebrauchte Gewalt und hielt Sklavinnen.

So entspringt die von Barack Obama ausgegebene Sprachregelung, den Islamischen Staat den „sogenannten“ zu nennen, sicherlich ehrenwerten Motiven. Es ist aber prekär, das Tun und Verhalten von Muslimen als „nicht islamisch“ zu beurteilen, vor allem, wenn diese Beurteilung von Nichtmuslimen kommt. Innerhalb der muslimischen Gemeinde ist man auch schneller als früher bei der Hand, anderen Muslimen das Muslimsein abzusprechen; gerade Islamisten wenden dieses Mittel an, man nennt es takfîr = Exkommunikation. Islamisten haben dabei vor allem moderate Muslime im Visier. Den IS als unislamisch zu bezeichnen, geht in die entgegengesetzte Richtung. Aber, wie Graeme Wood in seinem Artikel What ISIS Really Wants in The Atlantic vom März vergangenen Jahres schreibt, begibt sich Obama damit ebenfalls in takfîr-Gewässer. Die Ironie sei dabei, dass er dies als nichtmuslimischer Sohn eines Muslims, der deswegen von Muslimen als Apostat angesehen werden könnte, tut. Was Dschihadisten von takfîr durch Nicht-Muslime halten, verdeutlicht Wood, indem er einen Tweet zitiert: „Als ob ein Schwein, bedeckt von Fäkalien, anderen Hygieneunterricht gibt.“ (Übersetzung BK)

Islamkritik in jeder Form ist eben meistens unerwünscht. Vielleicht sind sich die Beschützer des Islams gegen den Extremismus aber auch gar nicht darüber im Klaren, dass sie implizit Kritik üben? Versehentlich?

Gastautorin Barbara Köster hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert.

Zum Themenkreis Islam erschienen auf Tichys Einblick unter anderem die auf der nächsten Seite aufgeführten Beiträge:

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Kommentare {42}

  1. Vielleicht sollten wir auch aufhören, uns ständig am Islam abzuarbeiten. Mit “wir” meine ich nicht-muslimische Deutsche, Europäer. Der Islam, gut oder schlecht, ist wie er ist. Wir können, wir werden ihn nicht ändern.

    Was wir aber können, ist, uns vor ihm zu schützen. So wie vor einer ansteckenden Erkrankung. Wir werden Grippeviren nicht dazu umerziehen können, daß sie nur noch Gartenunkraut befallen, uns aber nicht. Wir werden Haifische nicht zu veganen Streicheltierchen machen können.

    Wir können uns vor ihnen schützen, indem wir sie von uns fernhalten. Und genau das müssen wir mit dem Islam tun. Es war ein historischer und fataler Jahrhundertfehler, eine Einwanderung dieser Religion nach Europa zuzulassen. Wir hätten nur nach Spanien schauen müssen, sehen, welche Mühe es in der Reconquista damals gekostet hat, sie dort wieder loszuwerden, ob sie nun in Granada und Cordoba Prachtmoscheen errichtet haben oder nicht und den Spaniern das kochen beigebracht haben – am Ende wollten, mußten sie sie wieder loswerden.

    Wenn wir als Kultur nicht untergehen wollen, kommen wir nicht darum herum. Wir werden sie aus Europa wieder vertreiben müssen, man kann auch nettere Worte dafür finden, aber genau dieser Korrektsprech wäre respektlos gegenüber den Muslimen, und nicht die Erkenntnis, das sie und wir nicht zusammen passen. Wir haben am Ende nur die Wahl, ob es häßlich werden wird oder sehr häßlich. Mag man das jetzt für rassistisch halten. Mir gefällt diese Aussicht auch nicht. Aber um es nett und pflegeleicht zu bekommen, ist es längst zu spät.

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