Finanzsystem: Pest oder Cholera?

Was tun mit den Schulden der Welt? Nach der weltweiten Rekordverschuldung von Staaten und Privaten, im nächsten Schritt der dynamischen Geldmengenausweitung stellt sich unweigerlich die Frage nach der Stabilisierung - oder Crash.

SchaefflersFreisinn

Die Welt steht vor einem Dilemma: Noch nie gab es so viele Schulden. 200 Billionen US-Dollar haben Staaten und Individuen aktuell angehäuft. Das sind 258 Prozent der jährlichen weltweiten Wirtschaftsleistung. Allein in den vergangenen 7 Jahren seit der letzten großen Finanzkrise 2007/08 stieg die Verschuldung um 60 Billionen US-Dollar, also um über 40 Prozent.

Die Schulden der Welt

Länder wie die Niederlande und Irland sind mit ihren Banken, Unternehmen und privaten Haushalten sogar mit über 600 Prozent ihres BIP verschuldet – noch vor Japan, Spanien oder China. Selbst wenn man nur die staatliche Verschuldung betrachtet und die Verschuldung von Unternehmen, Banken und privaten Haushalten außen vor lässt, würde die Gesamtheit aller Staaten auf dieser Welt das Maastricht-Verschuldungskriterium von 60 Prozent locker reißen. Denn allein die Staaten stehen mit über 75 Prozent zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt in der Kreide. Wie es weiter geht und wie lange so etwas gut geht, kann niemand sagen. Es ist ein einmaliges und nie dagewesenes weltweites Experiment. Schon deshalb sind Prognosen schwierig. Dennoch kann man versuchen, verschiedene Szenarien zu untersuchen, die so oder in Kombination möglich sind.

Ausstieg – aber wie?

Erstens: Die Notenbanken werden die Schulden monetarisieren. Die Verschuldung wird dauerhaft durch die Schaffung von Zentralbankgeld finanziert, der bisherige Kurs mithin fortgesetzt. Die langfristigen Zinsen werden künstlich gedrückt und niedrig gehalten. Dies geschieht durch den Ankauf von Staatsanleihen durch die eigene Notenbank. Die EZB macht es so, die Japaner machen es so, die Engländer machen es so und die amerikanische Fed hat es so gemacht. Die EZB will bis September 2016 für 1,14 Billionen Euro Staatsanleihen erwerben. Die amerikanische Fed hat bis September 2014 rund 19 Prozent aller Staatsanleihen für 2,5 Billionen Dollar aufgekauft, die Bank of Japan 24 Prozent für 1,7 Billionen Dollar und die Bank of England sogar 25 Prozent für 568 Milliarden Dollar. Trotz partieller Unterschiede im Zeitpunkt, Umfang und bei den konkreten Instrumenten, gehen alle den gleichen Weg. Es ist der Weg des Gelddruckens, damit die wachsende Schuldenlast finanziert werden kann. Zinspapiere werden daher auf absehbarer Zeit faktisch keine Zinsen mehr abwerfen. Die Altersvorsorgesysteme, die in Zinspapiere investieren, werden unweigerlich existentielle Probleme bekommen. Zweitens: Die Last der Verschuldung wird innerhalb eines Landes, eines Währungsraums und weltweit umverteilt. Auf nationaler Ebene werden Vermögensbesitzer stärker zur Finanzierung des Schuldenberges des Staates, aber auch der Banken herangezogen. Im Immobiliensektor bekommen wir einen ersten Vorgeschmack: Bei der Grundsteuer sind in vielen Kommunen Hebesätze von 1000 und mehr Punkten keine Seltenheit mehr. Als die Festlegung der Grunderwerbsteuerhöhe im Zuge der Föderalismusreform 2006 auf die Länder übertragen wurde, konnte man noch die Hoffnung haben, der Wettbewerb werde einen Druck zur Steuersenkung auslösen. Das Gegenteil ist seitdem der Fall. Von ursprünglich 3,5 Prozent stieg die Grunderwerbsteuer in vielen Ländern inzwischen auf 6,5 Prozent. Die mobilen Vermögenswerte sind schwieriger für den Fiskus zu erfassen.

Die Kontrolle des Bargelds

Der besseren Kontrolle dient das schleichende Zurückdrängen des Bargeldes. Doch die Abschöpfung der mobilen Vermögensgüter wird sehr wahrscheinlich bald auf europäischer Ebene durchgeführt werden. Die Finanztransaktionsteuer ist wegen ihres hohen Aufwands derzeit nicht mehr im Gespräch. Im Hintergrund wird jedoch an ihrer Realisierung auf europäischer Ebene fleißig weitergearbeitet.   Und die Bewältigung der Staatsschuldenkrise geschieht mit einer Umverteilung der relativ gesehen reicheren Staaten zugunsten der relativ gesehen ärmeren Staaten. Was auf nationaler und europäischer Ebene bereits vollzogen wird, geschieht letztlich auch weltweit. Die USA hat sich die hausgemachte Finanzkrise 2007/08 durch die übrige Welt bezahlen lassen. Durch den Ankauf der eigenen Staatsverschuldung durch die US-Notenbank hat sie die eigene Währung gegenüber anderen Währung quantitativ gelockert. Für die Halter von Dollar-Reserven, insbesondere China, führte dies zwangsläufig zu einem Vermögensverlust. Es ist letztlich eine kalte Besteuerung der USA für die Waren, die chinesische Unternehmen in die USA geliefert haben und die in Dollar bezahlt wurden. Gegen diese rückwirkend aufgebürdete Last kann China sich nicht direkt wehren, sondern nur dadurch, dass sie das Gleiche machen wie die Amerikaner. Sie schaffen ebenfalls mehr Geld aus dem Nichts. Insgesamt findet ein Abwertungswettbewerb aller großen Währungen statt, der künftig an Dynamik gewinnen wird.

Sparen? Das bitte nicht

Das dritte Szenario ist: Sparen. Es ist das unwahrscheinlichste aller Szenarien. Der Grund ist: Schulden, die ein Staat, eine Bank, ein Unternehmen oder eine Einzelperson aufnehmen, sind letztlich Geld aus dem Nichts, das die Banken durch Kreditvergabe aus dem Nichts produziert haben. Diesen Krediten steht keine adäquate Sparleistung der privaten Haushalte, der Unternehmen oder des Staates gegenüber. Dieses Geld dient dazu, entweder den Konsumbedarf des Staates oder der privaten Haushalte zu bedienen oder Investitionen des Staates oder von Unternehmen zu finanzieren. Im Bankensektor kann es sogar dazu benutzt werden, lediglich Versprechen zwischen Banken zu finanzieren. Der erhöhte Konsumbedarf der privaten Haushalte regt Investitionen auf Unternehmensseite in diesem Sektor an. Zusätzlich lassen die künstlich niedrige Zinsen Investitionsentscheidungen plötzlich rentierlich erscheinen und die Nachfrage nach Vermögensgütern ansteigen. All das schafft eine erhöhte Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. Der Bedarf wird so lange als solcher bestehen, bis Investitionen trotz des niedrigen Zinses als nicht mehr rentierlich angesehen werden und die Investoren sich auf breiter Front zurückziehen. Das ist dann der Beginn der Korrektur und des Crash. Die Investoren glauben nicht mehr an den geplanten Vermögenszuwachs oder sie können die Investitionen nicht mehr zu Ende finanzieren. Die Nachfrage bricht deshalb ein, weil es flächendeckend zu einem Rückzug von Investoren kommt, was mit Insolvenzen und steigender Arbeitslosigkeit einhergeht. Es platzt die Vermögens- und Wohlstandsillusion, die nur unter einer stetig steigenden Kredit- und damit Geldexpansion funktioniert. Das ist ein Umstand, den der Ökonom Ludwig von Mises in seinem Buch „Human Action“ wie folgt charakterisiert hat: „Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.“ Oder um in die Medizin zu wechseln: Es ist die Wahl zwischen Cholera und Pest. Die Pest ist tödlich, die Cholera kann man überleben. schaufenster_1

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Kommentare {10}

  1. Das bedeutet für den Normalsterblichen: Aktien bis zum Crack up Boom(auch eine “österreichische Idee” )und dann in absolut krisensichere Aktien die der menschlichen Grundbedürfnisproduktion dienen und in Gold investieren,oder?

  2. Herr Schäffler, ich bin verwirrt, und das werden Sie auch gleich sein.

    Ich sag ja immer, hinter jeden neuen “Wahrheit” lauert der Irtum.

    Es geht um die Buchgeldschöpfung durch Ankauf von Aktiva!

    http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Wicksellsche_Idealbank

    Link Bundesbank:

    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQ_Listen/faq_zum_thema_geldschoepfung.html?docId=175754#175754

    Beispiel: Wenn ich als Unternehmer einen Konkurrenten, eine AG, per Aktienkauf übernehmen will aber nicht über das nötige Kleingeld verfüge, muss ich zur Bank gehen, und einen Kredit dafür beantragen. Wenn eine Bank, eine AG (Konkurrierende Bank) oder sonstige gewinnbringende Sachanlagen aufkaufen will, erschafft sich die Bank das dafür notwendige Kleingeld, per Knopfdruck aus dem Nichts.

    Ein Kreditnehmer muss den Kredit nach Laufzeitende zurückzahlen oder Verlängern, und während der Laufzeit Zinszahlungen leisten. Die Bank hat für den selben Vorgang keine Zinszahlungen zu leisten, und kann diese Buchgeldschöpfung, auf ewig in den Büchern halten? Diese Frage konnte ich nicht klären, aber anscheinend ist es möglich, das “Ewig” in den Büchern halten!

    Gewinnbringende Sachwerte = positive Wertentwicklung.
    Inflationsrate Geld = negative Wertentwicklung.

    Was hindert eine Bank daran, sich auf dieser Weise, gewinnbringende Sachwerte anzueignen, und dies faktisch ohne Risiko. Wobei dies auch nicht im Inland erfolgen muss. Ich hab nix gefunden. – Doch was gefunden – unter 91:

    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Service/Schule_und_Bildung/geld_und_geldpolitik_kapitel_4.pdf?__blob=publicationFile

    Damit ist der Weg für die Banken frei, als direkte Konkurrenz gegenüber anderen Investoren zu agieren, mit Geldschöpfung aus eigener Hand!

    Der Eigenhandel der Banken ist davon nicht betroffen:

    http://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Merkblatt/mb_110322_eigenhandel_eigengeschaeft_neu.html

    Mir war bis heute nur klar, das die Geldschöpfung allein aus einer Kreditvergabe erfolgt. Ich habe mich geirrt!

    Die möglichen negativen Auswirkungen auf alle übrigen Marktteilnehmer durch den Geldschöpfungsprozess der Banken, sind noch größer als ich es mir Vorgestellt habe. Oder habe ich etwas übersehen?

    Mit freundlichen Grüßen, Reinhard Peda

  3. Cholera überlebt man nicht, wenn nicht früh Medikamente helfen können. Daran wird es fehlen.

  4. Sehr geehrter Herr Schäffler,

    die erwartbare Finanzkraft wird hoffentlich zum Systemzusammenbruch führen.
    Vielleicht kann sich das Volk dann gegen den Einfall des schwarzen Kontinents zur Wehr setzen.
    Ansonsten wird Deutschland wesentlich mehr verlieren als nur sein Geld.

  5. Brillant
    Auf diese sehr nüchterne Analyse habe ich gewartet.
    Toll – DANKE

  6. Oder man schafft neue Investitionsnotwendigkeiten, in dem man die Infrastruktur eines reichen Landes zerstört(durch Krieg) oder absichtlich herunterwirtschaftet, wie in dem man den Straßenbelag nicht rechtzeitig erneuert. Oder in dem man Regularien schafft, die gut funktionierendes ersetzen lässt, wie durch das EEG oder die Dämmvorgaben, wo sich Millionen Häuser in Schimmelkisten verwandeln. Oder Millionen arme Zuwanderer ins Land lässt, also extra Märkte/Absatzmöglichkeiten aus dem Nichts schafft.
    Auch dies sind Szenarios und die erleben wir in Europa.
    Was wir zudem erleben werden, ist ein Stagnieren der Wirtschaft, den Kollaps einiger Finanzsysteme von Staaten und die Verarmung breiter Schichten in derzeitig wohlhabenden Ländern, wie Deutschland, weil durch die Umverteilung der Mittelstand verschwindet und künftig heftigen Streit um das Verbliebene, der auch gewalttätig ausgetragen wird.
    Ich betone immer wieder, man sollte die Grünen und die 68iger Ideologen aus den Stadträten und aus den Parlamenten wählen, am Wochenende ist wieder Gelegenheit. Diese Menschen sind die größten Verschwender und Zerstörer, sie halten sich dazu oft nicht einmal an geltendes Recht und Gesetz bzw. schaffen es sich nach ihrem Wunsch.

  7. Sehr geehrter Herr Schäffler, fast alles richtig in Ihrem Artikel.

    Ein Link:

    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Service/schule_und_bildung_kapitel_1.html?notFirst=true&docId=153016

    Geldkreislauf und Güterkreislauf, was nicht erwähnt wird sind die Veränderungen bei den Besitzverhältnissen im Wirtschaftskreislauf. Ansonsten hätte ja auch keiner was zum Vererben.

    Nächster Link:

    http://georgtsapereaude.blogspot.de/2015/04/griechenland-co-und-andere-probleme.html

    Relevant im Zusammenhang mit Erben ist einmal der Sättigungsgrad, und dann weiter in der Mitte, vom Reichtum mit der Geschichte von Albert.

    In der Wirtschaft gibt es Geldvermögen und Sach- beziehungsweise Produktionsvermögen. Geld kann für persönliche Bedürfnissbefriedigung ausgegeben werden, oder auch um sich Sachwerte anzuschaffen die mehr Geld einbringen sollen.

    Weiter gehts in meinem Kommentar 292:

    http://www.spiegel.de/forum/wirtschaft/vermoegensverteilung-deutschland-ist-gespalten-superreiche-und-den-rest-thread-349056-30.html#postbit_34189870

    Es geht nicht um eine Neiddebatte, wenigstens nicht von meiner Seite aus. Aber ohne Erbschaftsteuer samt Geldschöpfung von Staaten wird der Wirtschaftskreislauf zwangsläufig Kollabieren!
    ——————————–
    Hier noch ein Link auf den ich eingehen werde:

    http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/zentralbanken-wie-lange-kann-das-ponzi-spiel-noch-gutgehen/12280240-all.html

    Viele Unternehmen, welche nicht zu den Gewinnern im Konkurrenzkampf, jeder gegen jeden gehören, haben durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken ihre teureren Kredite durch billigere Kredite ersetzt, und möglicherweise auch die Kreditsumme insgesamt ausweiten können. Steigende Zinsen oberhalb kosmetischer Erhöhungen werden viele Unternehmen aus dem Markt drängen. Unternehmen weg – Arbeitsplätze weg – Kaufkraft weg = erneute Bankenrettung?

    Da können Zentralbanken noch so viel Schuldpapiere aufkaufen, bei Massenkaufkraft und von da zu den Unternehmen, wird davon kaum etwas ankommen!

    Noch halte ich es für Reparabel, viel Zeit bleibt nicht mehr.

    Mit freundlichen Grüßen, Reinhard Peda

  8. Schäffler mal wieder. Superschlaues Rebellen-Pathos. Leider wie fast immer: Nicht konsequent zu Ende gedacht.

    Die Kreditexpansion kommt also aus dem Nichts. Wow, was für eine Aussage. Da gibt es also jemand, der druckt Geld. Und zwar heimlich, weil man nicht weiß, wer das ist. Dunkle und finstere Gestalten also. Dieser jemand handelt in hohem Maße verwerflich, weil er das Kapital für die Kredite nicht “ehrlich” wie die fleißige “schwäbische Hausfrau” im Schweiße ihres Angesichts erarbeitet und abgespart hat, sondern durch Druck auf den Startknopf einer Druckmaschine aus dem “Nichts” erzeugt. Wie bodenlos dumm und gleichzeitig brandgefährlich demagogisch diese Aussage ist, lässt sich leicht erklären.

    Alle Volkswirtschaften dieser Welt benötigen zum reibungslosen Ablauf ihrer wirtschaftlichen Prozesse Geld. Für jede einzelne Volkswirtschaft gibt es eine bestimmte Menge Geld, die zu diesem Behufe von den Notenbanken überwacht und gegebenenfalls angepasst wird. Importiert nun eine Volkswirtschaft, verringert sich diese Geldmenge durch die an andere Volkswirtschaften geleisteten Zahlungen für empfangene Waren und Dienstleistungen. Exportiert sie, vergrößert sie sich durch die Einnahmen, die als Zahlungen für die gelieferten Waren und Dienstleistungen geleistet wurden. Exportiert eine Volkswirtschaft in Geld gemessen genauso viel wie sie importiert, bleibt die auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmte Geldmenge gleich, was unter normalen Umständen einen störungsfreien Wirtschaftsbetrieb garantiert.

    Erzielt nun ein Land Überschüsse, weil es mehr exportiert als importiert, kommt das in Gang, was Schäffler als “Schöpfen aus dem Nichts” bezeichnet. Wie sich bereits aus der Bezeichnung ergibt, werden diese “Überschüsse” an Geld in der Volkswirtschaft des exportierenden Landes nicht zur Abwicklung der internen Wirtschaftsprozesse gebraucht. Ganz im Gegensatz zum Importüberschuss-Land, dessen Geldmenge sich verringert mit der Folge, dass eine zunehmende Belastung und Behinderung der eigenen Wirtschaft entsteht.

    Nun dürfte nicht ganz auszuschließen sein, dass das eine oder andere Land die Druckpresse anwirft um so seine Geldmenge auf das volkswirtschaftlich erforderliche Niveau zu bringen. Damit wird dann zwar Geld geschöpft. Aber eben nicht aus dem “Nichts”, sondern zum Ausgleich der durch Dritte erzielten Exportüberschüsse. Bevor dieses Land aber Geld druckt, hat jedes Importüberschuss-Land eine einfachere Möglichkeit seine Geldmenge zu justieren. Es leiht sich vom Exportüberschuss-Land dessen durch Exportüberschüsse entstandene, zu sonst nichts verwendbare Geldmenge. Das ist dann das “Nichts”, aus dem Schäffler seine “Kredite schöpft”.

    Mit anderen Worten: Die Kapitalmasse aller in dieser Welt erzeugten Exportüberschüsse hat die Kapitalmärkte geflutet und es möglich gemacht, dass, angenommen die Zahl stimmt, 200 Billionen US$ Schulden entstanden sind. Diese Schulden hätten ohne diesen Vorgang nie entstehen können.

    Bleibt nur noch eine Erklärung für die Zahl von 200 Billionen zu finden. In der Reihenfolge ihrer Überschüsse in 2014 erzeugten folgende acht Länder die höchsten Exportüberschüsse: Saudi-Arabien, Deutschland, Russland, China, Katar, Vereinigte Emirate, Kuweit und Iran. Zu berücksichtigen sind die kumulierten Exportüberschüsse. Für Deutschland belaufen sie sich seit 1991 auf ca. 3 Billionen. Während Deutschland erst mit Einführung des EURO ab 2001 unter diese ersten acht Überschussländer aufgerückt ist, sind die anderen Länder aufgrund ihrer Rohstoffressourcen schon sehr viel länger dabei Exportüberschüsse in signifikanter Höhe zu erwirtschaften. Die Zahl von 200 Billionen lässt sich so vielleicht nicht ganz, aber zum größten Teil erklären.

    Wie üblich sagt Schäffler mal wieder nichts, was nicht großes Beifallklatschen auslöst. Er ist halt ein Rebell, der dem Volk aufs Maul schaut. Ein weiteres Mal hat er bewiesen, dass ihn Tatsachen und Wahrheiten nicht sonderlich interessieren. Aus meiner bescheidenen Sicht lässt das nicht darauf schließen, dass hier ein ernst zunehmender Mensch danach strebt in ein mit großer Verantwortung und Macht verbundenes Amt gewählt zu werden. Vielmehr scheint es sich hier um ein Exemplar der heute leider sehr weit verbreiteten Gattung der Populisten zu handeln.

    1. Herr Becker , mal ein absolut Vertrauenswürdiger Link zur Geldschöpfung:

      https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQ_Listen/faq_zum_thema_geldschoepfung.html?docId=322134

      Mfg Reinhard Peda

      1. Herr Peda, alles schön und gut. Was auch immer die Gründe sind, es ist mir schleierhaft, warum man auf eine logische Argumentation nicht eingehen kann. Bei mir klingeln da immer die Ideologie-Alarmglocken ganz schrill.

        Genau genommen (was eine globale Betrachtung erzwingt) haben wir es mit einem simplen Problem der makroökonomischen Buchhaltung zu tun. Alle Volkswirtschaften dieser Erde arbeiten mit einer Standard-Geldmenge. Das ist die Menge an Geld die sie brauchen um ihre Binnenwirtschaft reibungslos abwickeln zu können.

        Exportüberschüsse vermehren diese Geldmenge im Überschussland und vermindern diese Geldmenge im Defizitland. Das Überschussland braucht diese Geldmenge nicht um seine Binnenwirtschaft am Laufen zu halten. Das Defizitland gerät zunehmend in Schwierigkeiten weil seine Standard-Geldmenge immer weniger wird und gleicht diesen Mangel aus. Durch Kredite vom Überschussland oder, eher selten, durch die Druckpresse.

        Werden die Überschüsse nicht ausgeglichen sind die Folgen fatal. Die Defizitländer werden zu Pseudo-Schuldnern, weil sie sich nicht dagegen wehren zu können. Die Überschussländer werden zu Pseudo-Gläubigern, weil sie ihre Forderungen nicht beitreiben können.

        Das eigentliche Problem wird offenkundig, wenn das Gläubigerland die Rückzahlung der Schulden verlangt. Weil der Schuldner mit dem geliehenen Geld seine Standard-Geldmenge auf Soll-Niveau gehalten hat, kann er nur zurückzahlen, wenn er seine Aktiva versilbert. Das ist sein Territorium, das was drauf gebaut wurde und das sind seine Menschen. Weil das aber faktisch unmöglich ist, bleibt nur die Besetzung des Schuldnerlandes durch die Armee des Gläubigerlandes oder, und das ist heute die einzig mögliche Alternative, die Deutschland hat: Die Abschreibung per Schuldenerlass.

        Im Klartext: Gleicht Deutschland nicht in einer überschaubaren Zeit seine Exportüberschüsse in Höhe von ca 3 Billionen US$ (durch Importe) aus, wird es sie abschreiben müssen. Auf genau dieses Ergebnis zielt die Politik Schäubles. Wenn dieser Punkt erreicht ist, wird Deutschland die Eurozone ruiniert, seine eigene Wirtschaft zerstört, die gesamte Weltwirtschaft in eine Krise bisher nie dagewesenen Ausmaßes gestürzt und einen Rückfall der ganzen Welt in längst überwunden geglaubten Nationalismus zu verantworten haben.

        Das ist stark vereinfacht die Logik, die hinter den Target-Salden des Prof. Sinn versteckt ist.

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