Bitcoin machen Bürokratie überflüssig

Der Kurs von Bitcoins steigt. Dahinter steckt eine Technologie, die auch andere korrupte staatlichen Handlungsfelder überflüssig macht.

SchaefflersFreisinn

Von vielen wird die digitale Währung Bitcoin nicht ernst genommen. Für die einen ist sie ein gigantisches Schneeballsystem, das irgendwann in sich zusammenbrechen wird. Für die anderen sind Bitcoins so etwas wie eine geheime Erfindung des Chaos Computer Clubs, bei der irgendwelche langhaarigen Nerds sich einen Spaß daraus machen, eine Pizza damit zu bezahlen. Beides ist Bitcoin nicht: weder ist es ein Schneeballsystem, noch eine Erfindung des Chaos Computer Clubs.

Unter Ökonomen galt die private Währung als eine Schnapsidee. Nur staatliches Geld sei gutes Geld. Die Idee, staatliche und private Währungen im Wettbewerb miteinander konkurrieren zu lassen, stammt vom Ökonomienobelpreisträger Friedrich August von Hayek. Hayek vertrat die Auffassung, dass die Geldpolitik der Notenbanken und das staatliche Geldmonopol ursächlich für die immer wiederkehrenden Finanzkrisen verantwortlich seien. Diese Krisen ließen sich nur durch die Zulassung privater Währungen verhindern. In einer Wettbewerbssituation würde sich gutes, also privates Geld, durchsetzen und damit auch das staatliche Geld disziplinieren. Denn kein Mensch würde freiwillig schlechtes Geld halten wollen, wenn er es jeder Zeit in gutes Geld umtauschen könnte. Doch selbst bekennenden Anhängern der Marktwirtschaft ist das zu viel des Guten.

Für die Kritiker ist auch die junge Entwicklungsgeschichte der Cyber-Währung ein Beleg für die mangelnde Tauglichkeit. 2013 betrug der Bitcoin-Kurs fast 900 Euro. Anschließend schmierte er auf 200 Euro ab. Der Hype war vorbei. Seitdem herrscht Ruhe im Blätterwald. Lediglich Betrugsfälle, wie der der japanischen Bitcoin-Börse Mt. Gox im Februar 2014 machte nochmals richtig Schlagzeilen. Neuigkeiten über die private Währung findet man seitdem nur noch in Blogs oder kleinen Zeitungsmeldungen. Seit Oktober bekommt die Cyber-Währung jedoch wieder neuen Schwung und erreichte in dieser Woche einen Kurs von fast 400 Euro.

Es gibt viele Spekulationen um den erneuten Aufschwung. Sehr wahrscheinlich ist, dass eine größere Rechtssicherheit die schnellere Verbreitung fördert und daher auch den Kurs beeinflusst. Bitcoins sind zwar unreguliert, dennoch treffen sie, sobald sie an Börsen gehandelt oder damit spekuliert wird, auf diverse rechtliche Problemstellungen. Wie ist die steuerliche Situation? Und wie werden die Handelsplätze reguliert? In Deutschland sind Kursgewinne von Bitcoins nach einem Jahr steuerfrei. Seit wenigen Tagen ist nach einem Urteil des EuGH auch klar, dass der gewerbliche Verkauf von Bitcoin nicht der Umsatzsteuer unterliegt. Das hat dem Kurs sicherlich nicht geschadet. Lange Zeit war unterstellt worden, dass auf dem wichtigen chinesischen Markt Bitcoins verboten oder zumindest von der dortigen Regierung diskriminiert werden. Jetzt gibt es erste Stimmen der Entwarnung, was auch den Kurs beflügeln könnte. Und wahrscheinlich ist auch die Prognose, dass voraussichtlich am 25.07.2016 das Schürfen neuer Bitcoins um die Hälfte reduziert wird, für Anleger ein Anreiz jetzt zuzuschlagen. Denn die maximale Anzahl von Bitcoins ist auf 21 Millionen beschränkt.

Doch neben der Vereinfachung des Zahlungsverkehrs und der Spekulation auf Kursgewinne ist die eigentliche Faszination vieler Marktteilnehmer die dahinterliegende Technologie. Dieses als Blockchain-Technologie bezeichnetes Verschlüsselungssystem ist eben nicht nur zum Kauf einer Pizza geeignet, sondern eröffnet in der Zukunft vielfältige Möglichkeiten, um Prozesse, Verträge, Eigentumsverhältnisse und vieles andere mehr rechtssicher abzuwickeln und zu dokumentieren. Dafür bedarf es keiner Behörde oder staatlicher Aufsicht, sondern die Transaktion wird in einem öffentlichen Protokoll im Internet abgelegt, das von vielen kontrolliert werden kann.

Faszinierende Möglichkeiten können sich dadurch in der Zukunft eröffnen. In Ländern mit korrupten staatlichen Strukturen könnten Grundbücher, Handelsregister oder Standesämter überflüssig werden, denn all deren Aufgaben können rechtssicher auch über die Blockchain abgebildet werden. In Griechenland müsste man beispielsweise nicht mehr bis zum Sankt-Nimmerleinstag auf ein Grundbuch warten, das Millionen kostet und doch nie kommt. In Afrika könnten Unternehmensgründungen oder –käufe rechtssicher auch ohne die Einrichtung eines staatlichen Handelsregisters erfolgen. Und in China könnten Eheschließung über die Blockchain für alle dokumentiert werden.

Inzwischen gibt es viele Startups, die Produkte und Anwendungen der Blockchain-Technologie entwickeln. Viel Risikokapital wird dafür in Amerika und Großbritannien zur Verfügung gestellt. Hayeks visionäre Idee verband er mit einem Aufruf: „Was wir nun brauchen, ist eine Freigeld-Bewegung, die der Freihandels-Bewegung des 19. Jahrhunderts vergleichbar ist.“ Diese neue Bewegung sollte Deutschland nicht verpassen.

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Kommentare {26}

  1. Warum wird von Herrn Schäffler nicht erwähnt, daß es außer Bitcoin bereits jetzt zahlreiche andere digitale Währungen gibt?
    Deren Zahl könnte/wird explodieren und alle digitalen Währungen ad absurdum führen.
    Ein Chaos aus unendlich vielen konkurrierenden Währungen, ein sinnfreies Gezocke um diese aus dem Nichts geschaffenen Daten, und Milliarden Rechner weltweit, die stromfressend Mining betreiben und das Internet verstopfen, können riesigen Schaden anrichten.

    Hoffentlich sorgt irgendeine Sicherheitslücke oder ein DatenGAU möglichst bald für ein Ende dieses Spuks.

    1. @ Gunnar Holler :

      Es wäre schön, wenn andere Systeme auch noch Beachtung bekämen, sodass sich die beste Cryptowährung durchsetzen kann.
      Allerdings sind die meisten anderen Währungen lediglich Kopien zu Bitcoin und somit wertlos und man kann sie getrost ignorieren. Die meisten anderen Ideen kann man auch bei Bitcoin implementieren und daran arbeiten einige, genau aus diesem Grund gibt es auch so viele Währungen um den Fortschritt und die Ideen weiter voranzubringen.

      Das Chaos von dem sie schreiben ist übertrieben und da die meisten Währungen überhaupt keinen Wert haben auch total egal.
      Es wäre wie wenn sie die ganzen Regionalgelder der Welt in ihr “Währungschaos” mit einbeziehen. In dieser Hinsicht haben wir übrigens wirklich ein Währungschaos was total ineffizient ist, so viel Geld geht durch Gebühren und sinnloses Geldschöpfen verloren bzw. wird umverteilt.
      Auf genau dieses Währungschaos reagiert im Endeffekt Bitcoin und auch die anderen Währungen, die eine fairere dezentrale Lösung dafür schaffen.

      Das Gezocke von dem sie reden ist mit “normalen” Währungen bzw. ich weiß nicht wie sie EUR / USD etc. bezeichnen mögen mindestens genauso schlimm, das muss auch gar nicht aufhören, da somit einfach wie bei allen Handelsgütern der Preis festgestellt wird.
      Das passierte auch auf dem Mittelaltermarkt schon, nur jetzt eben viel schneller und einfacher.
      Die Rechner von denen sie sprechen sorgen für die Sicherheit im Bitcoin System und sie haben somit die wichtigste Rolle überhaupt ( Hierfür verwenden andere Banken und Firmen ein vielfaches der Rechenleistung ).
      Allerdings gibt es natürlich auch hierfür andere Ideen und Lösungen und die werden in der Cryptotechnologie auch eingesetzt werden.
      Mein einziges Anliegen wäre hier eher, dass dies so dezentral wie möglich gestaltet werden sollte, sodass nicht wenige Firmen die komplette ” Sicherheit” übernehmen. Aber da gibt es auch schon sehr gute Ideen und die Nodes können sicher auch dezentral bleiben.
      Und selbst, wenn dies ein kleines Bedenken bleiben sollte, bietet es trotzdem eine 100x bessere Alternative zu dem herkömmlichen System, welches jetzt schon weit entfernt ist von einem fairen demokratischen Markt.

      1. Kurz gefasst, da die 2-Tage-Schwelle für Kommentare droht:
        Die herkömmlichen, gängigen, relevanten Währungen sind vll. ein Dutzend, im Gegensatz zu den zu befürchtenden seriellen neuen digitalen Währungsschöpfungen.
        Der herkömmliche Devisenhandel zieht keinen so stark wachsenden Datenrattenschwanz nach sich wie bei den digitalen.
        Bitcoin hat an 1-2 Tagen schon mal 50% verloren, wenn ich mich recht erinnere.
        Beteiligte können so in kürzester Zeit insolvent werden.
        “Fair” ist sowas nicht, gerade bei sowas wird wirklich zufällig umverteilt.

  2. @ Matthias Losert :

    Warum sollte man überhaupt neues Geld schöpfen ?
    Warum braucht eine Währung eine Bindung ?

  3. Antworten Sie auf die Fragen “Sinnvolle Geldschöpfung?” oder “Sinnvolle Währungsbindung?”
    Denkbare Währungsbindung:
    1) Physische Bindung an Rohstoffe: Bsp. Gold
    2) Territoriale (Nord/Süd und Ost/West) Ausdehnungen.
    3) Blockchain: Bsp. Bitcoin
    4) Militärische Bindung: Bsp. der Dollar als Leitwährung
    5) Vertragstreue: Bsp. der Euro
    6) Bindung an die Marktentwicklung: Bsp. Market.

    Um interevolutionäre Wachstumsrisiken zu senken, wurde Währungsbindungnr. 6 entwickelt. Daraus ergibt sich zwingend eine sinnvolle Geldschöpfung unabhängig vom Diskurs über Chancen und Risiken einer Staats- bzw. Privatwirtschaft.

  4. @ Thomas

    da haben sie sicher Recht mit ihren Bedenken, die habe ich auch, aber mein Vertrauen in die Kompetenz der Leute und der Technologie ist größer, zumal, wenn es sich nicht dezentral oder unstabil entwickelt es auch nicht groß werden wird, sondern eben eine andere Cryptowährung, die diese Probleme eben nicht hat.

    Man muss auch sagen, dass die Bitcoin Community sich diesen Problemen seit langem bewusst ist und sie angeht und das ist das schöne an dem System, dass es wandlungsfähig ist und offen diskutiert wird und die Probleme gelöst werden können.
    Das EZB System wird weder offen diskutiert, noch sind die Probleme lösbar, da es einen intrinsischen Mechanismus hat.

    Zu ihrem Mt Gox Problem, da lag kein Fehler von Bitcoin vor sondern legidlich eine “Bank” bzw. Tradingplattform ist insolvent gegangen und die Kunden die dort ihre Bitcoins oder sogar auch EUR/ USD etc. hatten haben nun Probleme diese wieder zu bekommen.
    Das hat allerdings rein gar nichts mit der Sicherheit von Bitcoin zu tun und wurde in den Medien komplett falsch kommuniziert.
    Das ist in etwa so wie wenn eine Bank komplett falsch wirtschaftet ( auch bewusst in dem Fall wohl ) und dann Pleite geht und die Kunden nicht mehr ihr Geld bekommen, Ja es gibt Einlagensicherung bis 150k… aber so etwas kann man genauso mit Bitcoins realisieren.
    Und Bitcoins an Sich sind nach wie vor 1000%ig sicher und auch unhackbar. Und wenn es einen Quantenrechner o.Ä. geben sollte der es hacken kann, wird es auch ein Verschlüsselungssystem geben was dies unmöglich macht und das einfach implementiert werden.
    Wie gesagt, Bitcoin ist wandlungsfähig.

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