Bei der CDU sind die Schuldigen für ihre Verluste bereits gefunden

Journalisten, die bei Merkel gut gelitten sind, intonieren seit Tagen dieselbe Botschaft: Wer Merkel auch nur leicht kritisiert, geht unter. Aber so wie die CDU im Bund seit dem "Wir schaffen das" von 42 auf 35 % gefallen ist, schmolzen die CDU-Werte in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Da hatten Klöckner und Wolf noch gar keine Korrekturen am Merkel-Kurs gefordert und Haseloff noch keine sachsen-anhaltinische Obergrenze.

Gegen den Strom

Noch haben die Bürger in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt gar nicht gewählt. Aber zweierlei steht bereits fest: Die CDU wird gegenüber 2011 eher an Stimmen verlieren als dazu gewinnen. Und im Konrad-Adenauer-Haus wie im Kanzleramt stehen die Schuldigen bereits fest: Julia Klöckner, Guido Wolff und Reiner Haseloff. Hätten sie den Kurs der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik uneingeschränkt unterstützt, so wird es am Sonntagabend heißen, hätten sie sich vor Stimmenzuwächsen gar nicht retten können. Aber so? Selbst schuld!

Den Tenor der Forschungsgruppe Wahlen steht fest

Die Argumentationslinie hat Matthias Jung, der im Kanzleramt gern gehörte Chef der Forschungsgruppe Wahlen, bereits vorgegeben: Die Zustimmung zur Flüchtlingspolitik Angela Merkel steige. Und wer da nicht dabei sei, komme eben bei den Wählern unter die Räder. Journalisten, die bei Merkel gut gelitten sind, intonieren seit Tagen dieselbe Botschaft: Wer Merkel auch nur leicht kritisiert, geht unter.

Logisch ist das freilich nicht. So wie die CDU im Bund seit der “Wir schaffen das”-Euphorie von 42 auf 35 Prozent gefallen ist, so schmolzen auch CDU-Werte von 41 Prozent in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit jeder neuen Meldung über höhere Flüchtlingszahlen ab, ebenso – wenn auch von niedrigerem Niveau aus – in Sachsen-Anhalt. Da hatten Klöckner und Wulff noch gar keine Korrekturen am Merkel-Kurs gefordert und Haseloff noch keine sachsen-anhaltinische Obergrenze.

Die These, wer für Merkel ist, gewinnt, geht auch für die anderen Parteien nicht auf. Sozialdemokraten und Grüne, die sich seit Monaten als Merkel-Fan-Clubs positionieren, müssten demnach ja zulegen. Was aber nicht der Fall ist: In Baden-Württemberg ist die SPD seit Herbst von 19 auf 13 Prozent gefallen und in Sachsen-Anhalt von 21 auf 15. Lediglich in Rheinland-Pfalz hat Merkel-Versteherin Malu Dreyer leicht zugelegt. Nicht anders sieht es bei den Grünen aus: In Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt drohen ihnen trotz ihrer Merkel-Treue-Schwüre herbe Verluste. Nur in Baden-Württemberg ist die Grünen-Welt noch in Ordnung. Was aber weniger an der Flüchtlingsfrage liegen dürfte, sondern an der Inszenierung Winfried Kretschmanns als gottesfürchtigen Konservativen, der irgendwie zufällig zu den Grünen geraten ist.

Aber der Tenor des ZDF-Chef-Demoskopen ist falsch

Interessanter Weise hat die CDU es SPD und Grünen leicht gemacht, sich als Merkels treueste Verbündete zu gerieren. Dass Rot-Grün die beiden Asylpakete und damit die Verschärfung des Asylrechts lange hinausgezögert hat, dass rot-grün regierte Länder bis heute nur sehr zögerlich abschieben und dass sie die Maghreb-Staaten frühestens nach den Landtagswahlen als sichere Herkunftsländer akzeptieren werden, erwähnt die Bundes-CDU nicht. Das Klima innerhalb der GroKo scheint im Adenauer-Haus wichtiger zu sein als der Wahlkampf “draußen im Lande”. Auch ist das Bemühen der CDU-Spitze unübersehbar, zwischen Schwarz und Grün ja keine Missstimmung aufkommen zu lassen. Man weiß ja nie.

Das Fernsehen in der Aufmerksamkeitsfalle
TV trumpt AfD
Was ist das Beste für die AfD in einer Fernseh-Runde? Ihre Anhänger empört es am...
Wie die Kommunalwahlen in Hessen gezeigt haben, gibt es nicht wenige Wähler, die eine sozialdemokratisierte und vergrünte CDU nicht mehr als ihre Heimat betrachten. Von denen sind sehr viele zu Hause geblieben. Andere enttäuschte CDU-Anhänger haben AfD gewählt, nicht wegen deren Hetzparolen, sondern aus Protest gegen Merkels Flüchtlingspolitik. Diese Wähler müssen für die Union nicht auf Dauer verloren sein. Solange Merkel sich jedoch von Grünen und Sozialdemokraten feiern läßt und deren peinliches Stalking nicht einmal zurückweist, wird sie bürgerlich-konservative CDU-Wähler von einst nicht wieder zurückgewinnen. Bisweilen hat man sogar den Eindruck, in der CDU-Zentrale sei man im Grunde ganz froh, auf diese altmodischen Wähler keine Rücksicht mehr nehmen zu müssen. Oder um es mit den Worten von Merkels Generalsekretär Peter Tauber zu sagen: auf alte weiße Männer.

Eines kann man Merkel nicht absprechen: In der Flüchtlingspolitik denkt sie weder parteipolitisch noch parteitaktisch. Was ihr auch deshalb nicht allzu schwer fallen dürfte, weil sie zu ihrer eigenen Partei stets ein nüchtern-instrumentelles Verhältnis hatte, kein emotionales. Deshalb wird sie sich nicht allzu sehr grämen, falls es am Sonntag in den drei Ländern bei einem CDU-Ministerpräsidenten bleibt, nämlich in Sachsen-Anhalt. Und im Bund ändert sich sowieso nichts. Kein Grund zur Aufregung also – jedenfalls nicht für Angela Merkel.

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Kommentare {38}

  1. Den Gedanken von M.-V. kann ich voll zustimmen. Merkel geht es ausschließlich um ihre Macht, nicht um ihre Partei. Merkel hat als Kanzlerin nicht viel geleistet. Daher bietet sich jetzt für sie ein humanitäres Tätigkeitsfeld, um doch noch als Kanzlerin markant in die Geschichte einzugehen. Wenn sie sich da mal nicht irrt. Diejenigen CDU-Wähler, die das verstanden haben, wählen anders oder gar nicht. Der Rest läßt sich noch einlullen, aber nicht auf Dauer.
    Ein früherer US-Präsident sagte einmal: Man kann die Menschen eine Zeit lang täuschen – man kann einige Menschen auch dauerhaft täuschen – aber man kann nicht alle Menschen dauerhaft täuschen.

  2. Dass die Alt-Parteien auf die AfD eindreschen, ist das beste, was dieser passieren kann. Wählerperzeption: Wenn unsere Berliner Einheitsblockpfeifen die AfD angreifen, dann muss an dieser Partei etwas Gutes sein. Und wenn es nur das ist, dass sie nicht dazu gehört.
    Der ehemalige grüne Spitzenpolitiker Kleinert hat vor einigen Tagen im Fokus eine bemerkenswert realistische Sicht der AfD vertreten. Wenn altgediente CDU-Bürgermeister dorthin wechselten, könnten dort nicht nur Neu-Nazis herumlaufen. Ich finde es richtig, dass man in diesem Sinne genau hinschaut. Ebenso, wie es unfair wäre, die Grünen pauschal als traumtanzende Wirtschaftsfeinde, Päderasten und Junkies zu bezeichnen, muss man auch bei der AfD – einer Partei, die sich immerhin noch in den Geburtswehen befindet – differenzieren. Welche Partei ist denn einige Jahre nach ihrer Gründung noch genau wie in Gründungszeiten? Man sehe sich die alten Programme der SPD aus dem vorletzten Jahrhundert an! Die SPD hat ihre Programme häufiger gewechselt als ihre Hemden.
    Die Politik einer Partei bleibt nicht unbeeinflusst von den Leuten, die in sie eintreten und die sie wählen, auch wenn sich da keine vollständige Harmonie der Ansichten einfindet (die italienischen Wähler der KPI waren z.B. immer radikaler als die Parteispitze).
    Aber die AfD wird – bei fortgesetzter Merkel-Politik – von enttäuschten CDU-Wechslern überschwemmt werden, die keine politische Vertretung mehr in der CDU sehen. Das muss die AfD verändern.
    Im übrigen wäre es ein leichtes, die AfD innerhalb von Tagen überflüssig zu machen und zum verschwinden zu bringen: Die CDU müsste nur Merkel entsorgen und wieder CDU-Politik machen. Aber das ist nicht abzusehen.

  3. Ich habe hier gestern – zugegeben zugespitzt aus purer Verzweiflung – gefragt, was Angela Merkel umtreibt, Deutschland und Europa mit Migrantenlawinen zu zerstören. Es ist nicht veröffentlicht worden. In der Daily Mail kann man heute die Blaupause ihres Handelns nach Tony Blairs Muster – britischer Labour Prime Minister von 1994-2004 – nachlesen, wie er Britannien an jedem Gesetz vorbei mit Millionen Immigranten flutete. Eine LINKEre Politik als die von Frau Merkel und der CDU ist offensichtlich überhaupt nicht mehr denkbar. Die Standing Ovations aus dem linken Lager erklären sich jetzt.
    Viele fragen sich, ob Merkel noch bei Sinnen ist, nein, sie ist links nahe am Kommunismus, weiter geht es nicht mehr. Wer das nicht will, muß dagegen wählen. Lesen Sie es mal nach, die Rezension des neuen Buches von Tom Bower über Tony Blair, den viele in GB als Bliar – Lügner – tutulierten und der, wenn GB nicht aus der EU austritt Junckernachfolger werden möchte. Dann werden wir erleben, was Europa endgültig blüht an linkem Wahn.

  4. Sehr geehrter Herr Müller-Vogg,

    die positive Seite der Massenimmigration aufzuzeigen, soll mir für etwa 10 Minuten Optimismus verleihen. Fast muß man dankbar sein: Diese Krise hat unbarmherzig offengelegt, was auch zuvor schon existierte:
    Eine marode, wenig demokratische, überholte Parteienlandschaft mit einem Parlament, das sich in dieser Form eigentlich niemand wünscht. Dazu viel Inkompetenz an der Spitze in Wirtschafts- und außenpolitischen Fragen. Die Migranten sind lediglich das “Sahnehäubchen” auf diesem System und werden den Niedergang der Etablierten – so hoffe ich zumindest – rapide beschleunigen.

    Sie, Herr Müller-Vogg, beschreiben 2 Wählergruppen der AfD:
    1. Die Anhänger der Hetzparolen
    2. Die Protestwähler

    Die 3. Gruppe, die ich sehe, fühlt sich seit längerem nicht mehr gut von den vorhandenen Parteien vertreten, bezweifelt vielleicht sogar die Sinnhaftigkeit der Parteien prinzipiell – zumindest in der Form wie sie in den letzten Jahrzehnten agierten.

    Diese Menschen würden auch einen Schimpansen wählen (habe ich hier im Forum mal gelesen, hat mir gut gefallen), wenn er sich von der Programmatik her wohltuend von den Restparteien abheben würde.
    Soll heißen, diese neue, noch im Aufbau befindliche Partei AfD hat manches Attraktive in ihrem Programm und sollte ihre Chance bekommen.

    Man sagt, der Wähler vergisst schnell. Ich werde – zumindest in diesem Leben – CDU und SPD sowie unseren Parlamentariern ihre Pflichtvergessenheit NICHT vergessen. Soll heißen: Sollte die AfD das umsetzen, was sie heute verheißt (so sie denn überhaupt die Chance dazu erhält) und nicht in irgendeiner extremen Form dauerhaft “entgleisen”, sehe ich keinerlei Veranlassung, zu der Partei zurückzukehren, von der ich mich damals abwandte.

    Mit freundlichem Gruss

  5. Zitat: “Hätten sie den Kurs der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik uneingeschränkt unterstützt, so wird es am Sonntagabend heißen, hätten sie sich vor Stimmenzuwächsen gar nicht retten können.”

    Ich schreibe der CDU ja eine reichliche Realitätsferne zu, aber meinen Sie wirklich, dass das so weit geht?

    1. Auf Cicero online schreibt Wulf Schmiese (ein echter Merkeldiener von den ÖRR) aber jetzt schon genau schon das von Hugo Müller-Vogg verhergesagte! Wie so oft scheint Müller-Vogg recht zu behalten!

  6. Zitat: „Die Zustimmung zur Flüchtlingspolitik Angela Merkel steige“.
    Bei wem? Bei Erdogan?
    Damit er für 6 Mrd noch ein paar Goldsesselchen kaufen kann für sein Tadsch-Mahall?

    Kleine Petitesse: Der CDU-Aspirant im Ländle heißt Guido “howling“ Wolf, im Gegensatz zu „Klinkerhaus“-“Appanage“ Wulff. („Betty und Chris reunited“ wohl demnächst auch im „Focus“ nach „Heiko und Nathalie in Love“)

    Des Weiteren ist es Dr. Angela vermutlich mittlerweise Schnuppe, wer sie im Falle eines Mistrauensvotums stützt, Hauptsache sie behält das Ruder auf der Titanic in der Hand, kann ein freundliches Gesicht machen und ihre feminine, tränendrüsenbasierte „Kulleraugenpolitik“ fortführen.

    Kein Grund zur Sorge im „Girls-Camp“.

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