DER SPIEGEL Nr. 5 – Titel: „Wahnsinn. Amerikas Hetzer Donald Trump“

Wahnsinn oder die Angst vor Donald Trump und dem Vorwurf der "Lügenpresse": Der Spiegel bespiegelt sich selbst.

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Es scheint so, als sei jede Nation irgendwann einmal an der Reihe ist, sich von einem Krakeeler umgarnen zu lassen. Wenn der SPIEGEL Recht behält, so küren die Amerikaner Donald Trump zum nächsten Präsidenten. Wobei der SPIEGEL keinen Unterschied macht zwischen dem Unterhaltungswert von Vorwahlen und dann den richtigen Präsidentenwahlen – was bei der Stimmabgabe allerdings entscheidend ist. Das eine ist Show – das andere Politik.

Zeitlich abgestimmt auf die am Montag beginnenden Vorwahlen, gibt das SPIEGEL-Portrait von Markus Feldenkirchen, Veit Medick und Holger Stark einen tiefen Einblick in die polarisierende Persönlichkeit. Hätte man sich eine Steigerung der Rolle vorstellen können, die Ronald Reagan als Schauspielerpräsident gegeben hat? Europa sollte gewarnt sein, muss schnell zu Einigung und Stärke finden. Denn was mindestens genauso irritiert wie Trumps Verbalattacken, ist die transatlantische Männerfreundschaft, die sich zu Putin anbahnt. Wie der russische Präsident in die rechte Politszene Europas eindringt und von dort zündelt, beschreibt der Beitrag „Das Ende der Wahrheit“. Die zunächst kurios anmutende Geschichte um das Verschwinden eines 13-jährigen Mädchens deutsch-russischer Eltern kann sehr viel hintergründiger gelesen werden, als es auf den ersten Blick erscheint. Die Konflikte mit den USA nehmen zu. Es ist die Folge einer sich lösenden Freundschaft, die auch aus deutscher Perspektive in Frage gestellt wird.

Lügenpresse oder die Angst vor dem Sparen

SPIEGEL-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer schüttet mit dem Leitartikel „Presse gegen Lügner“ sein Herz aus. Was vordergründig wie ein zwischen mea culpa und Trotz pendelnder Text gegen selbsternannte Wutbürger erscheint, ist ein nach innen gerichteter Appell gegen die bevorstehenden Sparmaßnahmen im Hause SPIEGEL. Was über Jahrzehnte undenklich erschien: Auch diese Redaktion muss sich daran messen lassen, ob sie die Bedürfnisse ihres Publikums erreicht. Zum klugen Handeln respektive Schreiben gehört, dass man die Absicht nicht wie ein Banner vor sich herträgt, sondern durch Taten überzeugt. Die Zeiten des Kampagnenjournalismus sind vorbei. Leser wollen Fakten und Zusammenhänge, auch Zuspitzungen und Urteile. Sie wollen aber keine Instrumentalisierung. Das müßte der SPIEGEL deutlich machen. Und so wird nicht klar, ob die Kritik an Trump nicht doch wieder der Versuch ist, die Menschen auf den rechten Weg zu führen.

Mag sein, dass der Sammelbeitrag „Agenda 2016“ ein Versuch ist, das Thema Integration im Sinne des Leitartikels zu enthysterisieren. Herausgekommen ist ein beliebiges Puzzle, in dem Männer und Frauen von 19 Redakteuren befragt, über ihren jeweils eigenen professionellen Blickwinkel auf das Thema berichten.

Aus der weiten Welt erzählt Claas Relotius in „Hanswurst“ die Geschichte eines Schotten, der in Kasachstan via Facebook nicht nur eine kasachische Wurstspezialität, sondern gleich die ganze kasachische Nation beleidigte und mit Mühe seinen Hals retten konnte. Und Marian Blasberg entführt die Leser nach Montevideo zum Stadtteilverein Atlético Villa Teresa. Ohne große finanzielle Mittel stieg er in die erste Fußballiga Uruguays auf, die Spieler verdienen fast alle nicht mehr als den Mindestlohn von umgerechnet 900 Euro, der zum Teil aus Spendengeldern bezahlt wird. „Herzflimmern“.

Lebenshilfe für Eltern unter Perfektionsdruck bringt das Interview von Kerstin Kullmann mit dem dänischen Familientherapeuten Jesper Juul in „Gut genug ist perfekt“.

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Kommentare {5}

  1. @ William Robertson

    In Deutschland wird nahezu in allen Medien Donald Trump lächerlich gemacht. Wer diese Kampagne lanciert hat, kann nur vermutet werden. Trump ist unabhängig von Spendengeldern, was nicht allen potentiellen Sponsoren gefällt, die auch in Deutschland Freunde haben.

    Eine Korrektur möchte ich anbringen bezüglich der irrigen meinung, die Amerikaner haben uns Deutschen die Demokratie gelehrt. Ein Zitat des hoffentlich auch von Ihnen beschätzten Noam Chomsky mag als Beleg genü-gen: „Vor dem Ersten Weltkrieg, bevor im Westen die antideutsche Hysterie aufgepeitscht worden war, wurde Deutschland von amerikanischen Politikwissenschaftlern als vorbildliche Demokratie betrachtet, die der Westen nachahmen sollte.“ Noam Chomsky, 21.07.2005.

    Sie sehen, die Wurzeln der deutschen Demokratie sind älter als 1945.

  2. Diese Besorgnis über Trumps angebliche Männerfreundschaft mit Putin ist mir unverständlich…besser das als die Alternativen. Man sollte vielleicht einmal betonen, dass sich mehrere der republikanischen Konkurrenten Trumps sowie auch Hillary Clinton für eine von den USA durchgesetzte Flugverbotszone in Syrien ausgesprochen haben – und dabei teilweise auch ausdrücklich gesagt haben, dass sie bereit wären, russische Flugzeuge abschießen zu lassen. Verglichen mit diesem Wahnsinn – der natürlich in deutschen Medien nicht thematisiert wird – sind Trumps außenpolitische Ideen, so konfus sie sein mögen, geradezu moderat.
    Die deutschen Medien geben in ihrer Mehrheit erschreckend unkritisch die Sichtweise des transatlantischen Establishments wieder, und sind natürlich auch von extremer political correctness geprägt – weshalb Trumps Einwanderungskritik ihn zum Bösewicht Nummer 1 macht, während man die teils erschreckend bellizistischen Äußerungen seiner Mitbewerber (bis hin zu den “carpet bombing”-Forderungen von Ted Cruz) einfach nicht wahrnimmt. Die Amerika-Berichterstattung deutscher Medien kann man vergessen…den Spiegel sowieso, das sagt mehr über die Weltsicht des linksliberalen Milieus in Deutschland aus als dass es einem wirklich relevante Informationen liefert.

  3. Da schicken sich 320 Mio. Amerikaner an, einen Mann mit dem IQ und Gedankengut von Conan dem Barbaren ins Weiße Haus zu wählen und finden das noch richtig gut, während Sigmar-ich-falle-politisch-alle-2-Minuten-um Gabriel darüber räsoniert, die AfD als verfassungsfeindliche Organisation überwachen zu lassen, weil es ja rechts von der SPD keine demokratische Parteien mehr geben darf. -Die Welt ist zu einem Irrenhaus verkommen, und die Beklopptesten darin dürfen uns regieren..

    1. Herr Schäfer, als Deutsch-Amerikaner mit Wahlberechtigung darf ich Ihnen bescheinigen, dass Sie keine Ahnung haben. Die USA sind das Land mit der längsten demokratischen Tradition auf diesem Planeten. Den Deutschen musste u.a. mein Großvater in WW2 die Demokratie mit seinem M1 Karabiner beibringen. Es ist bezeichnend für die deutsche Überheblichkeit, einen Mann wie Trump, der aus 800 Mio. gut 10 Milliarden gemacht hat, zehntausende Arbeitsplätze über Jahrzehnte hinweg geschaffen hat und der überdurchschnittlich viele Frauen im Topmanagement seiner Firmen beschäftigt, als dummen Idioten darzustellen. Im Übrigen spricht sich DT für eine Annäherung bzw. ein Bündnis mit Russland im Kampf gegen den IS aus. Ganz das Gegenteil von Obama, der lieber gegen statt mit Russland agiert. Gerade als Europäer, der im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Russland und der NATO hier platt gemacht wird, sollten Sie mal überlegen, wer der Irre ist. Ich jedenfalls werde DT wählen.

    2. Es gibt unter dem Artikel “Hysterie und Hetze” von Herrn Lübberding (hier auf Tichys Einblick) einen Kommentar von Herrn Hellerberger. Er beschreibt ganz gut, wieso seine Verwandten Herrn Trump wählen würden.

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