DER SPIEGEL Nr. 6: „Die Hassprediger: Frauke Petry und die AfD“

Der SPIEGEL schwingt die große Keule und stürzt sich auf die AfD. Das Titelbild stellt Frauke Petry gleich mit Hitler, und Gauland ist der Stellvertreter – vor der Kulisse des Reichsparteitags. Und dazu das alles erschlagende Wort „Hassprediger“. Das ist geschichtsvergessen. Das ist kein Journalismus. Das ist Propaganda.

Spiegel_Nr6

Der SPIEGEL schwingt in dieser Woche die große Keule und stürzt sich auf die AfD. Das Titelbild stellt Frauke Petry gleich mit Hitler, und Gauland ist der Stellvertreter – vor der Kulisse des Reichsparteitags. Und dazu das große, alles erschlagende Wort „Hassprediger“. Das ist geschichtsvergessen. Das ist kein Journalismus. Das ist Propaganda.

Im Schützengraben

Was dann unter der Überschrift „Im Schützengraben“ folgt, ist ein braver Routinebeitrag über Innenleben und Außendarstellung der AfD. Die angekündigten Interna beschränken sich auf wenige kurze Passagen, ansonsten geht es neben gar nicht so neuen Fakten um Vermutungen, Suggestion, Szenarien. Besonders auffällig ist, dass der Beitrag komplett ohne Statements vorzeigbarer Gesprächspartner aus und zu dieser Partei oder deren Führungspersonal auskommt.

Politiker, die fordern, als Ultima Ratio auf Flüchtlinge zu schießen, muss man kritisch durchleuchten – ihre Anhänger, ihr Umfeld, ihre Werte, ihr Handeln, ihre Partei. Aber das Schlagzeilen-Hau-drauf des SPIEGEL ist im selben Maß eine journalistische Bankrotterklärung, wie die Weigerung von Politikern der SPD und der Grünen ist, mit der AfD in Fernsehsendungen zu diskutieren eine politische Bankrotterklärung ist. Die Absicht ist zu durchsichtig: Hier soll eine Partei, die der Spiegel nicht mag, madig gemacht werden. Das ist sein gutes Recht, wenn auch Kampagnen-Journalismus von der billigen Sorte. Vor allen Dingen: Er wirkt nicht. Längst ist der Punkt überschritten, bis zu dem der SPIEGEL hier noch Wirkung gezeitigt hätte. Denn die AfD lebt nicht von der Fürsprache, sie lebt vom Protest, von der Gegnerschaft. Und derartig überzogene Stücke und Propagandamachwerke bestätigen nur die, die auf dem AfD-Trip sind und treiben ihre neue Anhänger zu, die sich vom SPIEGEL noch mehr abgestoßen fühlen als von manchen Sprüchen der AfD. Dumm gelaufen, aber wenn die Wut überkocht, bleibt der Verstand stehen.

Sehr informativ ist das Gespräch „Ein Gegenfanal setzen“ der SPIEGEL-Redakteure Dietmar Hipp, Frank Hornig und Fidelius Schmid mit dem erfreulich unaufgeregten Generalbundesanwalt Peter Frank.

„Unendlich müde“ betitelt Britta Stuff ihr liebevolles Portrait über CDU-Rebell und Quotenstar Wolfgang Bosbach.

Das lange Zeit märchenhafte Leben des Thomas Middelhoff endet offenbar wie im Grimm-Märchen vom Fischer un syner Fru. Wie Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt in dem Beitrag „Arm dran“ beschreiben, genügte ihm ein Vergleich mit seinen Gläubigern auf für seine Begriffe niedrigem, für „Normalos“ immer noch märchenhaftem Niveau nicht. Er ließ sich lieber weiter von seinen Anwälten ausnehmen, um am Ende mit nichts dazustehen.

Sehr anregend ist das Gespräch von Uwe Buse mit den Forschern Howard Gardner und Katie Davis über die alltagsbeherrschenden Apps und den Sinn des Lebens. Also dann: Heute wird nicht mehr geappt. Jedenfalls, sobald diese Geschichte auf App ist.

Die Briten würden sich bei einem Brexit selbst am meisten schaden und bleiben wohl in der EU. Das Fazit legt der mit Fakten gespickte Beitrag „Ein Herz für Europa“ von Peter Müller und Christoph Pauly nahe.

Auf zwei Seiten trommelt Henning Kagermann, Leiter der Nationalen Plattform Elektromobilität, für die staatliche Subventionierung des Kaufs von Elektroautos und stellte sich dazu den naiven Fragen von Spiegel-Redakteur Gerald Traufetter. „Nie mehr zur Tankstelle“. Finanziert werden soll das alles nach Vorstellung des Ex-SAP-Chefs über eine Sonderabgabe auf Benzin und Diesel. Also noch höhere Steuern für Otto Normalverbraucher und sein Gold für fragwürdige Industriepolitik? Für so platte Vorschläge braucht man keine hochdotierten Lobbyisten. Wenn überhaupt Subventionen, dann sollten Topmanager wie Kagermann neue Modelle entwickeln, bei denen der Staat an den dann zu erwartenden Konzerngewinnen partizipiert. Zudem ist die grundsätzliche Frage zu stellen, ob man mit der Elektromobilität auf das richtige Pferd gesetzt hat. Die technische Fragwürdigkeit ist ja riesig und auf Jahrzehnte nicht überwindbar. Ist nicht hier die Politik schon ein Opfer der Lobbyarbeit geworden? Und zwar freiwillig? Auch hier, wie schon bei der AfD-Story, vermisst man die früher kritische SPIEGEL-Position. Er liest sich hier eher wie ein Werbeblatt des Wirtschaftsministers, der ja unbedingt das will, was Kagermann fordert und der dafür sanft befragt wird. Kritischer Journalismus geht anders.

Florian Homm darf für sein neues Buch „Endspiel“ werben. SPIEGEL-Redakteur Martin Hesse nimmt das seichte Geschwätz in „Der Antichrist klagt an“ ohne größeren Widerspruch und ohne jeglichen Tiefgang hin. Der ehemalige Hedgefonds-Manager, der sich heute angeblich mit einer Invalidenrente über Wasser hält, prognostiziert zur Verwunderung des Lesers den Zusammenbruch des westlichen Kapitalismus, weil bei den in den vergangenen Jahrzehnten aufgebauten Überkapazitäten die Profitraten fallen würden. Das klingt irgendwie vertraut. Ähnliches schrieb Karl Marx schon in seinem „Kapital“, also vor fast 130 Jahren.

Ach, es wiederholt sich beim SPIEGEL – eine durchsichtige Machart, die vergangene Spiegeljahrzehnte in einem neuen, hellen Licht erscheinen läßt.

Zum Schluss: Eine völlig neue Welt erschließt Johann Grolle in „Schubser vom Rätselstoff“ über eine sagenhafte Dunkle Materie, die möglicherweise im Universum Verwirrung stiftet. Künftig müssen wir wohl Star Wars, wo die Guten gegen die dunkle Seite der Macht kämpfen, mit ganz anderen Augen sehen.

Das Fazit für diese Woche: Billig. Der SPIEGEL, das einst selbsternannte Sturmgeschütz der Demokratie, liegt da, wo der die AfD vermutet: Im Schützengraben. Er verteidigt sich, aber kommt nicht von der Stelle. Er ballert, schießt auf alles, was er rechts vermutet, und das mit schwerem Geschütz. Das macht Lärm, aber keinen Sieg. Die Stagnation als Redaktionsprogramm.

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Kommentare {49}

  1. Was für ein Skandal!
    Da will diese braune AFD-Unperson aus Dunkeldeutschland die deutschen Grenzen im äußersten Notfall sogar mit Waffengewalt gegen Migranten sichern, während die engelgleiche schwarz-rot-grüne Bundeskanzlerin den bekannten Menschenfreund Erdogan mit 3 Milliarden dafür bezahlt, das gleiche zu tun.
    Und die einäugigen Staatsmedien trommeln den Empörungstakt dazu, damit der deutsche Michel bei den Wahlen sein Kreuz ja nicht an der verkehrten Stelle macht.

    1. De facto mobilisiert Mme Merkel die NATO und lässt Kriegsschiffe durch die Ägäis kreuzen. Kriegsschiff gegen Schlauchboot da braucht’s halt keinen “Schießbefehl”, da reicht dann schon die Bugwelle…

      Und- Zaunkapazitäten werden für Heiligendamm frei noch’n Vorteil.

  2. Da es dem Spiegel – freilich nicht ohne Grund – misslingt, Frau Petry und die AfD als Nazis zu demaskieren, muss dafür ein im Stil (Kolorierung etc.) ans Dritte Reich gemahnendes Foto herhalten. Was für ein im wahrsten Sinne des Wortes schwaches (Titel-)Bild.

  3. Tut mir leid, Herr Canibol , aber es nicht das “gute Recht” einer von Tausenden gelesenen Zeitschrift, andere Personen zu verunglimpfen, zu beleidigen und in ihrer Ehre und Würde zu verletzen. Das ist weder gut, noch rechtens. Warum erfüllt so etwas eigentlich nicht den Tatbestand der Volksverhetzung? Als ich den Spiegeltitel zum ersten Mal sah, war ich entsetzt. Selbst den Schmierfinken vom Spiegel hatte ich so etwas bisher nicht zugetraut.
    Wie tief muß ein Journalist sinken, um sich für so etwas herzugeben. Jedem einigermaßen anständigen Menschen dreht sich bei soviel offensichtlicher Bösartigkeit der Magen um und man hofft und betet, daß dieser Spuk bald eine Ende nehmen wird.

  4. Ein Volltreffer Herr Dr. Canibol…
    …neben dem Spiegel schreiben und “denken” doch viele nur noch die Zeilen voll.
    MfG

  5. @moderation
    kann es sein, das meine kommentare im spam landen?
    3 versuche und es gibt keine anzeige, dass mein kommentar unter moderation ist…

    1. Nein, bitte noch mal posten.

  6. Was soll man von Redakteuren erwarten, deren Lebensziel wohl ein Job bei der Süddeutschen ist. Grün-linke Ideologie durchzieht fast alle Beiträge dieses Mediums, das den gesunden Zynismus der Vergangenheit verloren und stattdessen den klebrig-kitschigen Habitus des Moralapostels und Volkspädagogen zelebriert. Lange wird das nicht mehr gut gehen.

  7. Früher, vor langer Zeit, habe ich auch den Spiegel gelesen. In einer Zeit, wo das gedruckte Wort ohnehin schwierig zu vermarkten ist, müsste eine Zeitung schon wesentlich höhere Ansprüche erfüllen als früher.
    Das Niveau im Spiegel ist abgesunken, unter jede Toleranz Marke. Die Art von Journalismus braucht kein Mensch, egal ob er rechts oder links ist.
    Die Artikel sind meist eine Beleidigung des Intellekts eines halbwegs klugen Menschen.
    Da unterstütze ich lieber mit kleinen Beträgen den online Journalismus.
    Vielleicht sollte man dem Spiegel und seinen Angestellten einen Rat geben, alles hat zwei Seiten. Sobald man eine unterschlägt bekommt man Schlagseite…und wird untergehen…wie man an den Zahlen der Auflage erkennen kann.

  8. Die goldenen Zeiten des ‘Spiegel’ sind schon sehr, sehr lange her – mehr als nur einige Jahrzehnte. Und selbst für diese Zeit wird vieles rückblickend romantisch verklärt. Der ‘Spiegel’ hatte schon immer seine Lieblingsfreunde , die FDP, und Lieblingsfeinde, bei denen ihm sein damals (!) durchaus vorhandener journalistischer Verstand in tiefere Sitzregionen sank: Etwa bei Franz Josef Strauss und der CSU ging in puncto journalistische Qualitätsarbeit beim ‘Spiegel’ gar nichts – hier war der Feind, und der wurde bekämpft; mit allen Mitteln, die man sonst bei Repräsentanten von “Lügenblättern” (damals redeten sogar Journalisten von “Lügenpresse”) wie der bekannten bösen
    4Buchstabenzeitung als unjournalistisch geisselte.
    Nun, die 4Buchstabenzeitung wird heute nicht mehr gegeisselt, sie ist ja brav auf linke Linie geschwenkt, wie sogar die Bundesregierung.
    Nachdem dem ‘Spiegel’ mit FJS der Parade-Feind abhandengekommen ist und der Kampf gegen die CSU ausgegangen ist wie das Hornberger Schiessen, braucht das Blatt jetzt eben einen neuen Feind, um das Aufgeregtheits- und Moralisierungspotential seiner Macher und Leser aufrechtzuerhalten.
    Denn was wäre der ‘Spiegel’ ohne seinen permanenten Adrenalinspiegel?
    So wie die AfD jetzt von der Politik der Regierung lebt, lebt der ‘Spiegel’ von der AfD.

  9. “Die Stagnation als Redaktionsprogramm.” Noch scheint es sie zu geben, die Käufer. Sie, Herr Canibol, waren heute einer von ihnen. Ich gestehe, damals – vor Jahrzehnten- als der große Augstein noch lebte (und nicht dieses linke Zwergkaninchen, was sich gerne so aufführt, als bestehe über eine biologische Verwandtschaft sonst noch eine Gemeinsamkeit hinaus), da habe ich ihn gern gelesen und sogar abonniert. Tempus passati. Mit diesem Schlammgraben aus Halbwahrheiten, schmutziger Propaganda und billigem Volkserziehungsgehabe, will ich wie viele andere nichts mehr zu tun haben.

  10. Hallo Herr Canibol ! Bezeichnet der Ausdruck Ultima Ratio nicht das letzte Mittel oder den letzten Ausweg eines Grenzschützers , Soldaten , oder Polizisten ? Jeder vernünftige Mensch weiß was damit gemeint ist, und kein Mensch kommt auf die Idee eine Waffe tragenden Polizisten oder seinen Dienstherren als Killer zu bezeichnen ? Im Falle von Frau Petry geht es einzig darum , Sie und ihre Partei vor anstehenden Wahlen auszubremsen . Man will absichtlich nicht verstehen und dreht Frau Petry das Wort im Munde herum , weil man Politik machen will ! Der Spiegelverlag ist ein privates Unternehmen , doch haarig wird es wenn die staatlichen Sender welche von der Allgemeinheit finanziert werden , sich mit rot- grüner Propaganda an dieser Hetze beteiligen , um ihr linkes politisches Kartell zu sichern ! – Alleine schon die Auswahl eines in nazibraun gefärbten Photos von Frauke Petry vor der Kulisse des Reichsparteitags zeigt welches Kind diese linken ( rechten ? ) Spiegelpropandisten sind ? Erzählen diese Leute nicht unbeabsichtigt etwas über sich selbst ? Man hofft darauf genügend Dumme zu finden , die auf solch billige Propaganda hereinfallen ! Das könnte klappen ! Dumme gibt es genug , vor allen in der umerzogenen jüngeren Bevölkerung des Landes ! Das sie das geistige Produkt eines der vielen sehr unterschiedlichen Medien und Politsysteme der Welt sind , ist den meisten Menschen nicht bewusst !

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