Blackbox KW 10/2016 – Kein Wochen-Spaß ohne Heiko Maas

Was folgt auf die Wahlen? Merkel-Dämmerung? Oder Paradies-Vertreibung für Gabriel? „Bauer sucht Frau“ findet Flüchtlinge, Erdogan ist unser aller bester Freund und natürlich gilt die alte Regierungsregel: Kein Wochen-Spaß ohne Heiko Maas.

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Wir wollen den Rückblick sanft beginnen, mit einem Strauß Blumen, schließlich war Weltfrauentag. „Bekannte Künstler schenken Angela Merkel rote Rosen“ meldete die Augsburger Allgemeine erfreut und zeigte ein Bild der Künstler vor dem Kanzleramt. Ganz vorne in der ersten Reihe der „bekannte Künstler“ Michel Friedman. Bekannt, ja. Entgegengenommen wurde das Gebinde übrigens von einem Lakaien – Ihre Majestät Angela träumt wohl immer noch vom Treffen mit George Clooney – und will sich die Erinnerung nicht versauen lassen.

Wahltag ist Zahltag

Morgen wird gerechnet, Zahlen werden hin- und hergeschoben. Doch auch wenn manche zum wiederholten Male über eine Merkel-Dämmerung spekulieren – wir wollen uns nur mit der Partei für „die, die schon länger hier leben“ beschäftigen, und da sind wir Astrologen schon heute sicher: Pluto kreuzt Maas, Nahles im Merkur – also das wird nix mit der SPD. Schlimm? Im Gegenteil! Uns erwartet ein herrliches Sommertheater.

Gabriel, der Unglücksrabe, muss weg! Vielleicht nach Brüssel? Weniger Arbeit, mehr Geld, das wäre doch was. Wer folgt in Berlin? Bei Nahles legen wir uns fest: Sie ist zu wichtig, da, wo sie jetzt wirkt. Also Steinmeier. Er wäre entbehrlich, Außenpolitik erledigt die Kanzlerin nebenbei. Zugleich erinnert der Weißhaarige einige Wähler an die alte SPD, was nicht schaden würde bei den vielen jungen Wilden im Willy-Brandt-Haus.

Gut, lieber würde „der Walter“ Bundespräsident werden, aber diese Institution ist doch schon längst eine Art Luxus-Pfarramt geworden. Predigen (ohne Frühmesse), schöne Reisen, inklusive im-Flugzeug-Predigen. Die kriegen den Gauck da nie raus!
Aber die ehemalige Volkspartei platzt vor lauter Edel-Leuten geradezu aus allen Nähten. Nehmen Sie nur mal Maas: scharfe Braut, scharfe Sprüche. Bei jedermann beliebt, in der Fremde wie Daheim: Schulz! (Er würde sich allerdings finanziell und zeremoniell verschlechtern!). Und dann die Frauen in der SPD – eine Klasse für sich, jede könnte Siggis Job machen, das müssen die Genossen neidlos anerkennen. Es stehen uns allen aufregende Monate ins Haus.

Flüchtlingswelle und Migrationsindustrie

♦ “Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln“, heißt es auf dem Lande. Das bringt uns zum berühmten Bauern Joseph, der einst bei RTL seine Frau Naromol („Ich bin fick und fertig“) fand. Leider wissen ihre Millionen Fans nicht, in welchem bayerischen Dorf das Glück zuhause ist, so dass die neugebauten Ferienwohnungen in der umgebauten Scheune des Paares wohl Auslastungsprobleme hatten. Jetzt haben sie 10 Syrer aufgenommen – und viele Probleme gelöst.

„Wie Vermieter von Flüchtlingen profitieren“ beschreibt die Süddeutsche, und das schamlose RTL dürfte uns bald mit einer Integrations-Soap erheitern. Schon der Pilot mit fröhlicher Sprachverwirrung am Frühstückstisch – Joseph schlägt zwischendurch das Kreuz – ist wirklich zum Schießen und wird Merkel mehr nützen als jede Illner-Propaganda-Show.

♦ Nun melden unsere staatstragenden Medien gern, dass „die Kriegsflüchtlinge“ partout nicht nach Portugal wollen. Focus sieht den Grund darin, dass die Flüchtlinge das Land nicht kennen. Als wenn man in den Maghreb-Staaten Portugal nicht kennt!

♦ Früher hieß es: andere Länder, andere Sitten. Heute werden fast alle Sitten und Gebräuche bei uns ausgelebt. Einem Münchner Richter fehlte es wohl noch an der neuen „interkulturellen Kompetenz“. Er sprach einen Mann frei, der eine Vollverschleierte „beleidigt“ hatte. Nur weil die Anklägerin, von der lediglich die Augen sichtbar waren, ihre Kostümierung im Gerichtssaal nicht ablegen wollte. Die Berufung wird’s dann wohl richten.

♦ Mit Blick auf Griechenland und die EU mahnte die Kanzlerin laut FAZ: „Wir können es uns nicht in 27 Ländern nett machen und ein Land (Griechenland) alleine mit dem (Flüchtlings-) Problem lassen.“ Problem? Welches Problem?

Schöne neue Welt

Die EU-Parlamentarier genehmigen sich einen neuen Limousinen-Service. Aus Sicherheitsgründen. In den feinen Karossen gibt’s demnächst auch einen „Panikknopf“!?
Angeblich wegen „einiger Vorfälle, die mehr Sicherheitsvorkehrungen begründen.“ Wovor müssen denn die EU-Abgeordneten in unserer heilen Welt Angst haben?

♦ Die Griechen und die Türken sind bekanntlich nicht die dicksten Freunde. Nun hat ein griechischer EU-Abgeordneter die neuen Lieblingsnachbarn der EU übelst beleidigt. Das hätte man in Ruhe klären können – nicht aber mit unserer EU-Moral-Luftpumpe Martin Schulz. Der nutzte die Gelegenheit und schmiss den griechischen „Rassisten“ (Spiegel online) medienwirksam aus dem Parlament.

♦ Gut, dass auch Terroristen Wert auf eine ordentliche Personalbuchhaltung legen. Die britischen Sky News wollen eine IS-Liste mit 22.000 Kämpfern aus 51 Ländern zugespielt bekommen haben – incl. Blutgruppe, Scharia-Kenntnisse, Kampferfahrung und Telefonnummer. Das klingt doch nach einer prima Arbeits-Grundlage für Callcenter, Lebensversicherungsmakler und vielleicht sogar die Terrorfahndung.

♦ Erinnern Sie sich noch, wie unser Bundestag unbedingt deutsche Waffen an die Kurden liefern musste – aus humanitären Gründen natürlich, und weil’s dem Frieden dienen sollte. Inzwischen sind die Flinten beim IS gelandet. „In die Hände gefallen“ oder schlicht und einfach an die Terroristen verkauft, berichtet spiegel online. Wer schützt die Welt nur vor unseren Friedfertigen?

♦ Hunderte Randalierer mischten eine Trump-Veranstaltung in Chicago auf. Anscheinend ist linke deutsche Wahlkampfkultur auch in den USA angekommen

Ein Freund, ein guter Freund

Wir fassen zusammen: Europa hat ein kleines Grenzproblem, weil es Griechenland hat. Die Griechen können anscheinend nur Grillen und Tanker. Wirtschaft? Im Eimer. Verwaltung? Nicht existent. Grenzsicherung? Was ist das denn? Also fragt unsere EU, ob nicht vielleicht der Türke die Grenze schützen könne? Wie erklärt man das jetzt ohne als Rassist dazustehen? Also, der Türke sagt: Er könne schon, wenn
– er viele Milliarden Vorkasse kriegt
– er in Syrien freie Hand bekommt
– er die Kurden ein wenig massakrieren kann
– er seine Lügenpresse dicht machen darf
– er Visafreiheit erhält und recht schnell Vollmitglied der EU werden kann
– er auch am Weltfrauentag wieder Gummigeschosse gegen Frauen einsetzen darf

Merkels Antwort laut Radio Eriwan: Im Prinzip schon. Vielleicht sollte man den einen oder anderen Punkt etwas anders formulieren. Oh, wen hören wir da kommen? Prinz Eugen, den edlen Ritter? Ach ne, der Orban ist’s.

Rausschmeißer

♦ Gottseidank darf die unersetzliche Ursula von der Leyen ihren Dr. med. behalten! Zwar behauptet Professor Dannemann von VroniPlag: „Die Anzahl der Fehl- und Blindzitate ist bisher einmalig auf den von uns dokumentierten Arbeiten“. Und wir hatten schon eine Alternative parat: Dr. pc. (plagiatrix causa). Aber nur wegen eines blöden Witzes darf man sich ja nicht gleich den Zusammenbruch einer so erfolgreichen Regierung wünschen.

Wegen der Landtagswahl waren die Hetzer zurückhaltend, weswegen der „Heiko der Woche“ entfällt.

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Kommentare {6}

  1. Portugal hat bisher isgesamt 132 Flüchtlinge aufgenommen, davon erst letzte Woche 64. Eigentlich sollte diesmal ja 68 kommen, aber vier waren an der Abreise nach Lissabon verhindert. Allerdings sind das bis auf ein halbes Dutzend alles Syrer und relativ viele Kinder. Unter dem Kontigent von letzter Woche waren es z. B. 20.

    Geld hat der portugiesische Staat ja noch nichteinmal an die eignen Leute zu verschenken. Es gibt Gerüchte, dass man diese Leute in den verwaisten Dörfern im Norden ansiedeln will, die aufgrund des demographischen Wandels keine Bewohner mehr haben. Die Flüchtlinge hätten dort kostenlose Unterkünfte und genügen Land zu bebauen. Geschossen wird dort nicht und es fallen auch keine Bomben. So sollte sich zumindest die Spreu der Wirtschaftsmigranten vom Weizen der Kriegsflüchtlinge trennen. – Die wenigen Eriträer unter diesen Flüchtlingen haben aber schon verlauten lassen, dass sie eigentlich zu Verwandten in die Schweiz wollen.

  2. Der ” Heiko der Woche” entfällt?
    Haben Sie denn nicht Klein-Heiko bei “Anne Will” gesehen? Die Krönung aller Peinlichkeiten! Zum Fremdschämen, in jeder Beziehung. Was wohl die ausländischen Gäste mit Format wohl bon Deutschland nach dieser Sendung gedacht haben?

  3. Gut, dass ich die ZEIT schon vor langer Zeit abbestellt habe und den Spiegel nur noch ab und zu beim Frisör in die Hand nehme (und meist gleich danach gegen eine Autozeitschrift tausche).

    Diese Kolumne ersetzt die Wochenblätter zu 100% und ist zudem noch äußerst witzig, intelligent und amüsant. Bravo!

  4. Wieder klasse, ich lese Ihre Blackboxen richtig gern! Und sowas von wahr!
    Besonders interessant finde ich den Hinweis auf die alte Feindschaft zwischen Griechen und Türken, von der ich auch gehört habe: Wie unter solchen “Voraussetzungen” überhaupt ein koordiniertes Vorgehen in der Migrationskrise aussehen soll, ist mir ein Rätsel.

  5. Ich lese Sie zu gerne. Den Tagesspiegel habe ich fast ungelesen in die Ecke gefeuert. Eigentlich wollte ich denen, diesen mit ein paar Sätzen zurück schicken.
    Meine Frau will den unbedingt noch haben.
    Was soll es, wenn ich das hier nicht lesen könnte, würde ich am Rad drehen :).

    Vielen Dank und Viele Grüße!

  6. Statt der “Wichtig-Künstler” hat die Merkel dann am darauffolgenden Tag die europameisterliche Handball-Nationalmannschaft empfangen. Sie hat es eben eher mit Sportlern, leider diesmal nicht in der Umkleidekabine, sondern ganz elegant. Dafür gab’s dann eine “Rauten-Parodie” – lustig? mutig? Jedenfalls unterhaltender als die Künstler-Wandergruppe, die gestelzte Statements vor der Kamera haraussprudeln durften.

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