Überfremdung? Nein, Selbstentfremdung!

Nicht „Überfremdung“ von außen, sondern innere „Entfremdung“ von der eigenen Gesellschaft ist das Problem. Darin sind sich „Wessis“ und „Ossis“ ähnlicher, als sie denken. Erkennen wir das nicht und beginnen nicht, Befürchtungen und Ängste ernst zu nehmen, sondern weiterhin den Mund verbieten und gegeneinander aufzuhetzen, schreiten Selbstentfremdung und Entzweiung weiter fort. Warnt Matthias Heitmann.

Sackgasse

Was haben Flüchtlinge und Sachsen gemein? Beide sind nicht das Problem und haben daher auch keine Pauschalverurteilungen verdient.

Die Debattenkultur in Deutschland war nie besonders hochentwickelt. Doch die Selbstverständlichkeit und Promptheit, mit der mittlerweile pauschal gegen alle möglichen Bevölkerungsgruppen gehetzt wird, stellt einen neuen Tiefpunkt in der politischen Auseinandersetzung dar. Man interessiert sich kein bisschen mehr für den Einzelnen und für die genauen Standpunkte. Das Einzige, was zählt, ist die Herkunft, eine ganz bestimmte kulturelle Schablone, vielleicht noch die Sprache, und das reicht schon, um Menschen in Schubladen zu stecken.

Pauschalverurteilungen haben Konjunktur

Ja, natürlich gilt dies auch für den Umgang mit Migranten; ich meinte aber gerade die Vorurteile gegenüber den Sachsen! Denn was sich die Hamburger Morgenpost diese Woche erlaubt hat, als sie den Freistaat Sachsen als Schandfleck Deutschlands bezeichnete und auf der Deutschlandkarte braun einfärbte, ist selbst allerunterstes Pegida-Niveau. Ist das polemische Maschinengewehr erst einmal gefechtsbereit, wird es auch eingesetzt – von allen Seiten, gegen alle Seiten. Seit wann aber werden Pauschalverurteilungen damit gerechtfertigt, dass man damit möglicherweise den einen oder anderen zu Recht trifft?

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Um Fremdenfeindlichkeit effektiv zu bekämpfen, sollte man versuchen zu begreifen, warum Fremdenfeinde so ticken, wie sie ticken. Fakt ist: Immer mehr Menschen fühlen sich heute „fremd im eigenen Land“. Zumeist sehen sie dieses Gefühl als logische Reaktion auf die „Überfremdung“, also auf den Zuzug von Ausländern, den sie für übermäßig halten. Interessant ist aber, dass dieses Fremdeln gerade auch in Regionen stark ist, in denen der Anteil an Migranten und Flüchtlingen vergleichsweise gering ist.

Natürlich kann man sich über diesen „Widerspruch“ arrogant amüsieren. Viele Menschen in Westdeutschland tun dies und machen die „Ossis“ für die Probleme verantwortlich. Klugheit bringen sie damit nicht zum Ausdruck. Denn schaut man genauer hin, stellt man fest, dass das Gefühl der Fremdheit keineswegs eingebildet oder eingeredet, sondern absolut real ist. Spannend wird es bei der Frage nach dem Adressaten: Denn diese Fremdheit hat weniger mit Migranten zu tun als vielmehr mit der Erosion gesellschaftlicher Grundüberzeugungen und Gewissheiten. Diese Entwicklung, die für viele Menschen gerade in der Flüchtlingskrise deutlich wird, löst Befremden und Enttäuschung aus.

Fremdes ist der Sack, den man schlägt, gemeint ist der Esel Eigenes

Deswegen ist es auch kein Widerspruch, dass das Fremdheitsgefühl gerade auch dort stark ist, wo es kaum Fremde gibt – also eher im ländlichen Raum und eben auch in Ostdeutschland. Hier wird es ganz besonders deutlich: Die Fremdheit kommt nicht von außen, sondern aus den Bruchstellen der eigenen Gesellschaft heraus. Die Menschen spüren dies, aber es fehlt das politische Vokabular, um dieses Phänomen sinnvoll einzuordnen. Die einzige verfügbare Erklärung für diese Entfremdung wird daher dort gesucht, wo Fremdheit klar identifizierbar ist – auch wenn das zu paranoide Vermutungsstürmen und zu wüsten Verschwörungstheorien führt.

Die mit der Fremdheit im eigenen Land einhergehende tiefe Verunsicherung erklärt auch das seltsame Gedruckse der Entfremdeten: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber…“ ist keine Schutzbehauptung, sondern offenbart, dass sich die Entfremdung nicht nur auf die Gegenwart des Fremden beschränken lässt. Häufig geht der Fremdenhass einher mit einem wachsenden Hass auf die eigene Gesellschaft, in der man sich selbst abgehängt fühlt. Mit einer tiefen Bindung zur deutschen Kultur oder zur deutschen Geschichte hat die moderne Fremdenfeindlichkeit nur am Rande zu tun.

Das Problem ist also nicht eine von außen kommende „Überfremdung“, sondern eine innere „Entfremdung“ von der eigenen Gesellschaft. Und in dieser Entfremdung sind sich „Wessis“ und „Ossis“ ähnlicher, als sie denken. Wenn wir das nicht erkennen und nicht damit beginnen, Befürchtungen und Ängsten von Menschen ernsthaft zu begegnen, sondern ihnen weiterhin den Mund verbieten und sie gegeneinander aufhetzen, werden die Selbstentfremdung und die Entzweiung weiter fortschreiten. Wenn einem fast alle Menschen fremd sind, spielt es keine Rolle, wo sie herkommen.

Matthias Heitmann ist freier Publizist und Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (TvR Medienverlag, Jena 2015, 197 S., 19,90 Euro). Seine Webseite findet sich unter www.zeitgeisterjagd.de.
Dieser Artikel ist am 26.02.16 zuerst in der BFT Bürgerzeitung erschienen.

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Kommentare {26}

  1. Es wird oft vergessen dass “Wirklichkeit” seit längerem zum großen Teil durch die Massen-Medien geschaffen wird. Sagen wir mal zur Hälfte.
    Die andere Hälfte entsteht durch die unmittelbare Alltagserfahrung.

    Wenn ich also auf dem Dorf in Sachsen sitze, und sehe in den Medien Szenen vom Flüchtlingsstrom an der bayerischen Grenze, dann wird dieses Bild natürlich Teil dessen was ich als meine Welt betrachte. Und natürlich betrifft das dann auch in der einen oder anderen Form, früher oder später auch mich.
    Wir leben eben nicht mehr isoliert in Weilern, bis vielleicht mal ein fahrender Sänger vorbei kommt.

    Die Arroganz der “Progressiven”, die sich über angebliche Provinztrottel lustig machen, ist also selbst eher unklug.

    Das ist übrigens für mich fast das Schlimmste derzeit:
    die Enttäuschung über die Denkschwächen und die Überheblichkeit die die Immigrationsdebatte auf der linken und Multikulti-Seite auszeichnet. Keine Ahnung vom Islam, meist noch nie im Koran gelesen, aber man erklärt den Provinzlern mit maliziösem Lächeln dass er keine Sorge haben muss. Usw…

    Diese Dämlichkeit zieht sich bis in die edlen Redaktionsräume der ZEIT, wo tatsächlich Schreiber sitzen die glauben uns erklären zu müssen dass es im Ausland lecker Essen gibt, das Immigranten mitbringen, und in New York wunderbar buntes Multikulti. Damit wir unsere hinterwäldlerische Verstocktheit aufgeben, und endlich alle im Chor erwartungsfroh “Welcome” rufen.
    Zum Lachen und Weinen ist das.
    Kann es sein dass wir in den letzten Jahrzehnten kollektiv verblödet sind und es keiner gemerkt hat?

  2. Kleiner Nachtrag:

    Spätestens dann, wenn sich der Eindruck aufdrängt, die hiesige Bevölkkerung müsse sich im Grunde in die Migranten integrieren, wird der Kern dessen, was man hier vor hat klar. Und friedliche Gegenwehr ist nicht nur verständlich, sondern geboten.

    Herzliche Grüße

    Gerold Keefer

  3. Ja, es gibt in Deutschland Rassismus. Die häufigste Form ist allerdings der Auto-Rassismus von Deutschen gegen Deutsche. Unter diese Form von Rassismus muss man auch viele Äußerungen gegen die Sachsen einordnen;

    Es hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, wenn sich Bürger gegen eine unkontrollierte, unbegrenzte Massenweinanderung wehren. Das ist nämlich kein Naturereignis, sondern von Kanzlerin Merkel gegen den mehrheitlichen Willen der Bürger so gewollt. Die Mittel dazu dürfen ganz klar nur friedliche sein.

    Der materielle Wohlstand hat viel vergessen lassen, was ein Gemeinwesen zum funktionierten bringt – und was es sprengt. Dazu gehört eine kulturelle Identität als Basis für ein Zusammenleben in Frieden und Wohlstand, die uns nun abschließend genommen werden soll.

    Übrigens ist gerade eine intakte kulturelle Identität Voraussetzung für wirklich gelingende Integration. Das macht uns die Schweiz mit einen Ausländeranteil von fast 25% bei bester Integration vor.
    Man stelle sich die Widerstände der Schweizer vor, wenn eine Berner Regierung eine vergleichbare Masseneinwanderung zulassen würde …

    Bezeichned ist, dass einfache Menschen die Zusammenhänge viel treffender auf den Punkt bringen können als viele Akademiker, die zu lange studiert haben.
    Ein slawischer Busfahrer, der die Migranten beförderte, hat es in einer Dokumentation so formuliert: “Europa kaputt!”

  4. Warum ich Angst habe: In den vergangenen acht Jahren in den USA habe ich das nationale Selbstverstaendnis zu schaetzen gelernt. Als ich 1991 nach dem Studium aus dem Osten nach Süddeutschland kam, erschien es mir, dass nichts das deutsche Boot erschüttern könne. Wirtschaftlich stark, kosmopolitisch und Fremden gegenüber gastfreundlich und aufgeschlossen, in typisch deutscher Art, direkt, freundlich und sehr offen. Später ging ich in die USA zu einem zweiten Studium und arbeite seitdem hier. Was ich hier erfahren habe, ist dass dem Land die Infragestellung oder der Verlust der kulturellen Prägung durch europäische Vorfahren nicht gut tut. Die Angst der Diskriminierung von Minoritäten, hauptsächlich Afroamerikaner und Latinos, lähmt das gesellschaftliche Zusammenleben. Es geht hier nichts mehr ohne Quote. In Hollywood finden es viele Regisseure mittlerweile zu riskant einen afroamerikanischen Charakter in einem Film zu zeigen, da, wie immer man ihn auch zeichnet, Vorwürfe der Stereotypisierung und Rassisus kommen werden. Entweder ist er ein Onkel Tom oder “noch black enough”, oder, oder… Der Februar ist “Black History Month”. In Interviews im Classic Radio wird die afroamerikanische Musikerin nicht nach ihren Vorlieben bezüglich der Werke klassischer Komponisten gefragt, sondern danach, wie sie sich als Schwaerze in der weiss dominierten Musikerwelt fühlt. Das Bildundssystem ist soweit abgehoben, dass oft schon die Beschäftigung mit Shakespeare als “dead white male” der Vorwurf des Rassismus folgt. Stolz auf etwas ist immer etwas exklusives, unter Ausschluss anderer Dinge. Man hebt die besondere Leistung hervor, im Kontrast zu anderen. Dadurch wird sie erkenntlich und erstrebenswert. Wenn wir nicht mehr auf Chopin stolz sein koennen, das er ein Weisser ist und man so dem Vorwurf des Eurozentrismus ausgesetzt ist, kann seine Musik anderen nicht mehr nahegebracht werden. Aus Angst vor der moralischen Keule der Diskriminierung einigt man sich auf ein Ghetto-Einheitsmass. Die Jugend ist davon sehr betroffen und gelähmt. Junge Männer denken tatseachlich, dass Frauen in den USA diskrimiert werden und sind demensprechend verunsichert. Junge Frauen fühlen sich oft ohne Grund auf der Opferseite.
    Eigenheiten einer Kultur entstehen in Ruhepunken gegensätzlicher Strömungen wofür diese nicht zu stark sein dürfen. Hier redet niemand wie ihm der Schnabel gewachsen ist, zumindest nicht öffentlich. Dieses Jahr gab es zahlreiche Proteste an den Universitaeten die zum Rücktritt vom Fakultätsmitgliedern geführt haben, alle im Namen der Victomology. Ein Mexikanerhut als Halloween Kostüm ist “offensive”. Teilnehmer an solchen Protesten sind oft Minoritäten die sich über gefühlte Benachteiligung beklagen, Studenten die typischerweise schwächere Zulassungskriterien als Amerikaner kaukasischer oder asiatischer Abstammung bestehen mussten und deren Protest einfach oft ein Ausdruck akademischer Überforderung ist. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Das mag hier in Amerika alles noch funktioneren, das Land ist gross genug um sich aus dem Weg gehen zu können. In Belgien gab es schon hinreichend Verteilungskaempfe zwischen den flämischen und französischen Minderheiten. Bis Anfang der 90iger Jahre (vielleicht) war Deutschland noch damit gesegnet, dass es Einwanderer als ihr Glück ansahen, deutsch zu werden. Mely Kiyak gibt uns einen Vorgeschmack darauf, was uns in Zukunft bevorstehen wird und womit wir dann täglich konfrontiert werden. Jede Leistung, alles Schätzenswerte was der Boden deutscher Eigenart hervorbringt, wird zur Anklage freistehen, da es ja unter Ausschluss anderer zustande kam. Wir werden damit in Talkshows täglich konfrontiert werden, wir werden alle nur noch schuldig sein. Deshalb bitte, wer nach Deutschland kommt, sollte die Bereitschaft haben, das Deutsche anzunehmen. Dass Deutschland sich damit verändert ist keine Frage. Jedoch bitte bewahrt das Land davor, in Minderheiten zu zerfallen, die ihren Opferstatus vor sich hertragen. Amerika zeigt wieviele Energien darauf verschwendet werden. Ostasien schaut auf uns mit Erstaunen und sagt “niemals”.

    1. @ Hallo Expat ! Vielen Dank für die hervorragende Bestandsaufnahme der Verhältnisse in den Staaten ,welche schon längst Dank einer degenerierten und verkommenen Medien und Politikklasse auch hier in Deutschland Wirklichkeit geworden ist ! Die verlogene politische Korrektness , die Selbstzensur , und der hündische verauseilende politische Gehorsam ist in Deutschland auf dem besten Wege eine in vielen Jahrhunderten entstandene Kultur aus zu löschen ! Auf dem Spiel steht in diesem Land das freie Wort , die innere Sicherheit , die Solidarität seiner Einwohner untereinander , die sozialen Errungenschaften und nicht zuletzt der Frieden ! Unter der Decke eines derzeitigen Wohlstands für große Teile der Bevölkerung , werden die Probleme erst später – aber um so heftiger – das Land aus seinen Tiefschlaf aufwachen lassen ! Das ist alles sehr traurig !

    2. Das ist der beste Beitrag zum umstrittenen Thema “Leitkultur”, welchen ich bisher lesen durfte, zudem sehr sachlich. Danke!

  5. Ein guter Artikel.
    Ich denke aber, es hat noch einen anderen, ganz profanen Grund, warum es in Gegenden mit wenig Fremden zu mehr Protesten und Ablehnung kommt. Schauen wir die andere Seite an, um dies besser zu verstehen. In Gegenden mit hohem Ausländeranteil, also auch Moslemanteil gibt es wenige bis gar keine Proteste. Nach meiner Erfahrung liegt das nicht an mehr Zustimmung, sondern schlicht und ergreifend daran, daß man sich nicht mehr traut, zu kritisieren. Es liegt am sozialen Druck, bzw. Gruppendruck. In meiner Zeit in der SPD mußte ich die Erfahrung machen, daß sich das Meinungsbild der deutschen Mitglieder sofort der antezipierten Meinung des moslemischen Vorsitzenden anpaßte, wenn er da war. War man jedoch “unter sich” sprach man viel freier, ohne Blatt vor dem Mund. Ich nehme dafür zwei Gründe an. Erstens, vor einem Moslem achtet man pinibel darauf, nicht als fremdenfeindlich zu gelten. Zweitens, diese Sichtweise verleiht dem Moslem automatisch eine Aura der Unantastbarkeit, der man mit Ehrfrucht begegnet. Deutsche reden viel vorsichtiger, wenn ein Moslem anwesend ist.
    In Gegenden, in denen nur wenige Moslems leben kann man dagegen noch reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist.
    Das würde bedeuten, daß in Gebieten mit hohem Moslemanteil, ebenso viel Ablehnung vorherrscht, die man aber nicht äußert. Aus Höflichkeit, wegen der ehrfürchtigen Haltung vieler Deutscher gegenüber den ‘integrierten’ Moslems und schlicht wegen des Gruppendrucks, der jede ablehnende Haltung zum Tabu macht.
    Ergo: in Gebieten mit geringem Ausländeranteil sind die Deutschen noch echt, quasi naturbelassen. In Gebieten mit hohem Ausländeranteil halten sie sich zurück, verstellen sich und versuchen, sich anzupassen. Ich denke, das kann man auch ‘Entfremdung’ nennen. Vor allem, wenn Deutsche plötzlich anfangen an der Currywurst herumzumäkeln, oder in Genitalverstümmelungen den Audruck einer unbedeutenden kulturellen Besonderheit zu sehen.
    Der Film “der Untertan” lieferte meiner Meinung nach ein hervorragendes Beispiel für die “urdeutsche Seele”.

    1. In Stadtteilen mit einem hohen Migrantenanteil finden Sie sehr oft auch sozial schwache Deutsche. Die, die es sich leisten können – und die Energie haben ziehen aus solchen Gegenden fort. Die Schulen sind hoch belastet – und ein normaler Unterricht ist oft nicht möglich.

      Ich habe solche Gegenden in Großbritannien, Dänemark und Deutschland gesehen. Die einheimische Bevölkerung ‘flieht’ – sie nehmen ihre Kinder und bringen sie auf gute Schulen. Zurück bleiben die Schwächeren (Ärmere, Menschen mit Suchproblemen, Kranke) – und die Migranten bleiben oft unter sich. Das ist ein absoluter Teufelskreis – Ghettoisierung – schlechte Bildung – falsche Adresse – und Suche nach Halt.

      Das Menschen keine großen Asylantenkästen bei sich in der Nähe haben möchten, ist vollkommen verständlich. Insofern halte ich den Protest in Hamburg auch für vollkommen nachvollziehbar. Diese Stadtquartiere werden sich nachhaltig verändern – so eine Art umgekehrte Gentrifizierung (also nicht eine Erhöhung der Immobilienpreise, sodass es sich nur noch Wohlhabende leisten können – sondern ein Verfall). Die Eigentümer müssen Wertverluste fürchten und eine tiefgreifende Veränderung ihres Umfelds.

    2. Hallo Frau Berger ! Mit der Nennung des Films der Untertan , haben sie punktgenau den Nagel auf dem Kopf getroffen ! In Wahrheit haben wir es heutzutage mit den alten deutschen Untertanen im neuen amerikanisierten Outfit zu tun ! Das Schwarmverhalten der Massen in Westdeutschland hatte sich mindestens seit 1968 ins multikulturelle links verschoben . Ein mieses Mitläufervolk was sich durch rot – grüne Massenpropaganda der Medien entmündigen ließ ! Das Erbärmliche ist das Manipulierte , Mitläufer und Nutznießer der gesellschaftlich relevanten Gruppen Westdeutschlands , mit Parolen wie Anstand , Aufklärung und dem Nazi – Hammer dieses Land der Gefahr einer düsteren Zukunft übergeben haben ! Zu allen erbärmlichen Überfluss bemühen sich diese verdrehten linken Gehirne , die großen Geister der Aufklärung für ihre schwachsinnigen Zwecke zu instrumentalisieren ! In ihrer Blödigkeit und Verlogenheit versuchen sie im Namen der wehrhaften Demokratie alles Denken zu unterdrücken und zu verbieten was nicht nicht mit ihren Ansichten übereinstimmt ! Die alten Dämonen der Vergangenheit sind ganz offensichtlich im neuen Gewande wieder im Zentrum der Macht !

  6. Bitte erklären Sie mir das noch einmal, Herr Gastautor:
    Ich sitze in der U-Bahn (tue ich jeden Tag), Sitzbänke gegenüber, zwischen zwei Türen sitzen je sechs Fahrgäste. Alle, außer mir, sprechen kein Deutsch, sonder eine große Vielzahl von Sprachen. Das erkenne ich an der Sprache, in der sie telefonieren, oder der Anzeigesprache ihres Mobiltelefons. Andere sind zweifellos keine Deutschen, Asiaten, Afrikaner, Inder, „Südländer“, Muslime mit Kopftuch usw.
    Das passiert mir sowohl in London als auch in Berlin. In London sprechen immerhin FAST ALLE außer mir Englisch. Dort fühle ich mich fremd (nicht mehr wirklich, dazu fahre ich die Jubilee Line zu oft inzwischen, aber zumindest nicht dazugehörend) In Berlin sitze ich in der U8. Auch hier spricht niemand außer mir Deutsch oder ist ein Deutscher. Warum ist mein Gefühl, „fremd in eigenem Land“ zu sein, eine Reflexion auf eigene Fremdheit? Warum habe ich das gerade dort in der U-Bahn und weniger im Büro, in dem kaum ein „Nicht-Deutscher“ arbeitet? Warum habe ich mich 1980 in der U-Bahn noch nicht so fremd gefühlt, es sei den in der U1 zwischen Halleschem und Kottbusser Tor?

    1. @ Hallo Herr Hellersberger ! Vielleicht leiden sie ja an Xenophobie ! Normal sind alle Bundesbürger die von der Genderthematik bis zur bunten Republik alles verinnerlichen was der große Bruder in den Medien uns weis machen will ! In der ehemaligen Sowjetunion wurden Leute in die Klapsmühle eingewiesen welche nicht an die Überlegenheit des Kommunismus glauben wollten ! Ein politische Ideologie mag noch so absurd sein – aber wenn sie es schafft diese absurden Zustände , flächendeckend durchzusetzen – knicken die Leute ein und betrachten es mit fortschreitender Zeit am Schluss als ganz normal ! Man braucht vom Prinzip her nicht nach Nordkorea reisen um die Richtigkeit der Thesen von Orwell zu studieren . So weit wie dort sind wir natürlich noch nicht , aber wohin werden wir gehen ? ! Für mich ist es jedenfalls erschreckend von welcher Kaltblütigkeit Menschen sind , die prominente Träger der wechselnden Systeme sind !

  7. An allen Kommentaren ist etwas wahres, in der Widerspiegelung der zunehmend gefühlten oder erlebten Überfremdung.
    Der Sachse oder gar der Ossi muss ja fremdenfeindlich sein, folglich Angst vor Überfremdung haben, er hat bedingt durch seine Vita keine wahre demokratischen Umgangsformen erlernt – so die Erklärungsmuster unserer sog. willfährigen “eingenordeten” geistigen Elite. Als Ossi habe ich die 2 Systeme kennenglernt. Nach der Wende lebte ich mit der Familie 10 Jahre in Bayern und musste die Bequemlichkeitsverblödung der Menschen bereits schon dort erleben. An Schulen und Universitäten hatte der Neomarxismus seine Blüte entfaltet. Man braucht sich nicht zu wundern warum keine Studenten oder Schüler, wie früher gewohnt, gegen das Establishment auf die Straße gehen. Die neomarxistische Indoktrination hat weitreichende Folgen in dieser westlichen Gesellschaft. Als vermeintliche Demokraten mit besonderem Toleranzgehabe, Selbstverliebtheit und falsch verstandenen pazifistischen Regungen wurde das Ehrgefühl aberzogen, womit auch der Wille zur Selbsterhaltung vor sich und der Welt ausgeschaltet wurde. Dazu passt die Feststellung von Rainer Glagow:
    “…Die eigentlichen Voraussetzungen für den (Un-)Geist der Selbstaufgabe sind in den letzten Jahren durch die Kulturrevolution geschaffen worden. Das Gutmenschentum, die Multikultis mit der falsch verstandenen “Toleranz” kommen dem Islam in allen Belangen entgegen.
    Man unterwirft sich dem Opferkult der Minderheit, flößt der Mehrheit Minderwertigkeitskomplexe ein, begegnet der Intoleranz mit dem Gebot grenzenloser Toleranz und bedeutet das diffuse schlechte Gewissen, das die Wohlstandsgesellschaft plagt.” Und in dieser westlichen Wohlstandsgesellschaft, die dem Ossi einiges voraus hat,
    wurde eine “Humanität erzogen, die aus Weichheit, Charakterschwäche, Angst, Feigheit, Erkenntnis der eigenen Hilflosigkeit und Bedürftigkeit entspringt, jene Humanität, die als Duldsamkeit eines unkämpferischen Pazifismus zerstörend und unschöpferisch wirkt und im Grunde auf ein Missverstehen notwendiger Grenzen und Bedingungen der Toleranz zurückgeht.” Unsere Gesellschaft wurde somit auch Opfer der eigenen Demokratie . “Mehr Demokratie wagen heißt, mehr Bürokratie in Kauf zu nehmen. In allen Lebensbereichen erzeugt mehr Demokratie mehr Bürokratie, weil sich die Leute über ihre Ansprüche definieren, die der Staat als Rechte schützen soll.” (Bolz). Mit der Folge der Bürokratisierung wird unser Miteinander , das Recht derart kompliziert. Das schlimmste, als Folge der Bürokratie, ist die Dominanz von Mittelmäßigkeit und Verlogenheit.
    Moralische Instanzen, vor allem jene aus dem bürgerlich konservativem Lager haben es schwer und werden verlacht. Vorbilder sind häufiger menschliche Nullen mit sehr viel Ehrgeiz”, also Mittelmäßigkeit und Verlogenheit – in Politik, Wirtschaft, Lehre, Wissenschaft, Kirchen als auch Ethik-Kommissionen.
    Kurzum, der Ossi, voran der Sachse, Menschen, die im realen Lebenskampf stehen, Handwerker, Selbständige etc. die für PEGIDA und AfD auf die Straße gehen, haben den Instinkt und Mut bewahrt, staatlicher Bevormundung, übermäßiger Bürokratie und Verlogenheit den Kampf anzusagen – man erinnert sich zu sehr an alte Zeiten! Auf beiden Seiten hat man jedoch, abgesehen von der indoktrinierten Jugend, noch zu viele Leute die uniformiert sind und von der “politischen Staats-Agitation” geleitet werden, die Bequemlichkeitsverblödeten mit ausgesprochener vom Hedonismus bestimmten Gleichgültigkeit, die informierten jedoch kritischen oder zweifelnden, vom Arbeitgeber kontrollierten Leute, die sich nicht wagen oder kurz vor dem Ungehorsam stehen. In vielen Städten der alten Bundesländer trauen sich die mittlerweile kritischen Menschen, bis auf die vergleichsweise wenigen mutigen, nicht auf die Straße, aus Angst vor dem linksfaschistischen und islamischen Schlägertrupps. Um dem vorzubeugen geht der Sachse, im Sinne der Selbsterhaltung schon heute auf die Straße und der Sachse hat im Physikunterricht aufgepasst: “Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein”!

  8. Ich bin sogenannter Wessi und schäme mich für die westdeutsche Arroganz dem Osten gegenüber. Wären die Ostdeutschen eine eigene Rasse, so wären sie aktuell Opfer eines hemmungslosen Rassismus. Als jemand aus dem Ruhrgebiet ist man Vergleichbares in abgeschwächter Form schon lange gewohnt.

    Ich glaube übrigens, dass die Ostdeutschen den übrigen Europäern (auch denen im Westen) sehr viel ähnlicher sind, als die auf Linie gebrachten Westdeutschen.

    Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich anfügen, dass ich die jüngsten Übergriffe in keiner Form gut heiße.

    1. Sie sprechen mir aus der Seele

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