Scharia: Arbeit am Endsieg

Der Islam tritt in Europa zu einer historischen Zeit auf den Plan, in der die Idee vom Fortschritt schwach geworden ist.

Sultan Mehmed V. begrüßt Kaiser Wilhelm II. bei seiner Ankunft in Istanbul. Auf der linken Seite des Sultans ist Hakki Pascha, der türkische (osmanische) Botschafter in Berlin
Sultan Mehmed V. begrüßt Kaiser Wilhelm II. bei seiner Ankunft in Istanbul. Auf der linken Seite des Sultans ist Hakki Pascha, der türkische (osmanische) Botschafter in Berlin

Lange war sich der Westen nicht des neuen Religionskriegs bewusst, in dem er sich befindet. Der global agierende islamische Terrorismus setzt seine Vorstellung von Frieden in der Welt um. Der Islam ist eine Religion des Friedens, wie das Römische Reich ein Friedensreich war und seine Pax Romana mit den Mitteln des Krieges durchsetzte. Die islamistische Friedensbewegung der Gegenwart ist der Terrorismus und der asymmetrische Krieg. Er hat im Nahen Osten eine Ochlokratie errichtet und wendet sich nun dem Westen zu.

Zur Verwirklichung jeder Utopie gehört der Terror als Methode

Wir erleben eine zweite Globalisierung: Die Islamisierung als weltweites Projekt. Die Installierung der primären Staatsangehörigkeit „muslimisch“. Die Proliferation der Scharia. Die Scharia ist die neue Utopie. Zur Verwirklichung dieser wie jeder Utopie gehört der Terror als Methode. Terror ist das irdische Fegefeuer. Er dient der Vervollkommnung der Menschheit und der Welt und ist darum notwendig. Nach islamistischem Verständnis sind Terrorgruppen karitative Einrichtungen, die zakat erhalten (Geld aus dem Almosenaufkommen der Gläubigen.)

Überraschend kommt dies alles nicht. Man wusste oder hätte wissen müssen: Islamismus ist eine gefährliche eliminatorische politische Bewegung. Der Islamismus bekennt sich öffentlich eindeutig zum Völkermord. (Goldhagen, Schlimmer als Krieg, S. 520, 522). Die Islamisten sagten direkt, worum es ihnen geht, und trotzdem wusste der Westen nichts. Wollte nicht wissen, konnt’s nicht glauben?

Der islamische Terrorismus hat und hatte viele Helfer: Die direkten Unterstützer, die Befürworter von Terrorangriffen im allgemeinen, die große Menge der Tatenlosen, in deren Namen gemordet wird und die diese Inanspruchnahme nicht zurückweisen und als „moderat“ gelten, die religiösen Führer, die abwiegeln, die religiösen Führer auf der Opferseite, die Verständnis einfordern, eine Horde von Identitätsfälschern auf der Täterseite, die sich als die wahren Opfer darstellen, und die Eliten in Politik und Medien, die sich als Cheerleader des Islams betätigten und die Zeichen an der Wand leugnen. Der Widerwille zu denken, die Verleugnung der Anzeichen und das Wunschdenken sind die Triade der narzisstischen Illusion.

Islamisten hassen den Westen um seiner selbst willen und nicht, weil er einmal Kolonien hatte und vom Süden unverhältnismäßig profitiert. Islamisten hassen die offene Gesellschaft, die nicht nach den Regeln der Scharia lebt. Das ist der letzte Grund. Islamisten werden erst Ruhe geben, wenn die ganze Welt islamisch ist.

Islamisten verstehen sich als Widerstandskämpfer. Der Westen mit seinen Werten Volkssouveränität, Gleichheit vor dem Gesetz, Gewaltenteilung, Säkularismus, Pluralismus, Religions-, Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit ist der materialistische Aggressor, gegen den der Islam mit seiner vorgeblich überlegenen Spiritualität verteidigt werden muss.

Judenfeindschaft gehört zum Kern des Islams

Der Inbegriff des Materialismus ist und war schon immer der Jude. Der Jude im Kollektivsingular. Dies ist auch altes christliches Gedankengut. Der Judenhass ist Teil des christlichen Erbes des Islams, das, wie an anderer Stelle ausgeführt, essentiell für ihn ist. (Köster, Der missverstandene Koran) Judenhass war lange Zeit politisch korrekt, gestützt vor allem von der Kirche, ohne deren Vorarbeit der Holocaust nicht möglich gewesen wäre. Die „Judentracht“ wurde auf dem IV. Laterankonzil (1215) festgelegt: Gelber Fleck im Obergewand und eine gehörnte Kappe. Diese sollte an die Abstammung vom Teufel erinnern. Hitlers Motto lautete: „Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn!“ (Mein Kampf, S. 70, i. O. gesperrt gedruckt) Er sah sich als Weltarzt, dessen Erlösungswerk die Ausrottung der Juden war. Hitler wurde niemals exkommuniziert. Die katholische Kirche war ihm das bewunderte Vorbild für Struktur und Ästhetik von Herrschaft.

Judenfeindschaft gehört zum Kern des Islams. Das Verhältnis zu den Juden zeigt, wie es um die Toleranz im Islam bestellt ist. Obwohl ihnen theoretisch der Status eines Buch-Volkes zusteht, der ihnen zumindest das Recht auf Leben zubilligt, sind sie realiter zur Ausrottung freigegeben. Nach Auffassung von Yussuf al-Qaradawi, einem der wichtigsten und durch seine zahlreichen Fernsehauftritte bis in den letzten Winkel der muslimischen Haushalte einflussreichsten islamischen Rechtsgelehrten der Gegenwart, war Hitler das bisher letzte Werkzeug Gottes, das die Juden ihrer gerechten Bestrafung zugeführt habe. Gemäß einem Diktum des früheren Großscheichs der Al-Azhar-Moschee, Mohammed Sayyid Tantawi, ist Antisemitismus nur eine Erfindung der Juden zu dem Zweck, ihre Pläne besser durchsetzen zu können. Eine solche Beanstandung oder Klassifizierung ist darum unbeachtlich und nicht ernst zu nehmen. (Bostom, Sharia versus Freedom, S. 84f) Auch der Holocaust hat aus islamischer Sicht nicht stattgefunden. Mit den Stellungnahmen al-Qaradawis und Tantawis, die beide auch terroristische Angriffe gegen Zivilisten für zulässig erklärten, ist der Dschihadismus im orthodoxen Mehrheitsislam angekommen.

Die Muslime im Westen sind nicht die neuen Juden, wie sie zuweilen behaupten. Die neuen Juden sind die alten, die sich nicht nur wieder christlich-westlichem Antisemitismus, sondern auch muslimischem Hass ausgesetzt sehen, der sich aus der Tradition speist. Die Judeophobie ist im Islam selbst begründet und nicht erst das Ergebnis nationalsozialistischer Propaganda in arabischen Staaten während des Zweiten Weltkrieges oder eine Folge der Gründung des Staates Israel.

Hitler ist bis heute die Basis des Prestiges des Deutschen in arabischen Ländern

Der Islam ist das falsche Objekt zur Abarbeitung des deutschen Schuldtraumas. Der Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, war ein Kumpan Adolf Hitlers. Er war euphorisiert von der Idee der Vernichtung der Juden und enthusiasmiert, dass nun wirklich jemand diese Idee in die Tat umsetzte. Die Allianz der Nazis mit dem Mufti kam nur deshalb zustande, weil ein vorgängiges Einverständnis über die Vernichtung der Juden bestand. Himmler schwärmte von der „weltanschaulichen Verbundenheit“ zwischen dem Nationalsozialismus und dem Islam. Er und der Mufti waren sich einig, dass der Nationalsozialismus als völkisch bedingte deutsche Weltanschauung und der Islam als völkisch bedingte arabische Weltanschauung im Judentum einen gemeinsamen Feind hätten. Judenhass war der Urgrund für die Sympathien der Araber für das Dritte Reich. Die Hochachtung für Hitler ist die Basis des Prestiges, das Deutsche und Deutschland heute noch in arabischen Ländern genießen.

Judenhass gehört zur islamischen Folklore. Im Christentum stammen die Juden vom Teufel ab (Joh. 8:44), im Islam sind sie Nachkommen des Daddschal, dem islamischen Anti-Christ, oder sind sogar mit ihm identisch. Sie sind das Böse schlechthin. Sie korrumpieren Gesellschaften. Sie sind ewige Verbrecher kosmischen Ausmaßes. Gemäß islamischer Geschichtsschreibung hatte sich vor Hitler schon eine andere Person das Ziel gesetzt, die Juden auszurotten: Mohammed. Die Sira, die Lebensbeschreibung Mohammeds, erzählt von der Auslöschung des jüdischen Qurayza-Clans in Medina. Die Menschen wurden in kleinen Gruppen ins Stadtzentrum gebracht, wo Gräben ausgehoben waren, in denen sie enthauptet wurden. Da dieses Ereignis in keiner jüdischen Schrift verzeichnet ist, was aber gemäß seiner Bedeutung der Fall sein müsste, wenn es tatsächlich stattgefunden hätte, ist davon auszugehen, dass es nicht historisch ist. Für gläubige Muslime ist es aber geschichtliche Wahrheit, für die man sich keineswegs zu schämen hat, sondern die im Gegenteil rühmenswert ist. Diese Geschichte legitimiert Gewalt gegen Juden bis heute. Sie ist der Keim eines islamisch geführten Holocaust.

In der Besorgnis, nicht denselben Fehler noch einmal zu machen, macht man ihn wieder. Um sich keinen Rassismus nachsagen zu lassen, wird der Islam ohne klare Grenzen toleriert und das darin verborgene Potential an Judenhass ignoriert. Interessierte Kreise erkennen allerdings die Möglichkeiten und begrüßen Muslime als Stellvertreter-Antisemiten.

Der Islam ist der Zunder für das Feuer des Islamismus. Islam hat soviel mit Islamismus zu tun wie der Katholizismus mit der Inquisition. Wenn der Islamismus nur eine „Abirrung“ ist, so war auch die Inquisition nur eine Abirrung, bedauerlicherweise gerade der Kirchenführer, vom wahren Glauben. Diese „Abirrung“ hat viele Opfer gefordert, die Kirche hat heute noch an ihrer historischen Schuld zu tragen, aber wir haben immer noch nicht gelernt, dass ein Glaube Verbrechen bewirken kann.

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Kommentare {56}

  1. Eine hervorragender Essay! Danke!

  2. Ich habe den hervorragenden Artikel von Barbara Köster und die zwei zutreffenden Kommentare dazu von Frank Royale und Jan-Hendrik Schmidt in einem Freundeskreis vorgelesen. Ich war entsetzt über die Reaktionen, die ich bekam.
    Von acht Zuhörern/Innen gab es nur eine Person, die meinte zu ahnen, dass der Artikel und die Kommentare einen gewissen Wahrheitsgehalt hätten. Die anderen glaubten nach dem Hören aller Texte, dass es doch nicht so schlimm werden würde: die Ankömmlinge würden sich doch integrieren.
    Ich stellte nach dieser Antwort noch die Frage, woher sie da so sicher seien?
    Ihre Antwort war: Wenn es anders wäre, wäre es ja furchtbar.
    Mir blieb die Luft weg und ich brach den Dialog ab.

  3. Man kann die Dinge als Puzzelteile so hinlegen, dass ein solches Bilde vom Islam entstehen kann, wie das die Autorin gemacht hat. Eine solche Sicht auf den Islam findet man im modernen Judentum, vor allem in dessen heutiger Hauptströmung, dem modernen Zionismus – nicht im klassischen Judentum. Das Zusammenleben zwischen Moslems und Juden war in der Geschichte – bis zur Staatsgründung Israels, – eine mehr oder weniger friedliches, abgesehen von der Zwangsislamisierung der Bevölkerung während der militanten Ausbreitung des Islam im frühen Mittelalter.

    Das friedlichere Nebeneinander von Moslems und Juden – blühende jüdische Gemeinden von Nordafrika bis in den fernen Osten mögen Beleg genug sein – endete 1948.

    Die Ursache eines sehr viel besseren Miteinander als dem zwischen Christen und Juden lag u.a. darin begründet, dass sich beide als Monotheisten ansehen, die beide zudem die Beschneidung sowie rituelle Speisegebote einhalten, während die Christen nach dem Konzil von Nicäa und der Verfolgung der Arianer als Polytheisten angesehen wurden und noch immer werden, da das Konstrukt einer Dreieinigkeitslehre einen für Juden und Moslems unauflöslichen Widerspruch in sich begründet. Das Essen „unreiner Tiere“ führte zu einem weiteren Abscheu von Moslems und Juden vor den Christen. Die Judenfeindschaft gehört zum Kern des Christentums nicht des Islam, auch wenn dies vom modernen Zionismus anders gesehen wird.

    Christen waren seit ihrer Gründung sehr viel unduldsamer anderen Glaubensgemeinschaften gegenüber aufgetreten. Ihre Beharrlichkeit führte zu dem Erfolg, dass die Christen schließlich als erste der drei Religionsgemein-schaften zur Staatsreligion im Imperium Romanum wurde – und zu Verfolgern wurden. Die Kalifen mögen sich ein Beispiel daran genommen haben.

    Bezüglich der Haltung Hitlers zum Judentum ist richtigerweise die zentrale Stelle in „Mein Kampf“ zitiert, allerdings mit der Insinuierung, dass Hitler die Juden vernichten wollte. Dass dies heute anders gesehen wird – ich verweise auf einen Beitrag von Sven Kellerhoff in der Welt vom 19.12.2011 – widerspricht zwar dem § 130 des deutschen StGB und der Auffassung des modernen Zionismus, ändert aber nichts an seiner Korrektheit.

    Der Schutz eines weltanschauliches Bekenntnisses in Deutschland wird die Bereitschaft in der öffentlichen Meinung fördern, auch religiöse Bekenntnisse – insbesondere die des Islam zu schützen – mit allen Gefahren, die durch eine Kritikabwehr für eine Gemeinschaft verbunden sind, die in der Zukunft friedlich mit anderen nebeneinander leben wollen.

    Wenn sich, wie in Israels, religiöse mit weltanschaulichen Bekenntnissen mischen, so ist ein friedliches, emanzipatorisches Miteinander der verschiedenen Bekenntnisgemeinschaften auch für Deutschland nicht mehr gesichert. Necla Kelek wies wiederholt auf die Eigendynamik der Moscheegemeinden hin, die in der Diaspora wesentlich wurzelorientierter sein können als im Heimatland der Vorfahren, zudem die Taqīya ein wichtiges Gebot für viele Moslems im öffentlichen Raum sein wird.

    Die Gewährung von Schutz vor Kritik an Narrativen von Bekenntnisgemeinschaften ist das bedeutendste Vergehen gegen die Aufklärung im Sinne Kants. Seit den 80er Jahren hat sich eben jener Ungeist ausgebreitet, der den heutigen intellektuellen Mainstream in Deutschland bestimmt.

    Sofern nicht – möglichst rasch – wieder zu den beiden Grundregeln Kants zurückgefunden wird, seinem kategorischen Imperativ anstelle einer unerfüllbaren „Nächstenliebe“ – die ja die wiederum unerfüllbare Eigenliebe voraussetzt – und dem unbedingten „sapere aude“ mit der wieder in Wertsetzung des Artikels 5 des GG – ist Deutschland auf keinem guten Weg.

    Die Zulassung von Kritik – sowohl gegenüber den Bekenntnissen des Islam wie jenen des modernen Zionismus, des orthodoxen Judentums, des Christentums etc. auch auf die Gefahr hin, dass sich Menschen verunglimpft oder beleidigt ansehen könnten – sind unabdingbare Voraussetzungen für eine Gesellschaft, die nicht von irgendwelchen Heilslehrern, -bringern noch einmal erobert werden kann.

    Derzeit ist das Duckmäusertum und die Glaubensbereitschaft leider verbreiteter als der Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen – nicht nur in Moscheegemeinden.

  4. Endlich mal jemand der auch weiss das die “Almosen/Spenden” auch für Krieg ausgegeben werden können.

    Übrigens soll auch Geld der Halalzertifikate am Extremisten fliessen wie z.b. die Moslembrüder die in einigen Ländern als Terrororg. gelten!
    Und jeder bezahlt mit!Denn fast jede Firma bietet Halal an,dafür muss sie Gebühren zahlen wenn sie ein Zertifikat haben will.
    Und manchmal ist sogar Halal drin wenns nciht draufsteht,denn für Firmen ist es billiger einfach alles Halal zu produzieren…

    Wie dort allerdings geputzt wird weiss ich nicht,Alkohol wird wohl verboten sein…

  5. Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit, so lautet eine oft zitierte politische Weisheit. Zuletzt unter anderem vom BDI-Geschäftsführer Dr. Kerber im empfehlenswerten Buch “Ins Offene” (Hg. Jens Spahn), welches sich ohne Scheuklappen mit der Flüchtlingskrise beschäftigt .

    Aber genau das wollen die von Frau Köster genannten Cheerleader nicht, dann macht das alles nicht mehr so viel Spaß in Hippie-Deutschland? Wenn dann jemand wie Hamed Abdel-Samad fundiert vor den Gefahren des Islamismus warnt, wird er von deutschen Islamforschern niedergeschrieben und muss wiederum vom muslimischen Theologe Abdel-Hakim Ourghi verteidigt werden (siehe Zeit: Wer hat Angst vor ehrlicher Islamkritik?). Erst Orban nun Abdel-Samad: was das Bild von Hippie-Deutschland trübt, wird niedergeschrieben.

    Wo leben wir? Man begreift es nicht. Sind nicht alle Hochkulturen irgendwann an ihrer eigenen Dekadenz eingegangen? Ist es wieder so weit?

  6. Ein paar andere Fragen:

    • Warum hat die westliche Lebensauffassung so wenig Überzeugungskraft für andere?

    • Was würden Moslems sagen, was der Westen ihnen gebracht hat (oder genommen)?

    • Warum hat der Westen überall die Finger drin und überall Feindbilder?

    • Worin bestehen die Reparaturkonzepte des Westens bei inneren Angelegenheiten – was man angesichts der momentanen Zuspiztung der politischen Polarisierungen bei uns schon mal fragen sollte, bei denen auch Meinungsfreiheit in Gefahr steht und Konformismus bei Strafe der Diffamierung und Ausgrenzung Pflicht wird?

    • Warum müssen die Lebensauffassung und Vorgehen des Westens so selbstverständlich richtig sein?

    Die Menschheit hat seit vielleicht 1,5 Millionen Jahren die allermeiste Zeit mit anderen Lebensauffassungen und Gesellschaftsformaten gelebt und hat es immerhin 1,5 Millionen Jahre überlebt. Ob es die Menschheit nochmal so weit bringt, ist fraglich.

    • Ist nach der Aufklärung nicht vieles noch viel schlechter gelaufen und sogar massenhaft wie nie zuvor?

    • Hat die Aufklärung allerwichtigste Dinge übersehen? War sie zu vordergründig? War sie profunde logisch, ehrlich erkennend und bewusstmachend? Hat sie Konzepte außer nachhaltigem Schwatzen und Belabern oder Gesetzen, die nur gebraucht werden, weil ihr Inhalt nicht aus Überzeugung beherzigt wird? Woran wird festgemacht, dass es ausreichend war und auf der sehr langen Achse in unerlässlichen Aspekten überhaupt die richtige Richtung?

    Die bisherigen ERGEBNISSE und ungute TRENDS fordern solche Fragen heraus.

    • Welche Sehnsüchte und Erfahrungen verbinden Moslems mit dem Islam, die der Westen nicht befriedigt? Wie sehen andere Kulturen den Westen, warum eifern sie ihm nicht nach und warum wollen sie sich ihm vor allem nicht unterordnen? Welche Erfahrungen haben sie mit dem Westen, was sich der Westen selber nicht klar macht?

    So wie es derzeit aussieht mit EU-Chaos und ewigem Finanzdesaster, was uns massive Sachzwänge ohne absehbares Ende auferlegt, würde ich erst mal fragen, auf welchem falschen Dampfer wir die ganze Zeit schon schwimmen und was uns selber noch retten kann – bevor uns einfällt, den Besserwisser zu spielen. Den nimmt uns keiner ab.

    1. Herr Wolkenspalter,
      Ihre Fragenkatalog würde sehr komplexe Antworten erfordern, deshalb nur ein paar Gedankenskizzen zu Ihrer ersten Frage:
      Ich glaube, Sie irren in diesem Punkt. Westliche Länder besitzen eine hohe Anziehungskraft, vor allem wegen eines historisch noch nie dagewesenen Schutzes des Individuums, garantiert durch die Verfassung, und durch ihren ökonomischen Erfolg, d.h. Wohlstand für die breite Masse der Bevölkerung. Das gilt zumindest für Kerneuropa.
      Dass die eingewanderten Muslime gerne zweigleisig fahren, nämlich alle Annehmlichkeiten eines modernen Staates genießen wollen, zugleich aber an ihrem rückständigen Weltbild festhalten, halte ich für ein psychologisch- kulturelles Problem, was viel mit dem Überlegenheitsanspruch des Islams selbst zu tun hat.
      Der Islam kann sich im Grunde nicht modernisieren, weil er sich damit gleich abschaffen würde. Das erklärt m.E., warum die Situation der Muslime im Westen etwas Schizophrenes hat. Dieses Phänomen hat also nicht primär mit der, wie Sie schreiben, “fehlenden Überzeugungkraft” unseres Gesellschaftmodells zu tun.

    2. Sympathy for the Devil?
      Der böse Westen ist schuld,Terror ist ist immer auch ein Hilferuf.
      Die links-grüne Gehirnwäsche scheint gelungen.
      Wer diesen Kommentar wohl finanziert,oder freuen sie sich schon auf die 72 Jungfrauen?

    3. Die “Anziehungskraft” des Westens redet sich niemand mehr ein als der Westen selber. Wer herkommt, kommt aus wirtschaftlichen Gründen, nicht wegen der Kultur, die er vorher zumeist kaum erlebt hat außer aus Selbstdarstellungen des Westens und seiner Selbstglorifizierung.

      Ein Widerspruch besteht auch darin, dass mangelnde Integration beklagt wird bei gleichzeitigem Anerkennungsbedürfnis, ein enger Verwandter der Gefallsucht des Westens. (@Westen: “Psychologisch-kulturelle” Probleme bestehen vor allem in der massenpsychologisch zu konnotierenden Nichterkennung von inneren Widersprüchen. Man sollte immer vorsichtig mit der Abqualifizierung der Psyche Anderer sein. Denn dies fordert auch Analysen über den Analytiker heraus, deren Ergebnis so unerwartet für selbigen wie aufschlussreich sein kann…)

      Nicht repräsentative Ausnahmen von Einwanderern sind natürlich möglich, während man wirklich starke Änderungen nicht erwarten darf, allenfalls öffentliche Nichtkonfrontation aber keine Transformation der Mentalität (—› China-Towns, landsmannschaftliche Kolonien und vor allem bevorzugte Bekannten- und Freundeskreise).

      Es gibt aber auch aus dem Westen Leute, die kulturell woanders landen wollen, nicht nur im Islam, auch in anderen, z.B. einer fernöstlichen Lebensauffassung oder Religion, oder wenn Ausländer aus allen Kontinenten geheiratet werden, weil ihre Umgangskultur besser gefällt, was ich im engeren Sinn unter Kultur verstehe, die im Alltag die größte Rolle spielt. Ich habe damit selber Erfahrungen und zwar fast ausschließlich positive. Wie es in den Wald reinruft… Dem Westen fehlt da schon etwas. Eine Afrikanerin sagte einmal: “Bei uns wird man sofort als Mensch behandelt.” Wir im Westen kleben an der Politik und erwarten Lösungen, die von der Politik höchstens geredet, gesetzlich beschlossen und damit verlangt werden, ja auch menschenrechtlich. Aber das ändert die Menschen nicht wirklich, nur ihre Rede und ihr äußerliches Gebaren, weil sie so gesehen werden und gefallen wollen und vor allem auch Angst vor der Ausgrenzung aus der Herde haben, wohingegen wir auf dem Papier zu stehen haben, dass man wegen seiner Meinung nicht diskriminiert werden darf.

      Der Westen ist äußerlich frei. Andere, die vom Westen als unfrei bezeichnet werden, sind oft innerlich freier als er. Wer hierzulande nach mehr Freiheit ruft, fühlt sich trotz der vorhandenen, vergleichsweise (äußerlich) größeren Freiheit offenbar unfrei.

      Unsere Freiheit ist eine Plattform für das potentiell Mögliche, was aber noch rein gar nichts darüber sagt, ob wir überhaupt die Voraussetzungen besitzen, die uns in wichtigen Dingen weiterbringen – oder ob wir das Heil einseitig suchen und wie Süchtige immer mehr davon wollen und “brauchen”, obwohl und gerade weil es in nicht den Punkt trifft, auf den es ankommt.

      In der Proklamation ewigen Wirtschaftswachstums steckt das Wissen, dass man mit -keinem- Zustand zufrieden sein wird.

      Dem Westen empfehle ich mehr Bewusstseinstiefe und Ehrlichkeit zu sich selbst – und sich aus der Unperfektheit abzuleitende Zurückhaltung.

      Die Forderung an den Islam, sich zu ändern, ist eine fixe Idee aus dem Westen. Religion ist per se zeitlos. Da gibt es nichts zu modernisieren, höchstens Sinn und inneres Ziel besser zu verstehen, Fehler zu vermeiden, was erstmals wirklich oder zurück zu den Wurzeln bedeutet und damit das Gegenteil einer Modernisierung. Was sollte auch Maßstab der Modernisierung sein? Der undurchdachte Zeitgeist, wie es gerade kommt? Gar der heutige Zeitgeist des Westens für Arabien?

      Müssen sich andere exakt zu dem Zeitpunkt ändern, an dem sich auch im Westen etwas ändert, obwohl er selber lange gebraucht hat, und der Zeitgeist morgen auch im Westen schon wieder etwas anderes hervorbringt? Müssen alle so tanzen, als hingen sie an den Marionettenfäden des Westens, um jede seiner Bewegungen mitzumachen?

      Der Westen entfaltet nach wie vor seit Jahrhunderten ein exorbitantes Mittelpunktsdenken mit dem Anspruch, der Nabel der Welt zu sein. Gibt es oder vermutet er eine andere Kultur, die ihm diese Rolle steitig macht, knallt eine großmannsüchtige Kultur auf eine andere. Die Paranoia des Westens ist dermaßen groß, dass er eine “Neue Weltordnung” nach seinem Bilde zur Prävention entworfen hat ohne auf manifeste Angriffe auf seinen Status oder Statusdünkel zu warten. Entprechend hypersensibel reagiert er auf Kleinigkeiten maßlos.

      Was mir in Autoren-Blogs auf Tichys Einblick zunehmend auffällt, ist, wie Autoren, die den Islam “wissenschaftlich” stringent runterputzen, von einer erheblichen Zahl von Lesern fast wie Erlöser beklatscht werden. Wer Jesus Christus oder gar den Herrgott ersetzen möchte, an die er vielleicht gar nicht glaubt, müsste gänzlich andere Dinge können…

  7. Hitlers monströse, aber konsequent gedachte feindselige Ideologie gegen Juden und Regimegegner gleicht in der Tat in mancher Hinsicht den heutigen islamischen Mördern: es geht um einen klar identifierten Feind, der ausgelöscht werden oder bestenfalls versklavt werden muss.
    Europa wird von den radikalen Islamisten als leicht zugängliches Einfallstor gesehen – das sollte man nicht übersehen.

  8. Merkels moralischer Amoklauf… So gut wie niemand in politischer Verantwortung will seine Sichtweise bezüglich der Gefahren islamischer Einwanderer korrigieren, da helfen auch solche Artikel nichts. Sie helfen nur uns, den Lesern, dabei, an der Blindheit auch vieler Mitbürger nicht ganz zu verzweifeln.

  9. Aus der göttlichen Vogelperspektive betrachtet:

    Die Juden haben das große Rennen der Buchreligionen gestartet. Die Regeln des Judentums stellten aber sicher, dass nicht jeder Jude werden konnte. Es entwickelte sich also eine Art elitärer Zirkel, eine kulturelle Avantgarde, welche auf individuelle Förderung setzte, welche der Zeit immer ein Stück voraus war, gut vernetzt, über die Jahrhunderte stabil und wirtschaftlich überaus erfolgreich.

    Das Christentum und der Islam waren von Anfang an Bewegungen für die Masse, welche ganz bewusst auch die Benachteiligten einsammelten, um gegen die “Mächtigen” aufzubegehren und die Verteilungsfrage neu zu regeln. Das ist ein fundamentaler Unterschied zum Judentum! Jeder konnte hierbei Christ oder Muslim werden, ja sollte es sogar. Das ist Sozialismus wie wir ihn kennen, welcher sich hier als Glauben an Gott manifestiert, die Gemeinschaft über das Individuum stellt und Gleichheit propagiert. Die Abschaffung des Individuums + die Expansionsstrategie sind Ursache dafür, dass sozialistische Ideologien immer wieder totalitäre und vernichtende Auswüchse in der Geschichte angenommen haben.

    Der Westen sollte sich genau überlegen, wie viel Sozialismus er sich ins Haus holen will – denn damit geht es mit Sicherheit auf ganzer Breite bergab. Unseren Wohlstand und unsere Freiheit verdanken keiner Form von Sozialismus, keinem russischen, keinem nationalen, keinem realen und schon gar keinem arabischen.

  10. Der Grund, warum man in Europa tatenlos der Ausbreitung des Islams zusieht und ihn, wie Wulff und Merkel es tun, schon als Teil Deutschlands sieht, basiert auf der Angst, bloß nicht als Fremdenfeind oder Rassist zu gelten, wenn man den Islam ablehnt und auf kulturelle Erhaltung der eigenen Identität im eigenen Staatsgebiet pocht. Wie der Text schon andeutet, ist der Islam auch die Kultur der Araber. Der Westen hat es sich jedoch verboten, andere Kulturen zu kritisieren. Immer wird der Grund für Miseren in Afrika und Vorderasien ausschließlich im Politischen und Ökonomischen gesucht, niemals im Kulturellen. Übrigens spielen moralische Kategorien wie Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus außerhalb des Westens keine Rolle, d.h. Ressentiments bzw. Rassismen werden dort offen kultiviert und hemmungslos ausgetragen. Erst wenn der Weiße ins Spiel kommt, der Europäer oder Nordamerikaner, wird der Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit als Waffe in der Debatte hervorgeholt. So landet man als Westler moralisch immer in der Defensive. Die Welt außerhalb des Westens weiß das und spielt diese Karte bei jeder Gelegenheit geschickt aus.

    Des Weiteren wird die Wertegemeinschaft des Westens zusammenbrechen, wenn die Anzahl der westlich kultivierten europäischen Wohnbevölkerung demographisch weiter abnimmt und die Bevölkerungsanteile islamisch sozialisierter Einwanderer in westlichen Ländern weiter ansteigt. Dieser Trend hat in Deutschland in diesem Jahr einen epochalen Schub bekommen. Denn keineswegs wird eine alternde, zahlenmäßig abnehmende Wohnbevölkerung eine junge, stark anwachsende islamisch sozialisierte Bevölkerung noch westlich sozialisieren können. Wenn in den jüngsten Jahrgängen sich die Mehrheitsverhältnisse gedreht haben, wird es zu einem unumkehrbaren Verdrängungsprozess der europäischen Kulturen kommen. Die islamischen Geostrategen rufen es schon seit Jahrzehnten ungehemmt in die Welt hinaus. Nur im Westen werden Mahner und Kritiker, die darauf hinweisen, als rechte Verschwörungstheoretiker und Fremdenfeinde diffamiert. Wobei wir schon wieder beim eigentlichen Problem sind: Der Westen hat sich mit diesen moralischen Kategorien der Fremdenfeindlichkeit in die Sackgasse manövriert, ist zur Wehrlosigkeit erstarrt. Wenn es nicht zu einem totalen Einwanderungsstopp kommt, verbunden mit Rückführungen des islamischen Bevölkerungsanteils auf ein gesellschaftsverträgliches, integrationsfähiges Maß, werden die europäischen Kulturen untergehen. Das ist kein rechtsradikaler Quatsch, sondern bittere Wahrheit. Im Leben geht es immer um Massen, Mengen und Mehrheiten. Und unsere Mehrheit schwindet und damit auch unsere Kraft, unsere Werte zu behaupten und durchzusetzen. Solange in unserer Gesellschaft kein Umdenken stattfindet, welches zu einem Paradigmenwechsel der Politik hinsichtlich Migration und Gesellschaft führt, wird es von Jahr zu Jahr schlimmer werden. Ich fürchte, das Kind muss erst in den Brunnen gefallen sein, bevor sich hier die notwendige Erkenntnis zum Kurswechsel durchsetzt. Wahrscheinlich ist es dann aber schon zu spät.

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