Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld

Wir nähern uns mit Sieben-Meilen-Stiefeln der europäischen Einlagensicherung. Dann haftet der ohnehin schon gebeutelte deutsche Sparer für die Misswirtschaft von Banken auch in anderen Staaten.

Stopwatch In Front Of Banknotes

Das Bundesfinanzministerium (BMF) bereitet eine Obergrenze für Bargeldzahlungen vor. Bei 5.000 Euro soll Schluss sein. Dass dazu bereits konkrete Pläne vorliegen, dementierte das BMF mir gegenüber zwar mit einer lapidaren Stellungnahme: „Die Diskussion auf EU-Ebene steht noch ganz am Anfang, daher ist es zu früh, über den Kreis der Verpflichteten oder konkrete Zahlen zur Höhe einer Bargeldobergrenze zu spekulieren.“ Aber was solche Dementis wert sind, haben wir leider schon oft erfahren. Das Ministerium wolle zunächst eine Bewertung der Europäischen Kommission abwarten. Es geht also gar nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“.

Obergrenze nur erster Schritt

Eine Bargeldobergrenze wird nur der erste Schritt sein; weitere werden unweigerlich folgen. Denn parallel dazu denkt man bei der Europäischen Zentralbank laut über die Abschaffung des 500-Euro-Scheins nach. Die Notenbanker klären gerade noch die „technischen Details“. Auch diese Maßnahme wird im Eilverfahren durchgepeitscht. Im EZB-Rat reicht hierfür eine einfache Mehrheit. Das Schicksal des 500-Euro-Scheins ist besiegelt.

Als offizielle Begründung für all diese Maßnahmen wird der Kampf gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus angeführt. Zwar gibt es bereits in anderen Staaten der Europäischen Union Bargeldobergrenzen, zum Beispiel in Italien. Dass sich dadurch etwas verbessert hat, wäre mir neu: Wo treiben doch gleich die N’Drangheta, die Camorra, also die Mafia, ihr Unwesen? Es ist auch ein Irrglauben, dass alle großkriminellen Machenschaften mit einer Geldkofferübergabe abgeschlossen werden.

Zur Erinnerung: Dass die organisierte Kriminalität sowieso nicht auf Bargeld angewiesen ist, hat doch der Fall Zypern eindrucksvoll bewiesen. Die geteilte Insel im östlichen Mittelmeer entwickelte sich dank milliardenschweren „Direktinvestitionen“ aus Russland zu einem Schwarzgeld- und Steuerparadies. Alles was es dazu braucht, sind ein paar Briefkastenfirmen sowie nachlässige Zollkontrollen und Banken, die gerne einmal ein Auge zudrücken. Detailliert nachlesen können Sie dies in meinem Buch „Von Rettern und Rebellen“.

Bargeldverbot - das Scheitern der Euro-Retter
Bargeld-Verbot und Schmelz-Euro
Aktualisierte Fassung vom 17.02. - "Niemand will eine Obergrenze einführen, wie viel...
Aber warum überhaupt ein Bargeldverbot? Eine Erklärung könnte die expansive Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi liefern. Der EZB-Rat hat jüngst beschlossen, den Leitzins auf null Prozent zu senken und pro Monat nicht mehr „nur“ 60 sondern nun 80 Milliarden über den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren in den Geldmarkt zu pumpen. Damit die Banken das Geld nicht auf die hohe Kante legen, wurden die Strafzinsen nochmal auf -0,4 Prozent verschärft. Die Banken werden somit weiter in risikoreiche Geschäfte – Geschäfte, die sie sonst wahrscheinlich nie tätigen würden – getrieben. Bei dieser fatalen Entscheidung des EZB-Rats war unser Bundesbankpräsident Jens Weidmann leider aufgrund des Rotationsprinzips nicht stimmberechtigt. Vor genau diesem Horrorszenario warne ich seit 2012. Jetzt wundern sich auf einmal viele, warum der Einfluss der Bundesbank, die alleine für mehr als 25 Prozent des eingezahlten EZB-Kapitals einsteht, immer mehr marginalisiert wird.

Wirtschafts- und Finanzpolitik mit der Notenpresse

Draghi beschränkt sich nicht, wie es ihm sein Mandat vorschreibt, auf die Wahrung der Geldwertstabilität, sondern betreibt mithilfe der Notenpresse Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die Bürger sollen ihr Geld ausgeben – und nicht sparen. Wer sich dennoch an den guten alten Vorsatz „Spare in der Not, dann hast Du in der Zeit!“ hält, wird abgestraft. Denn die Einführung negativer Zinsen bringt der EZB wenig, wenn die Sparer ihr Geld nicht auf dem Konto, sondern unter dem Kopfkissen bunkern. Die Begrenzungen wären dann ein Mittel, um damit die Flucht der Sparer ins Bargeld zu verhindern.

Insofern kann man die aktuellen Maßnahmen als Testlauf bezeichnen. Eine Zahlungsobergrenze von 5.000 Euro sowie die Abschaffung des 500-Euro-Scheins mögen auf den ersten Blick nur die wenigsten Bürger in ihrem Alltag betreffen. Doch wird die Büchse der Pandora erst einmal geöffnet, lassen sich weitere Schritte viel einfacher und unauffälliger durchsetzen.

Bargeld ist gedruckte Freiheit! Ich weiß nicht mehr genau, ob ich überhaupt schon mal einen 500er in den Händen hatte. Ein Bargeschäft mit mehr als 5.000 Euro habe ich jedenfalls noch nie getätigt. Mir ist aber wichtig, es zu können, wenn ich will! Das sieht auch der Großteil der Bürger unseres Landes so! Finger weg vom Bargeldverbot!

Bargeldverbot bedroht die Griechen besonders

Nachtrag: Nicht nur mir bereitet ein Bargeldverbot Sorgen; auch viele Griechen werden unruhig. Die Griechen haben Schätzungen zufolge mindestens 20 Milliarden Euro Bargeld – zumeist in 500 Euro-Scheinen – gebunkert. Seit Ausbruch der Euro-Krise haben sich die Bankeneinlagen in Griechenland halbiert.

Die Bargeldsumme insgesamt in Griechenland beläuft sich auf über 50 Milliarden Euro. Das ist mehr als ein Viertel des griechischen Bruttoinlandsprodukts und ist damit im europäischen Vergleich exorbitant hoch.

Das Geld, was nicht ins Ausland geschafft wurde, wird unter der Matratze oder im Schließfach gehortet. Die eigenen Banken brachten und bringen die Griechen damit ordentlich ins Straucheln. Ach wie gut, dass es doch den ESM gibt. Denn mithilfe des Rettungsschirms können dank deutscher Steuergelder griechische Zombiebanken vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Dass wir uns mit Sieben-Meilen-Stiefeln einer europäischen Einlagensicherung nähern, passt genau in dieses Bild. Und somit schließt sich auch dieser Kreis: Der ohnehin schon gebeutelte deutsche Sparer haftet dann für die Misswirtschaft von Banken in anderen Staaten.

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Kommentare {23}

  1. Ein Bargeldverbot bedroht uns alle, nicht nur Menschen mit 500 Euro-Scheinen und “guten Pfründen”… Der Versuch, das Bargeld einzuschränken oder gar abzuschaffen ist ein Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

    „Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind.“

    https://www.change.org/p/bargeld-unbegrenzt-erhalten

  2. Die “Haftung der Sparer für die Mißwirtschaft der Banken” ist nur eine von vielen Folgen eines durch die EU und die von ihr mit tatkräftiger Unterstützung der Merkel-Politik installierte EZB zielgerichtet veranstaltete Zerschlagung der europäischen Finanzwirtschaft im allgemeinen und der deutschen Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken im Speziellen.

    Ziel ist nach Zerschlagung der deutschen Energiewirtschaft und jetzt auch der Automobilindustrie als Krönung der Zerstörung eines organisierten deutschen Staatswesens die Vernichtung jeder bürgerlichen und zivilen Möglichkeit, Geld anzulegen und Kredite zu erhalten.

    Unsere wahnsinnig gewordenen Politiker und Medien bauen die bestens funktionierenden kleinen Banken und Sparkassen durch das gesetzliche Unmöglichmachen jeder zuverlässig funktionierenden Bankgeschäftsführung der Bevölkerung als Monster auf, dessen angebliche Zähmung durch die widersinnigsten gesetzlichen Regelungen der Verbraucher sogar begrüßen und bejubeln soll.

    Dabei sind allein die staatlichen Eingriffe durch Rechtsänderungen im Finanzsektor, also einzig dirigistische Eingriffe der Politik in ein ehedem zumindest in Deutschland glänzend funktionierendes System der Finanzbeschaffung für Private, Wirtschaft und Staat – der Grund für ein immer wackligeres Finanzsystem.

    Verantwortlich ist dafür entgegen allen Behauptungen der Politik und ihrer Medien nicht zuwenig staatliche Kontrolle. Verantwortlich sind vielmehr dilettantische Eingriffe der Politik in einen ehedem zumindest für Mittelstand und Private in Deutschland hervorragend funktionierenden Finanzmarkt.

    Ein weiterer Eingriff mit unabsehbare Negativfolgen für jeden einzelnen Bürger ist die für Deutschland gerade Wirksamkeit entfaltende neue EU-Richtlinie, die deutschen Banken und Sparkassen von Gesetzes wegen die Verlängerung von Immobilienkrediten selbst dann untersagt, wenn der Bankkunde seinen Verpflichtungen zur Kreditrückzahlung uneingeschränkt nachgekommen ist und die Bank selbst aus ihrer Einschätzung des Kunden keine Gefahr für den ausgerichtet Kredit sieht und den Kredit normalerweise problemlos verlängern würde:

    Allein durch den Gesetzgeber ohne Rücksichtnahme auf den Einzelfall formulierte abstrakte Bonitäts- und Liquiditätsanforderungen sollen zukünftig als gesetzlicher Zwang gegenüber den Banken zur Versagung von Kreditverlängerungen führen müssen. Damit wird ein völlig unnötiger Immobiliencrash und der Zusammenbruch jeder privaten Altersversorgung durch Immobilienbesitz vor allem in Deutschland mit seinen strikt gesetzestreue Bankinstitute gezielt herbeigeführt.

    Davon profitiert allein eine durch EU-KOMMISSION und GroKo angestrebte EU-Zentralregierung, die über Bargeldverbot und dann zentrale politisch regulierte Zuteilung und Kontrolle jedes Finanzmittels die vollständige Kontrolle über jede wirtschaftliche Lebensäußerung der Menschen in Europa anstrebt.

    Wenn auch weiterhin Millionen europäischer Bürger als Zug der Lemmige dies – den dieses alles gezielt anstrebenden – Merkel, Juncker, Schulz und Draghi widerstandslos durchgehen lassen, werden in der EU stalinistische Verhältnisse als Erinnerung an bessere Zeiten betrachtet werden….

  3. Es wird wohl Zeit, sich eine Reserve an Schweizer Franken und US-Dollar aufzubauen…

    1. Um Himmels willen investieren sie nicht in US-Dollars. Da können Sie auch gleich in Toilettenpapier investieren, das ist bald wertvoller und vor allem hygienischer. Nein, mal im Ernst, NIEMAND in der Finanzwelt will noch Geld in Dollars anlegen, es gibt nichts auf der Welt, was inflationärer und wertloser als dieses Zeug ist und niemand will es mehr haben!!

  4. Meinen Dank an Herrn Willsch für diesen “Ein- und Ausblick”. Die Verzweiflung bei der EZB und weiten Teilen der Politik angesichts des Ausbleibens von Inflation muss schon sehr groß sein. Aber mal halt: wozu eigentlich diese “Ziele” von 2% Inflation? Und wie verhält es sich in diesem Zusammenhang mit dem Zins.

    Sehr fundierte Anworten finden sich z.B. hier: http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/niedrigzinsen-aus-mangel-an-sicheren-anlagen-in-ueberschuldeter-welt/

    und zum Thema Bargeldabschaffung auch hier:

    http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/die-abschaffung-des-bargeld-und-die-folgen-und-die-gruende/

    Nach meiner Einschätzung wollen eine “Handvoll” Leute eine Zukunft ohne Bargeld und damit in eine Zukunft ohne Freiheit = Kontrolle; und später wird daraus womöglich Knechtschaft.

  5. Ich bin mir fast sicher, dass gerade der internationale Terrorismus mit dem Hawala-System sehr gut leben kann, wenn bei uns der Bargeldverkehr immer mehr eingeschränkt wird.

  6. Treffender Artikel.

    Aber Lachen musste ich beim Spruch: “Spare in der Not, dann hast Du in der Zeit” – andersrum wird ein Schuh draus :-)

  7. Wenn der Finanzkreislauf keinen Mehrwert im Güterkreislauf entwickeln kann, flieht Er in Finanzmarktprodukte. Der Finanzkreislauf mutiert zu einem selbstbezogenen System.
    Eine Bargeldbeschränkung wird diese Fehlentwicklung nicht beenden.

  8. Und Sie fielen unter die Räuber !

    Mafia Europa. Und Merkel und Schäuble schweigen.
    Der Deutsche Sparer verraten und verkauft.

    Das ist nicht mehr mein Europa!

  9. Die entscheidende Schwachstelle ist, dass die Zentralbank nicht die Umlaufgeschwindigkeit der von ihr geschaffenen Geldmenge (MO) kontrollieren kann. Die im Moment immer weiter sinkende Umlaufgeschwindigkeit wird mit einer Ausweitung der Geldmenge begegnet.
    Angesichts niedriger Zinsen für mittel- und langfristige Anlagen und einer geringen Inflation verschwindet das neue Geld schnell wieder: Bargeld-Hortung wird bevorzugt oder es landet lieber auf Sichtguthaben zu Spekulationszwecken im Aktien-, Devisen- oder Immobilienbereich.
    Minus-Zinsen auf Sichtguthaben sind nur durchsetzbar, wenn Hortung nicht möglich ist. Deswegen soll Bargeld ja sogar abgeschafft werden. Das ist der wahre Hintergrund.
    Eine bessere Alternative wäre, Bargeld umlauf-zu-sichern, so wie es Silvio Gesell vorschlug. Stichwort Freiwirtschaft. Wenn Bargeld nicht ausgegeben oder bei der Bank angelegt wird, verlieren die gehorteten Geldscheine mit der Zeit etwas an Kaufkraft.

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