Der unerwartete arabisch-israelische Frieden

Tichys Einblick

US-Präsident Obama war kaum vereidigt, da warf das Nobelpreiskommittee ihm eine seiner schon lange entwerteten – weil politisierten – Polittrophäen in den Schoß. Und der Spott kam mit was? Mit Recht! Alle zurechnungsfähigen Kommentatoren hielten es für eine Farce – ob sie amerikanophil argumentierten, antiimperialistisch, pazifistisch, realpolitisch, liberal, konservativ oder links. Und alle, außer dem Nobelpreiskommittee, behielten recht. Der US-Präsident entpuppte sich nicht als Friedensengel, sondern als unfreiwilliger Kriegsherr.




Obama weitete den War on Terror widerwillig aus. Denn die Feinde der USA  wollten sich nach seiner Wahl überraschenderweise nicht weismachen lassen, dass der angebliche Hoffnungsträger den Weltenlauf nachhaltig zum friedlicheren beeinflussen könne. Schon damals war absehbar, das ein außen- und sicherheitspolitisch weich agierendes Amerika dem Djihadismus eher zur Stärke herausfordern als zum Einlenken zwingen würde. So kam es dann auch. Obama hat trotz anfänglich versöhnlicher Töne immer weitere Kriegsschauplätze besetzen müssen, auf denen durch seine Schwäche bestärkt sich fühlende Feinde ihn herausfordern.

Hoffnungsträger des Mullah-Regimes

So zum Beispiel die Islamische Republik im Iran. Seit der Demokrat Commander in Chief ist, hat die Islamische Republik ihren Weg zur Atommacht beharrlich fortgesetzt und lässt nebenbei die ganze Welt wissen, welche Zweck sie mit nuklearen Waffen zu verfolgen gedenkt: Die Vollendung des Holocaust. Der israelische Premier Benjamin Netanyahu kann regelmäßig darauf hinweisen, wie die Islamische Republik im Iran in Wort und Tat alles keinen Zweifel daran lässt, die nukleare Judenvernichtung ins Werk setzen zu wollen. Wenn es daran geht, die Taten zu sehen und die Worte zu hören, stellt sich die Weltgemeinschaft blind, besonders die westliche und gleichzeitig notorisch gutwillige.

Obama steht nach allem Anschein vor einer Einigung mit dem Mullah-Regime, die der Islamischen Republik im Iran die nukleare Forschung erlauben würde, ohne dass nukleare Waffen die unmittelbare und mittelbare Nachbarschaft bedrohen sollen. Sollen.

Die Nachbarn fürchten dagegen, dass sie nicht in Frieden leben können, während die Islamische Republik im Iran an nuklearen Technologien werkelt. Der als moderat gehandelte Ex-Präsdent Ali Rafsanji jedenfalls räsonierte öffentlich über die Machbarkeit eines vernichtenden Atomschlags gegen Israel.

Vereint im Sachzwang

Erwartungsgemäß kommt unter dem Eindruck solcher Planspiele Protest aus Israel, wird zur Kenntnis genommen und verworfen. Weder ist das lautstarke israelische Engagement überraschend, noch seine abschätzige Würdigung durch die westliche Politik die sich nach einem Jahrzehntelangen Hin und Her endlich am Ziel der über alles geheiligten Verhandlungslösung wähnt.

Beunruhigend ist aber, dass der amerikanische Atom-Deal mit den Mullahs die arabischen Regimes zu bisher ungekannten Schritten treibt. Da ruft der Chefredakteur eines Mediums in saudiarabischer Hand Obama auf, endlich „auf Benjamin Netanjahu zu hören“. Gemeint war Netanyahus Warnung, das amerikanische Vakuum werde durch „iranischen Terror“ gefüllt. Faisal J. Abbas, Chefredakteur von Al Arabiya Englisch, bescheinigt in einer Kolumne dem israelischen Premierminister, er habe mit seiner Lagebeschreibung „in wenigen Worten den Nagel auf den Kopf getroffen“. Zwar ist man auf dem Papier grundsätzlich gegen Israel. Aber sobald sich die Gräben zwischen Arabern und Iranern (bzw. Sunniten und Schiiten) auftun, ist der kleine Satan in der eigenen Phalanx willkommen.

A Not-so-Gentle-Men’s Agreement

Diese Doppelmoral ist einige Jahrzehnte alt. Sowohl Israelis als auch Araber sind immer gut damit gefahren. Während für die Israelis die oberflächliche Feindschaft keine existentielle Bedrohung bedeutete und eine immer weniger heimliche Zusammenarbeit durchaus möglich war, konnten die arabischen Staaten ihre inneren Probleme Israel, dem internationalen Judentum usw. ankreiden und die Macht der herrschenden Eliten festigen. So garantierten sie einander einen Teil ihrer Existenz.

Doch der Trend der letzten Monate unterminiert diese Symbiose. Namentlich ist es die immer offenere Annäherung an Israel, die das ideologische Geschäftsmodell der arabischen Staaten gefährdet. Nichts fürchten die arabischen Herrscher mehr, als einen Iran, der unter einem nuklearen Schutzschirm irreguläre, hybride oder gar konventionelle Kriege führt und damit die Hegemonie über sie erringt. Dagegen erscheint selbst die unverhohlene Zusammenarbeit mit Israel machbar. Inzwischen spricht der ägyptische Präsident Abdel Siri in der Washington Post darüber, dass „wir die israelischen Sorgen verstehen müssen“.

Sollten die arabischen Staaten, besonders Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten eine nukleare Bewaffnung der Islamischen Republik im Iran mit Waffengewalt verhindern, wäre der Damm endgültig gebrochen.

Die ich rief, die Geister, werden sie nicht los

Doch eine allzu offene israelisch-arabische Zusammenarbeit hat ihre Gefahren für die Beteiligten. Die Arabischen Regimes fütterten jahrzehntelang ihre Untertanen mit antisemitischer Propaganda, um die Unzufriedenheit über die Zustände vor Ort zu betäuben. Auf dieser Grundlage kann die Islamische Republik im Iran die Regierungen mit derselben Propaganda unterminieren, mit der sie sich einst legitimierten. Kommt es dann unter Mitwirkung der Revolutionsgarden zu ernsthaften Unruhen, zahlen die arabischen Staaten schnell einen hohen Preis. Israel hat die Folgen ebenfalls zu fürchten, wie sich an den Golan-Höhen zeigt. Seit Bashar Assads Macht im Bürgerkrieg empfindlich geschrumpft ist, haben die kriegerischen Vorfälle an der Waffenstillstandslinie zugenommen, an der der Diktator zuvor Friedhofsruhe hielt.

Sollte die Islamischen Republik im Iran dank Barack Obama in die Nähe einer nuklearen Kapazität gelangen, sind die Nachbarn bereit, einen schmerzhaften Preis zu zahlen, um die letzten Schritte zu verhindern. Es stimmt nicht zuversichtlich, dass die Regierungen in Jerusalem, Riad, Amman und Kairo solch empfindliche Konsequenzen riskieren, auch wenn Obama dadurch einen gänzlich unerwarteten arabisch-israelischen Friedensprozess anstößt.

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Kommentare {3}

  1. Der pöse Iran. Er war es, der von einem von den USA angestifteten Irak in einer üblen Krieg gezogen wurde, er hat allen Grund sich besser zu wappnen. Und Israel fliegt schon mal ein paar Bombenangriffe in Nachbars Garten ohne groß zu fragen. Wo sind denn die Bösen und die Friedlichen? Dass die Saudis mit den Iranern nicht können macht sie vielleicht zu temporären Weggefährten Israels, aber wohl kaum Freunde.

    Der Beitrag kommt mir vor wie eine Verlängerung der Auseinandersetzung zwischen Netanjahu und Obama.

  2. Obama ist ein Dilletant vor dem Herrn. Aber wenn er es schafft, auch unbeabsichtigt, einen arabisch-iasraelischen Frieden anzustoßen, hat er in seiner Amtszeit wenigstens etwas bewegt Ich fürchte nur, dass wir einen großen, heißen arabisch-iranischen Krieg sehen werden. Europa wird dadurch nicht unbehelligt bleiben. Zumindest werden wir noch mehr Flüchtlinge bekommen als jetzt schon. Die Frage ist dann, wie Amerika sich positioniert. Irgendwie wird einem unwohl bei der Perspektive.

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