Unionskrise und Kanzlerdämmerung. Quo vadis, CDU?

Selbst wenn es der alternativlosen Merkel mangels tatsächlicher, personeller Alternativen gelingen sollte, sich über die Legislaturperiode zu retten – sie ist dabei, „ihre“ Partei alternativlos radikal zu vernichten. So kann aus Kanzlerdämmerung nach dem kommenden Sonntag schnell Parteiendämmerung werden – denn die SPD ist bei Licht betrachtet noch viel übler dran. Parteiendämmerung aber kann sich zur fundamentalen Demokratiekrise entwickeln.

Bettina Hagen  "Angie oder die Frau mit den zwei Gesichtern"  Acryl auf Leinwand - 60 x 80 - 2005/10
Bettina Hagen "Angie oder die Frau mit den zwei Gesichtern" Acryl auf Leinwand - 60 x 80 - 2005/10

Möchten Sie, lieber Leser, gern einmal das Ihnen sonst nur noch aus den unsozialen Medien des Internets bekannte Gefühl der Klassenkeile live erleben? Suchen Sie den kleinen Adrenalinschub und das beglückend-entspannende Gefühl, einer ernsthaften Bedrohung gerade noch mit viel Glück entronnen zu sein?

Wenn dem so sein sollte, dann empfehle ich Ihnen einen Besuch bei einer der sicherlich auch in Ihrer Nähe stattfindenden Parteiveranstaltungen der CDU. Setzen Sie sich dort still und zurückhaltend irgendwo ins Mittelfeld der Anwesenden. Dann warten Sie während des Berichts des Versammlungsleiters auf einen kurzen Moment allgemeiner Stille und Besinnung und sagen Sie die drei Wörter „Wir – schaffen – das!“. Alles weitere ergibt sich von selbst – und sie werden spät abends erschöpft aber glücklich, einer tödlichen Gefahr entronnen zu sein, ins Bett fallen.

„Alternativlos“ zum „Wir schaffen das“

Diese drei Wörter aneinander gereiht stehen in der Union wie nichts anderes für den Blindflug der Kanzlerin und Parteichefin. Waren es bis vor kurzem noch die Raute und das Mantra-artig wiederholte „alternativlos“, mit dem Angela Merkel mehr sich selbst als ihre Politik zu definieren suchte, so ist es ihr innerhalb weniger Wochen gelungen, das von der Parteibasis als Dokument des Versagens ihrer Politik wahrgenommene „Wir schaffen das!“ gleichzeitig zum Unwort und zum Kanzlersynonym werden zu lassen.

Die Stimmung im Parteivolk ist so schlecht wie nie zuvor. Selbst langjährige Getreue, die bei Sturm und Eisgewitter im Wahlkampf auf der Straße standen, denken laut hörbar darüber nach, bei der nächst passenden Gelegenheit die AfD zu wählen. Nicht, weil sie sich in irgendeiner Form mit den kruden Vorstellungen, die die Protagonisten dieser Partei verbreiten, identifizieren würden – einfach nur deshalb, damit – so wörtlich „die da oben in Berlin mal was merken“.  Denn das tun sie aus Sicht der Parteibasis seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr.

Patrioten statt „hassrülpsender Pöbel“

Nur noch jene, die als Bundestagsabgeordnete allwöchentlich gekaudert werden, versuchen verzweifelt, das Hohelied der alternativlosen Politik zu singen. Doch auch sie werden leiser, denn bei jeder Konfrontation mit ihrer eigenen Basis wächst die Befürchtung,  bei den nächsten parteiinternen Nominierungsrunden selbst nicht mehr alternativlos zu sein. So sehr Unionsanhänger im Allgemeinen gesittet sind und eine natürliche Hochachtung vor den Leistungen ihrer Führung mitbringen, so sehr gleiten sie derzeit in die Heimatlosigkeit. Jene, die sich bislang innerhalb der Union in der Mitte verorteten, bekennen offen, sich an den rechten Rand gedrängt zu fühlen. Die vom alten rechten Rand der Union sind mittlerweile ohnehin zumindest mental bei der Gauland-AfD. Und selbst die vom progressiven Unionsflügel sehen „ihre“ Kanzlerin, der sie über Jahre die Treue hielten und deren Schwarz-Grün-Avancen sie aus tiefster Überzeugung unterstützten, irgendwo im Nirwana zwischen Sozialdemokratie und Grünalternativen entfleuchen.

Anders als dieser „hassrülpsende Pöbel“, der in seiner geschichtslosen Pseudointellektualität in der linksalternativen „taz“ über Deutschland als „ein Land, das auf der Karte so aussieht, als hätte jemand in die Mitte Europas gekotzt, eine stinkende und stickige Lache Erbrochenes“ geifert und von „Sachsens inzestuösen Dörfern“ schwafelt, sind Unionsanhänger bekennende Patrioten. Sie lieben ihr Land und sind stolz auf das, was nach dem Zusammenbruch 1945 mit ihrer Hilfe daraus werden konnte. Auch sind sie aufrechte Europäer – zumindest in dem Sinne, wie diese großartige Idee einst von Charles de Gaule, Alcide de Gasperi, Konrad Adenauer und anderen, vom europäischen Bruderkrieg gezeichneten Staatsmännern aus der Taufe gehoben wurde. All das sehen sie nun ebenso bedroht wie ihre Grundüberzeugung, dass Deutschland ein in christlicher Tradition stehendes, den Werten der Aufklärung verpflichtetes Land ist, das sich zwar gern von fremden Kulturen bereichern lässt, nicht aber von diesen übernommen werden darf. Die Anhänger der Union teilen hier die Auffassung ihres „Einheitskanzlers“, der seiner Nachfolgerin jüngst vorwarf, das europäische Projekt zu zerstören.

Die Gefahr an der eigenen Spitze

Orteten die Unionsanhänger dereinst die Gefahren für ihre Grundüberzeugungen einerseits im internationalistischen Sowjetimperialismus, in dessen Fußstapfen mittlerweile für jeden erkennbar der einen hybriden Krieg gegen Europa führende russische Präsident getreten ist, und andererseits bei jenen von einem sozialistischen Wolkenkuckucksheim träumenden Kollektivisten des linken Parteienspektrums, so erkennen sie die Gefahr mittlerweile an ihrer eigenen Spitze. Merkel, so sehen das die meisten, ist nicht länger eine von ihnen. Ein langjähriger Aktivist aus dem mittleren Parteimanagement bringt es mit folgendem Satz auf den christdemokratischen Punkt: „Wenn eine von der Union gestellte Kanzlerin nur noch von Sozis und Grünen gelobt wird, dann ist irgend etwas schief gelaufen.“ Wie „schief gelaufen“, das wird sich spätestens am kommenden Super-Sonntag erweisen, wenn in drei Bundesländern ein neuer Landtag gewählt wird.

Keine Macht für Niemanden

Glauben wir den beim ZDF veröffentlichten Prognosen, dann wird es in Baden-Württemberg gerade einmal für Platz zwei hinter den Grünen reichen. Das werden die Unionsanhänger noch verschmerzen können, denn als Juniorpartner des kuscheligen Apo-Opas Winfried Kretschmann können sie allemal ebenso gut leben wie mit einem Spitzenkandidaten, der nicht nur optisch an die größte ministerpräsidiale Fehlbesetzung der eigenen jüngeren Geschichte namens Stefan Mappus erinnert.

Dramatischer sieht es schon in Sachsen-Anhalt aus. Dort könnte es selbst mit der an Auszehrung leidenden SPD nicht mehr für das Amt des Ministerpräsidenten reichen. Aus Unions-Sicht einzig tröstlich: Dank einer derzeit bei 17 Prozent verorteten AfD ist eine linke Mehrheit unter dem an den Räuber Bill Bo der Augsburger Puppenkiste gemahnenden PdL-Spitzenmann Wulf Gallert mittlerweile absolute Utopie.

Am härtesten treffen wird es die eloquente Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner. Ihr, die nicht nur in den eigenen Reihen als Kanzlerinnen-Alternative gesehen wird, scheint es zwar nach Stand der Dinge zu gelingen, das Unionsergebnis von 2011 weitgehend zu halten – der Durchbruch zu einer dominierenden Mehrheit gegen die diskussions-verweigernde Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird ihr jedoch versperrt bleiben. Dennoch darf allein schon ein Klöckner-Ergebnis über 30 Prozent als persönlicher Erfolg gewertet werden: Ihr farbloses Pendant aus Baden-Württemberg muss gegenwärtig einen Verlust von fast zehn Prozent  erwarten. Deutlicher kann der Wähler die personellen Fehlentscheidungen von Landesparteien kaum bestrafen.

Noch Luft nach oben – für die AfD

Ob es allerdings tatsächlich so kommen wird, ist derzeit alles andere als ausgemacht. Nicht nur, dass gerade Protestwähler erfahrungsgemäß vor den Wahlen ungern ihre zeitweilige Präferenz dann offenbaren, wenn ihr Wahlziel einer öffentlichen Anti-Kampagne unterliegt, und daher noch viel Luft insbesondere für die AfD vorhanden ist – auch erklären im Ländle 51 Prozent der Befragten , sich noch nicht entschieden zu haben (S-A = 45 %, Rh-Pf = 42 %). Damit werden die prognostizierten Wahlprozente fast schon zur Makulatur, denn tatsächlich stehen in Baden-Württemberg nur 15 % der Wahlberechtigten hinter der CDU (Grüne = 16 %; SPD = 6 %; AfD = 5 %; FDP = 3 %; PdL = 2 %). Nicht viel besser sieht es in den beiden anderen Bundesländern aus.

Die Bindungen schwinden

In Rheinland-Pfalz bindet die Union derzeit real 20 Prozent (SPD = 20 %; AfD = 6 %; Grüne = 3 %; FDP = 3 %; PdL = 2 %) und in Sachsen-Anhalt 18 Prozent (PdL = 11 %; AfD = 9 %; SPD = 8 %; Grüne = 3 %; FDP = 2 %).

Das sind Zahlen, die nicht nur aufzeigen, wie schnell es der AfD gelingen könnte, noch weiter an die Spitze vorzudringen. Entschiede sich beispielsweise in Sachsen-Anhalt nur jeder zehnte der noch „Unentschlossenen“, die AfD zu wählen, so läge die Partei am Ende bei real 13 Prozent Zustimmung und könnte mit einem relevanten Stimmenanteil von 21 Prozent der gültigen Stimmen sogar die PdL überflügeln.

Noch deutlicher aber zeigen diese Zahlen auf, wie wenig Rückhalt die sogenannten etablierten Parteien der (linken) Mitte von Union bis Grüne heute haben. Im Südwesten stehen gerade noch 40 Prozent der Wahlberechtigten hinter ihnen. In Rheinland-Pfalz sind es 46 Prozent  – und in Sachsen-Anhalt sogar nur 31 Prozent  – nicht einmal mehr jeder Dritte.

Mediale Ungleichgewichte

Diese Entwicklung, die seit über zehn Jahren absehbar und vor der gewarnt worden war, zeigt deutlich, welch eine mediale Überbewertung insbesondere Splittergruppen wie der PdL – Die Linke zuteil wird, wenn ihre Chefpropagandistin Sahra Wagenknecht in gefühlt jeder zweiten Talkshow das große Wort schwingen darf. Tatsächlich aber sollte diese Entwicklung bei allen „Altparteien“ sämtliche Alarmglocken auf „Red Alert“ stellen, denn sie dokumentiert ein bis heute nie dagewesenes Misstrauen gegenüber der etablierten Politik.

Als ich vor einigen Jahren führende Unionspolitiker auf die Gefahr hinwies, die der Demokratie von diesem „Misstrauenspotential“ dann drohen kann, wenn dort ein charismatischer Volkstribun auftauche, wurde dieser Hinweis mit dem Argument, das sei „unpolitisch“, weil am Ende nur die abgegebenen, gültigen Stimmen zählten, vom Tisch gewischt.  Mittlerweile liegt das Kind im Brunnen. Für die Union bedeutet es: Kanzlerdämmerung.

Von der Kanzlerdämmerung zur Demokratiekrise

Selbst wenn es der alternativlosen Merkel mangels tatsächlicher, personeller Alternativen gelingen sollte, sich über die Legislaturperiode zu retten – sie ist dabei, „ihre“ Partei alternativlos radikal zu vernichten. Starrsinnig dokumentiertes Talkshow-Willen wird daran nichts ändern.

So kann aus Kanzlerdämmerung nach dem kommenden Sonntag schnell Parteiendämmerung werden – denn die SPD ist bei Licht betrachtet noch viel übler dran. Parteiendämmerung aber kann sich zur fundamentalen Demokratiekrise entwickeln – wobei: Die natürliche Evolution lehrt, dass unbesetzte Biotope schnell jemand Neues finden, der den ungenutzten Lebensraum zu nutzen versteht. Jenseits dessen, dass die AfD dieses gerade offenbar erfolgreich vormacht – warten wir also den kommenden Sonntag ab. Und dann – um mit kaiserlichen Weisheiten zu schließen – ja, dann schauen wir mal.

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Kommentare {53}

  1. ein Blick in Nachbars Garten zeigt, wo die reise (hoffentlich) hingeht:

    Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Polen, Österreich, Schweiz = alles deutsche Nachbarstaaten und alle gerade dabei, entweder sehr konservativ-etablierte oder sogar konservativ- nationale Parteien zu wählen.

    Wenn Marine le Pen mit Angela Merkel “gipfelt” – das sind Bilder der näheren Zukunft, die sich die etablierten selbst zuschreiben müssen.

    Lieber Herr Spahn, bitte erläutern Sie doch demnächst mal, die “kruden” Ansätze der AfD aus deren Programm. Sachlichen Argumenten ggü. bin ich sehr aufgeschlossen, aber diese Bemerkung halte ich per se für genau einen wesentlichen Grund dafür, warum diese Partei mehr und mehr Zulauf erhält.

    P.S.
    Ich warte auf einen einzigen Artikel von Ihnen, der ohne Putin auskommt :-)

    1. Schauen Sie mal auf meine Antwort bei Sieweke – könnte Ihren Hinweis beantworten.
      Und dann schauen Sie mal auf die Liste meiner Veröffentlichungen hier bei Tichys. Da werden Sie dann auch einiges finden, wo Putin nicht auftaucht. Leider aber liegt es nicht in meiner Macht, seine internationalen Avancen und Aggressionen zu verhindern. Insofern wird er leider auch künftig sicherlich ein Favourit bleiben.

  2. “So kann aus Kanzlerdämmerung nach dem kommenden Sonntag schnell Parteiendämmerung werden……”

    Gott im Himmel bitte, bitte, gebe mir ein Zeichen, sage mir, wie viele Kerzen ich wo hinstellen soll, damit dieser, Dein Wille geschehe. Ich bin zu jedem Opfer bereit.

  3. “Die natürliche Evolution lehrt, dass unbesetzte Biotope schnell jemand Neues finden, der den ungenutzten Lebensraum zu nutzen versteht.”

    Die natürliche Evolution kennt auch globale “Kapazitätsgrenzen”. Wenn diese Kapazitätsgrenzen von einer Art überschritten wird, reagiert die natürliche Evolution u. U. durch Reduzierung der Art.

  4. Als christsozial Verorteter stehe ich dem Niedergang des konservativen Leitbildes in der CDU fassungslos gegenüber. Diese Entwicklung allerdings alleine Frau Merkel ankreiden zu können erscheint mir wenig unterlegt zu sein, denn die erste wie auch die zweite Personalreihe trägt die Politik der Kanzlerin grundsätzlich mit, der Widerstand um beispielsweise Wolfgang Bosbach starb beim letzten Parteitag, als selbst dieser zum Klatscher degenerierte. Vermeintliche Hoffnungsträger wie auch Jens Spahn stehen zudem immer auf der richtigen Seite, so dass auch diese als Netzwerker in ausschließlich eigener Sache zu visionären Hoffnungsträgern im Sinne konservativer Leitlinien nicht taugen. Die konservativen Zirkel in der CDU sind zu besseren Freundeskreisen mutiert, denen jede Inspiration abhanden gekommen und von denen nichts zu erwarten ist. Und auch einen wirklich tragfähigen Widerstand aus der Mitte der Partei, getragen von der Basis, gibt es nicht. Die CDU ist eine grünbürgerliche Gutmenschenpartei geworden, die in der jüngsten Vergangenheit die Voraussetzung geschaffen hat, um Bündnisse mit den Grünen tragfähig erscheinen zu lassen. An dieser Front arbeiten konsequent zwei Personen. Es sind dies die Parteivorsitzende Angela Merkel und ihr Generalsekretär Peter Tauber.

    Ich neige zu der Ansicht, dass die CSU kaum mehr ein Korrektiv sein kann. Bei aller Leidenschaft für ein bundesweites (und erwünschtes) Auftreten der Christsozialen sollte klar sein, dass es dazu sicher nicht kommen wird, denn der Geist von Kreuth ist nicht nur ausgeträumt, sondern er ist tot. Die CSU kann also nur eine Bayernpartei neuen (und “rechteren”) Zuschnitts sein und insoweit ihre Vision für ein Europa der Regionen (was grundsätzlich etwas sehr viel anderes ist als ein Europa der Vaterländer de Gaulle’schen Ansinnens) transportieren. Die CSU wird für sich bedauerlicher Weise auf Bundesebene nicht durchdringen. Mehr noch: So wie jetzt andere Länder “für” Deutschland die Grenzen geschlossen haben, so scheint mir mittlerweile die AfD diejenige Partei zu sein, die der Union jenen Druck zukommen lässt, der offensichtlich notwendig ist, um sich der eigenen Wurzeln zu erinnern. Ob dies der Union insgesamt, vornehmlich der CDU, Ansporn genug ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ob diese Rückbesinnung überhaupt gewünscht ist, geschweige denn konsequent betrieben werden soll, dafür gibt es wohl das eine oder andere Statement, aber einen Plan gibt es sicher nicht. Auch glaube ich nicht, dass es sich bei den Wählern der AfD in der Mehrheit einfach nur um Protestwähler handelt. Sehr viele Menschen wollen schlicht eine andere Politik, eine Politik, die klare konservative Leitlinien formuliert, und auch gewisse liberale Elemente bietet, so eine gesteuerte, aber dennoch restriktive Einwanderungspolitik, die klar formuliert, wen wir haben wollen, und wen eben gerade nicht. Wir erleben stattdessen ein Chaos allenthalben, das den Bürgern schöngebetet wird. Ich denke, die AfD stösst lediglich in ein Vakuum, das willentlich aufgetan wurde, von einer CDU, die ohne jede Fassung ist oder eben auch schlicht nur eine neue Vorstellung von der Gesellschaft der Zukunft hat.

    Zu der Widerrede von Herrn Tichy hinsichtlich eines Kommentars hier, der wiederum die Zusammenarbeit mit Russland und China favorisiert (als Gegenentwurf zur Westbindung Deutschlands) möchte ich anmerken, dass die grundsätzliche Abkehr von den USA kaum zielführend sein dürfte, aber ich gestehe, dass auch ich die prinzipielle Verteufelung der osteuropäischen Staaten nicht im Geringsten teile und auch eine Konfrontation mit Russland ausdrücklich nicht wünsche. Persönlich – und ich denke, dass ich diese Meinung mit vielen hier in Deutschland teile – wünsche ich mir eine eigenständige, selbstbewusste europäische Position in einem Staatenbund, die auch gegenüber den Amerikanern eine eigene Haltung in der Aussenpolitik formuliert. Tatsache ist, dass vom westlichen Nordafrika bis zum Hindukusch Länder (und ihre Ordnungen), ob nun demokrtisch im westlichen Sinne oder nicht, in Schutt und Asche gelegt wurden, und wir in Europa, vornehmlich in Deutschland die humanitäre Rechnung zu bezahlen haben. Ist also dies unser Beitrag für die Demokratisierungsversuche dort überall während wir selbst nicht wissen, wer wir sind und wohin wir wollen ?

    Wenn ich mir das Wahlprogramm der CDU aus dem Jahre 2002 zu Gemüte führe – und immerhin war schon damals Frau Merkel Vorsitzende dort – dann komme ich nicht umhin festzustellen, dass wir heute bei dieser CDU eine Kehrtwende um gerade einmal 180° erleben. Und dabei wird die Annäherung der CDU an die Grünen zudem flächendeckend einer Familienpolitik den Weg bereiten, der die Auflösung des konservativen Kerns der Gesellschaft schlechthin, eben der Familie, schlechterdings befördert. Die CDU ist für den Liberalkonservativen WERT-los geworden.

    1. Vielleicht habe ich es uebersehen, eine prinzipielle Verteufelung der Osteuropaeischer Staaten habe ich hier nie beobachtet. Manche Regierungen werden wegen konservativer Positionen durch deutsche Medien und Politik diktatorisch angegriffen. Gleiche gilt fuer unhaltbare Vorwuerfe wegen angeblich mangelnder Solidaritaet!

      Russland betrachtet man aus Osteuropaeischer Sicht als Aggressor und Unterdruecker! Kritik an Russland wegen menschenverachtende Politik und Voelkerrechtsverletzungen ist mehr als berechtigt. Ziele der russischen Politik sind NATO und Europa zu destabilisieren und zu spalten. Deutsche die es noch nicht bemerkt haben, besonderes die AfD Freunde, sind ideologisch schon zu gut umerzogen und nicht waehlbar!

    2. Chapeau Herr Stamm!
      Sehr überzeugende Einschätzung dieser Partei, der ich früher anhing.

      Gruß
      E N

    3. Respekt, ich kann Ihnen hier in allen Punkten nur zustimmen, obwohl ich hier in BY noch eine wählbare Alternative außerhalb der AfD zu einer im Schatten der CDU als deren “Bettvorleger” zusehens verblassenden CSU vorfinde (FW, allerdings faktisch ohne politische Relevanz auf Bundes/Landesebene).
      Egal welche Partei, ich wünsche mir Verlässlichkeit & Rechtstreue, gesunden Menschenverstand, vernünftige Familienpolitik, Marktwirtschaft und auf jeden Fall auch ein Stück vom “C” zurück (wobei ich hier die dümmliche Merkelsche Gesinnungsethik ausdrücklich als nicht christlich bezeichnen würde – da sie in jedem Aspek den Sinn von Verantwortungsvollem und aufrichtigem Handeln pervertiert).

    4. @Herr Stamm

      Hervorragender Kommentar, danke dafür!

  5. Sicherlich ein guter Situationsbericht. Wer in die Ortsunionen der CDU geht, wird erkennen, dort nur noch wenige 65+ Leute vorzufinden, von denen die meisten völlig apolitisch sind. Für Funktionen innerhalb der Partei kann man Max. 5 % gebrauchen, was sich im Personal der CDU wiederspiegelt, siehe Wolff in BW.
    Das dauernde Negative in der AFD zu sehen , verstehe ich allerdings nicht. Diese ehemaligen CDU/SPD UND teilweise linken Politiker sehen sich mit ihren Wählern ja ständig unter Generalverdacht gestellt. Selbst in Berichten wie diesem, muss immer die Abgrenzung erfolgen und mit abfälligen Attributen geglänzt werden.
    Bekäme die AFD ähnlich viel Raum für ihre Thesen und ihr Programm, es ist nun mal nicht links, gäbe es sicher weitere Zustimmung, wie in den anderen europäischen Ländern.
    Die Bürger sind der linken Einheitssoße a la SPD/PDS und BündnisGrüne mehr als überdrüssig. Diese spielen in der Bürgermeinung nur noch eine geringe Rolle, aber beherrschen die Medien durch die knapp 10 Familien und die TV Räte.

    1. Das AfD-Problem, lieber Sieweke, ist es, dass sie derzeit immer noch ein Programm aus der Lucke-Zeit hat. Ob dieses tatsächlich noch Geltung hat, darf angezweifelt werden.
      Ich würde mich gern mit einem AfD-Programm inhaltlich auseinandersetzen – sachlich und ohne Häme. Geht aber nicht. Denn manche Aussagen mancher Protagonisten sind mit dem Lucke-Programm eben nicht kompatibel. Siehe Höcke – oder auch Petry, die von Gauland erst eingefangen werden musste.
      Da ist eine inhaltlich-sachgerechte Beschäftigung mit dieser Partei derzeit leider nicht möglich – weshalb ich von “kruden Aussagen” der Protagonisten spreche. Das trifft somit weder ein nicht vorhandenes Programm noch eine mögliche Wählerschaft.
      Solange aber nicht klar ist, wofür diese Partei nun tatsächlich programmatisch steht, ist sie für mich nicht nur angreifbar, sondern bietet auch Diffamierungspotentiale jenseits der tatsächlich unsachlichen Hatz, die manche aus den etablierten Parteien und den Medien auf sie blasen.
      Also: Geben Sie mir ein von einem regulären Parteitag beschlossenes, für die Petry-AfD geltendes Programm – dann kann ich feststellen, wie die Partei tatsächlich zu bewerten ist. Vorher aber nicht. Und so lange bin ich eben auf die “Ausfälle” angewiesen, die zwangsläufig aufgrund der ihnen zukommenden Ressonanz das Bild prägen.

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