Ein paar offene Fragen zur vom Staat verordneten Frauenquote

HugoMuellerVogg

Frauenquote, Frauentag, Frauenjubel: Die Quote ist da. Nach dem Beschluss des Bundestags fehlte es nicht an großen Worten. Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) sprach von einem „historischen Schritt“. Zugleich wurde an die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 erinnert.




Nun ja, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich: Damals wurden alle Frauen wahlberechtigt und wählbar. Heute profitieren von der Quote zunächst einmal einige Dutzend Frauen, die in einem Teil von genau 108 Unternehmen den weiblichen 30 %-Anteil in den Aufsichtsräten auffüllen müssen. In einem zweiten Schritt müssen die 3600 größten Unternehmen individuelle Quoten für Vorstand, Aufsichtsrat und die beiden nächsten Management-Ebenen festlegen. Ob die Quote lächerlich niedrig ausfällt und ob sie dann auch eingehalten wird – Sanktionen außer öffentlicher Schelte drohen nicht.

Bei all dem Quoten-Ballyhoo bleiben da einige Fragen:

1) Warum waren eigentlich etwa die Hälfte der CDU/CSU-Abgeordneten bei der Abstimmung nicht im Plenarsaal, statt ihre Ablehnung offen auszudrücken und mit Nein zu stimmen?

2) Warum ging in den Medien die Stellungnahme der früheren Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) unter, die die Frauenquote nannte, was sie ist: „einen empfindlichen Eingriff in die unternehmerische Freiheit“?

3) Warum fiel so gut wie niemand auf, dass Frauenfördererin Ursula von der Leyen (CDU) sich nach der Abstimmung demonstrativ zu den SPD-Frauen gesellte? Fühlt sie sich bei den Genossinnen bereits wohler als in den eigenen Reihen?

4) Warum erinnerte sich in der CDU niemand mehr an folgende Merkel-Aussage aus dem Jahr 2004: „Waren Sie der Ansicht, gute Frauen kommen auch ohne Quote überallhin?“ Merkel: „Im Grunde ja“.

5) Mit welchem Recht schreibt die GroKo der Wirtschaft eine verbindliche Quote für die Aufsichtsräte vor, wenn in den Aufsichtsgremien von 140 der 255 größten Unternehmen mit Staatsbeteiligung weniger als 30 Prozent Frauen sitzen?

6) Mit welchem Recht fordert die GroKo von der Wirtschaft unternehmensbezogene Quoten für die zweite und dritte Führungsebene, wenn es unter den rund 110 Abteilungsleitern im Kanzleramt und in den Bundesministerien nur 20 % Frauen gibt?

7) Mit welchem Recht verpflichtet die Bundesregierung die Wirtschaft zu Frauenquoten, obwohl sich keine Regierung jemals an das seit 1994 geltende Bundesgremienbesetzungsgesetz gehalten hat? Es bestimmt, dass der Bund in seinem Verantwortungsbereich auf eine „gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern“ hinzuwirken hat.

8) Warum macht die Bundesregierung in Ministerien, Behörden und Staatsunternehmen nicht vor, dass Betriebskitas mit langen Öffnungszeiten (7 – 20 Uhr) berufstätigen Müttern besser helfen würden als irgendwelche Quoten?

9) Müsste es nicht eigentlich auch eine gesonderte Quote für Migrantinnen geben? Und warum tut der Staat, wenn er schon alles regen will, nichts für ostdeutsche Frauen?

10) Ach ja, wie sieht es eigentlich mit einer Quote für Väter aus, die Kind und Frau zuliebe im Beruf aussetzen und nach Rückkehr an den alten Arbeitsplatz schlechtere Karrierechancen haben?

Wir sehen: Für all die Oberaufseher, Vorschriften-Erfinder und Regulierungssüchtigen in allen Bundestagsparteien gibt es noch viel zu tun. Ohnehin ist mit dem nun erreichten Maß staatlichen Dirigismus‘ bei der Frauenquote das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.

Da sollte sich niemand täuschen: Bei Rot-Grün oder Rot-Rot-Grün ist Schluss mit 30 Prozent- und „Flexi“-Quoten. Dann wird die 50 Prozent-Quote verbindlich. Dann gilt noch stärker als heute: Nicht auf die Leistung, auf das Geschlecht kommt es an.




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Kommentare {21}

  1. “Da sollte sich niemand täuschen: Bei Rot-Grün oder Rot-Rot-Grün ist Schluss mit 30 Prozent- und „Flexi“-Quoten. Dann wird die 50 Prozent-Quote verbindlich.”

    Nein ob Rot-Schwarz oder Grün ist egal, die machen alle die selbe Politik.
    Die CDU ist genauso für die Quote.

  2. Wo ist die Studie, die untersucht hat wieviele Frauen sich auf Managerposten oder ähnlichen beworben haben und wieviele dann auch angenommen wurden. Nur weil es weniger Frauen in Führnungsebenen gibt, heißte das nicht das diese dort generell diskriminiert werden. Die Studienanfängerinnen in den wirtschaftsrelevanten Ingenieursdisziplinen sind seit Jahren trotz intensiver Mädchenföderungen immer noch gering.

    Ich weiß nur von einer Untersuchung, bei der vergleichen wurde wieviele Frauen sich auf Professorenstellen beworben haben und wieviele dann angenommen wurden. Dabei kann heraus das 23% der Bewerber Frauen waren und 29% der Stellen mit Frauen besetzt wurden. Ist das jetzt eine Diskriminierung von Frauen? Ungeachtet dessen finanziert der Bund nin schon in wiederholter Auflage eine Professorinnenprogramm, bei dem Stellen nur finanziert werden wenn sie mit eine Frau besetzt werden.

    1. In Leipzig gibt es an der Uni einen Professorinnen-Anteil von 100% (per Beschluss)

    2. Bei einer Quote kommt es nicht auf Leistung an. Es geht hier nicht um Gleichberechtigung, sondern um Gleichstellung. Das ist vielen einfach nicht klar.

  3. Wer Frauenquoten schafft, wird Quotenfrauen ernten. Bezeichnend für den Siegeszug des Feminismus und den dadurch immer erbärmlicheren Zustand unserer Demokratie ist das feige Fernbleiben der CDU Abgeordneten. Wir brauchen dringend wieder Politiker mit Rückgrat, und seien sie in der AfD !

  4. Wer das Frauenwahlrecht befürwortet, hat jedes Recht verloren die Frauenquote zu kritisieren. Weibliche Politikerinnen wollen die Quote, weibliche Wählerinnen wollen die Quote, weibliche Journalistinnen bejubeln die Quote, weibliche Wissenschaftlerinnen unterstützen die Quote. Dürften nur Männer wählen gäbe es keine Frauenquote.

    Das Gleiche gilt international. Der bekennende Feminist Obama, der eine feministische Glückseligkeit nach der anderen durchdrückt, hätte ohne Frauenwahlrecht verloren.

    Zwei Seiten einer Medaille. Die Frauenquote ist bloß ein Symptom des Frauenwahlrechts.

    1. Lieber “Froschschenkel”, ich respektiere Ihre Meinung, aber meinen Sie nicht, dass Sie ein wenig zu sehr pauschalisieren? Ich bin z. B. für das Frauenwahlrecht, aber gegen die Quote – und ich kenne viele Frauen jeden Alters, die auch gegen die Quote sind. Lesen Sie dazu auch meinen Kommentar auf Seite 1, wenn Sie möchten. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen!

  5. […] Die Union war nie eine Quotenpartei. Seitdem Merkel die CDU als Mehrheitsbeschafferin der SPD zu betrachten scheint, Zug um Zug gegen Überlassung des KanzlerInnenpostens an sie, war klar, dass als erste die Frauenquote beschlossen wird. 100 Jahre Feminismus drängten zunächst auf abstrakte Chancengleichheit. Das wurde langweilig und deswegen forderte schließlich ein neuer Frauenpolitikerinnentypus die Quote, die jetzt etabliert wurde. […]

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